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Kundenleitsystem

Apotheker baut Corona-Ampel

Berlin - Um den nötigen Sicherheitsabstand zu gewährleisten, müssen immer mehr Apotheken ihre Kundenströme lenken. Mittel der Wahl sind dabei zumeist Bodenaufkleber, Plakate, Aufsteller und Absperrbänder. Die Heilig-Geist-Apotheke in Rosenheim war da kreativer: Apotheker Dominik Simon hat ein beleuchtetes Ampelsystem gebaut. Denn jeder Kunde weiß: Bei Rot musst du stehen, bei Grün darfst du gehen.

Es sieht sogar schick aus: Die Eingangstür von Simons Apotheke ist mit LED-Schienen umrahmt, die abwechselnd rot und grün leuchten. Doch es geht nicht um die Ästhetik, sondern um den Infektionsschutz. Da nur noch drei Personen zur selben Zeit in die Offizin dürfen, hat sich der Inhaber etwas ausgedacht. „Ich kenne mich selbst ein bisschen mit Elektrik aus und hatte durch Zufall noch diese LED-Profile zu Hause“, erklärt er. Also machte er sich ans Basteln und hörte bei der Eingangstür nicht auf.

Auch über den drei HV-Tischen befindet sich jeweils eine LED-Leiste, die durch ihre Farbe anzeigt, dass der Bedienplatz frei ist. Ist der Eingang grün, tritt der Kunde ein und sieht dann, an welchen HV er kommen kann. Ist der Kunde wieder weg, bedient der Mitarbeiter am HV einen Schalter, um anzuzeigen, dass der Platz wieder frei ist. Die Tür wird dann wieder grün. Das machte die Konstruktion allerdings ein wenig komplizierter. „Ich musste eine kleine Schaltung selbst entwickeln, denn wenn ein HV grün und die anderen beiden rot sind, muss die Tür ja trotzdem grün sein“, erklärt Simon. „Das habe ich über vier verschaltete Relais gelöst.“

Dass Simon das kann, kommt nicht von ungefähr. Denn vor der Pharmazie hatte er bereits ein anderes Studium abgeschlossen: „Ich bin vielleicht der einzige Apotheker in Deutschland, der auch Bauingenieur ist“, sagt er. Der Einbau der Ampelanlage fiel dann auch bedeutend leichter, bei der Tür hat er die Schienen einfach am Alurahmen befestigt, bei den HV-Tischen an den Plexiglasschreiben mit Kabelbindern festgemacht.

Die einfache Konstruktion bewährt sich bis jetzt. „Das funktioniert gut mit den Kunden und wirkt sich auf jeden Fall positiv auf den Arbeitsfluss aus“, sagt Simon. „Sonst muss man immer schauen, ob da jemand steht, denjenigen dann reinrufen und zeigen, an welchen Platz er kommen soll.“ Das falle nun weg – meistens zumindest. „Manche sind halt farbenblind. Es gibt auch Kunden, die schauen gar nicht, sondern kommen einfach mit ihrem Rezept herein. Aber die allermeisten Kunden warten diszipliniert.“ Außerdem helfe die Ampelanlage bei der Lenkung der Kunden innerhalb der Offizin: „Wir haben hier eine Einbahnstraßenregelung: zur einen Tür rein, zur anderen raus“, erzählt Simon.

Das Konzept gefällt ihm so sehr, dass er darüber nachdenkt, auch seine anderen beiden Apotheken damit auszurüsten. Außerdem spielt er mit dem Gedanken, noch weiter an seiner Konstruktion rumzubasteln, beispielsweise ein akustisches Signal einzubauen, dass die Kunden zusätzlich darauf hinweist, dass sie losgehen können. Doch dazu müsste er erst einmal die Zeit finden, die ist im Moment schließlich auch Mangelware. „Im Moment arbeite ich oft von morgens um sieben bis abends um zehn, es ist schon einiges“, sagt Simon.

Die Heilig-Geist-Apotheke in Rosenheim ist nicht die einzige, die derzeit durch ihre Kreativität auffällt. Auch andere Betrieb haben sich einiges einfallen lassen, um den aktuellen Umständen Rechnung zu tragen, sei es eine Medikamentenrutsche wie in der Hasenleiser-Apotheke in Heidelberg, ein Laborzelt neben der Offizin wie in der Hexental-Apotheke in Merzhausen oder ein angebautes Schalter-System wie in der Ordens-Apotheke in Bad Harzburg.

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