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Apothekenhonorar

Adexa: „Mit dem Hintern eingerissen“

Berlin - Apothekenmitarbeiter müssen womöglich länger auf die nächste Gehaltserhöhung warten: Ohne vorherige Anpassung des Fixhonorars gehe nichts, hatte Theo Hasse, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheken (ADA), zuletzt deutlich gemacht. Derweil hat die ABDA erklärt, sich anstelle des Honorars zunächst auf eine bessere Vergütung von Rezepturen, Betäubungsmitteln (BtM) und Notdiensten zu konzentrieren. „Extrem frustrierend“, findet das Tanja Kratt, Leiterin der Adexa-Tarifkommission.

Die Tarifverhandlungen zwischen Adexa und ADA waren Mitte August ohne Ergebnis vertagt worden, weil die Arbeitgeberseite von ihren Mitgliedern kein Mandat für Gehaltserhöhungen erhalten hatte. Der ADA machte deutlich: „Ohne Bewegung in der Politik wird es keine Tariferhöhung für Apothekenmitarbeiter geben können.“

Kratt kann das nicht nachvollziehen: „Fakt ist, dass die Apotheken insgesamt mit einer Erhöhung des Apothekenhonorars um 100 Millionen Euro rechnen können.“ Dazu komme ein Umsatzplus von 9,2 Prozent bei den OTC-Mitteln und steigende Einnahmen aus dem Nacht- und Notdienstfonds, so Kratt mit Blick auf Zahlen der Treuhand zum ersten Halbjahr 2015.

Die Adexa-Verhandlungsführerin ist überzeugt, dass es Spielraum für Gehaltserhöhungen gibt. „Sonst würde man nicht von den Forderungen zurücktreten“, gibt Kratt zu bedenken. „Offenbar ist die Situation so gut, dass die ABDA kommuniziert, sie wolle aktuell keine Erhöhung der Fixpauschale mehr fordern.“

Das hält Kratt ohnehin für „grundsätzlich falsch“: „Wenn man ein Ziel verfolgt, sollte man nicht auf halber Strecke aufgeben.“ Warum die ABDA eine Erhöhung des Honorars nicht mehr als erstes Ziel verfolgt, kann Kratt nicht nachvollziehen. Schließlich habe es noch im Juni die klare Ansage vom ADA gegeben, dass es ohne eine Honorarerhöhung keine Gehaltserhöhung gebe.

Daraufhin hatten die Adexa-Vorsitzende Barbara Neusetzer und ADA-Chef Hasse beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorgesprochen. Dabei habe sich auch die Adexa für eine bessere Vergütung von Apotheken ausgesprochen – und die Forderung sei positiv aufgenommen worden. „Das wird nun mit dem Hintern wieder eingerissen“, kritisiert Kratt.

Für die Adexa entstehe damit eine „schizophrene Situation“ – erst habe es geheißen, man brauche mehr Geld für Gehaltserhöhungen, die benötigte Anpassung des Fixums werde nun aber nicht mehr verfolgt. Kratt erwartet ein klares Bekenntnis von der Arbeitgeberseite: „Entweder sind die Zahlen so gut, wie die Treuhand sagt und wie die Argumentation der ABDA hinsichtlich der Fixpauschale andeutet. Dann sind Tariferhöhungen auch jetzt schon machbar“, so Kratt. Wenn die Zahlen hingegen schlecht seien, müsse das für alle Beteiligten transparent sein.

Hasse hatte zuletzt erklärt, da eine Erhöhung des Fixhonorars nach dem derzeitigen Berechnungsmodus aber offensichtlich nicht zu realisieren sei, erwarte man, dass die Politik nun wenigstens die Rezepturberechnungen und die Dokumentationsgebühren erhöhe. „Das sind Peanuts“, kritisiert Kratt. „So viele Rezepturen kann man gar nicht herstellen.“

Aus Sicht der Adexa-Verhandlungsführerin wären gestiegene Personalkosten auf Basis eines neuen Tarifvertrags „ein gutes und handfestes Argument“ gegenüber der Politik. „Wenn die Arbeitgeber warten, bis die Regierung in Vorleistung geht, können sie gleich einpacken“, befürchtet Kratt.

Sie ist überzeugt, dass die Standespolitik gut beraten wäre, intensiver mit der Mitarbeitervertretung zu kooperieren. „Das Verhältnis von 16.000 Apothekeninhabern zu 136.000 Angestellten spricht da für sich“, gibt sie zu bedenken. Der gemeinsame Termin von Neusetzer und Hasse im BMG sei ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. „Aber das passiert zu selten und wird nicht ausgebaut. Stattdessen werden diese Bemühungen von der obersten Standesvertretung konterkariert.“

Die Adexa möchte einen Tarifabschluss rückwirkend ab dem 1. Juli 2015. Die Gewerkschaft ist mit verschiedenen Forderungen in die Verhandlungen gegangen: eine höhere Zahl an Urlaubstagen, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit, eine höhere Ausbildungsvergütung, eine bessere betriebliche Altersvorsorge und eine Qualifikationsumlage für Angestellte, die Weiterbildungen gemacht haben.

Beim Thema Ausbildungsvergütung sieht sich die Adexa auf einem guten Weg. Immerhin habe Hasse erst kürzlich erklärt, der Mindestlohn für Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) werde in die Diskussion einfließen. Mehr Urlaubstage oder eine kürzere Wochenarbeitszeit dürfte den Arbeitgebern aus Sicht der Adexa weniger „Schmerzen“ bereiten als eine lineare Gehaltserhöhung.

Aber: „Natürlich ist sie auch für viele Mitarbeiter in Vollzeit weniger attraktiv als mehr Geld auf dem Konto.“ Daher liege dem ADA selbstverständlich auch Forderungen zur linearen Anpassung vor. Die anderen Forderungen wären demnach nur „eine Übergangslösung, bevor wir für alle Berufe und Berufsgruppen deutliche Zuwächse vereinbaren“, kündigt die Adexa an. Die Übergangszeit dürfe im Übrigen nur sehr kurz sein, da sonst die Attraktivität für den Nachwuchs und erfahrene Mitarbeiter dermaßen leide, dass der Fachkräftemangel weiter angeheizt werde.

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