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Schülerpraktikum

Apotheken laden zum Boys'Day

Berlin - Mehr Männer für die Offizin – das ist das Ziel des Aktionstages „Boys'Day“ und der teilnehmenden Apotheken. Der Tag soll Jungen die Möglichkeit geben, typische Frauenberufe kennenzulernen. Und dazu gehören auch PTA, PKA und Apotheker. Rund 30 Apotheken haben sich auf der offiziellen Internetseite zum Boys'Day angemeldet, weitere öffnen am Donnerstag einfach so ihre Türen für interessierte Jungen.

Dr. Jochen Vetter, Inhaber der Bären-Apotheke in Herrenberg, hat vier Schüler in seine Filiale in Tübingen eingeladen. In der Bären-Apotheke erfahren die Jungen nicht nur, welche Berufsbilder es überhaupt gibt, sondern können auch einen Blick hinter die Kulissen werfen und in der Rezeptur eine Salbe anrühren.

„Ich möchte die Jugendlichen so an den Arbeitsplatz Apotheke heranführen“, sagt Vetter. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass sich Apotheker auch bei Famulanten und Praktikanten die nötige Zeit nehmen und den Beruf bewerben. „Man muss ihnen die Möglichkeit geben, interessante Dinge zu machen – ein Arzneimittel herzustellen oder den Kommissionierer zu bedienen“, findet er. Denn inzwischen müssten sich die Apotheken um die Jugendlichen bewerben. „Bei Berufsinformationstagen drängen sie sich bei Daimler und Bosch – sie wissen, da gibt es eine gute Bezahlung, gute Rahmenbedingungen, eine gute Gewerkschaft.“ Die Apotheker müssen sich anstrengen, um mithalten zu können.

29 Apotheken haben sich über die offizielle Plattform für den Boys'Day angemeldet, fast alle Plätze sind bereits vergeben. Mira Sellheim, Vorstandsmitglied des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), freut sich: „Von Wald-Michelbach im Odenwald bis Gudensberg in Nordhessen: Viele Apotheken zeigen den Jungs, wie spannend die Apothekenberufe sind.“ Sie ermuntert die Schüler, sich in der Apotheke ihres Heimatortes zu erkundigen, ob sie am Boys'Day ihre Türen öffnet oder auch mehrwöchige Praktika anbietet.



Frank Knecht ist schon seit 2011 dabei und hat seine Apotheke auch vorher immer wieder für Kinder und Jugendliche geöffnet. „Es ist sinnvoll, denn Berufsnachwuchs neugierig zu machen und für die Apotheke zu interessieren“, sagt er. In der Bahnhof-Apotheke in Eberbach in Baden-Württemberg empfangen Knecht und sein Team am Donnerstag sechs Jungen. Knecht will ihnen zeigen, dass Naturwissenschaften und Technik nicht nur bloße Theorie sind, sondern in der Praxis angewendet werden. Die Jugendlichen werden Tees prüfen und mischen – inklusive Herstellungsprotokoll und Etikettierung –, den Kommissionierer kennenlernen und eine Salbe anrühren. „Der Schwerpunkt liegt auf dem Selbermachen“, sagt Knecht.

In der Löwen-Apotheke in Gudensberg waren bereits im vergangenen Jahr Schüler zu Gast. Ein Junge beschrieb anschließend seinen Tag: „Es fing damit an, mit Chemikalien Kräuter zu überprüfen, ob es sich dabei jeweils wirklich um das vermutete Heilkraut handelt. Dann ging es weiter, zum Beispiel Herstellung einer Handsalbe und Zusammenstellen von Teemischungen.“ Alles sei unglaublich spannend und informativ gewesen, aber auch sehr anstrengend. „Ich muss zugeben, mein Traumberuf ist Apotheker erst mal nicht“, so sein Fazit.

Aber nicht nur Apotheken sind beim Boys'Day dabei, sondern auch Hersteller wie Engelhard, Medac oder Boehringer Ingelheim und die PTA-Schulen in Castrop-Rauxel, Mühlhausen, Olsberg, Schwentinental, Ellwangen, Mannheim und Stuttgart.

Der Boys'Day wurde 2011 eingeführt – in Anlehnung an den Girls'Day, den es bereits seit 2001 gibt. Die Tage finden immer am letzten Donnerstag im April statt. Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse werden an diesem Tag vom Unterricht befreit, wenn sie an einem Workshop teilnehmen oder ein Praktikumstag absolvieren. Für Jungen und Mädchen gibt es unterschiedliche Angebote.



Jungen können sich in der Apotheke beispielsweise über den Beruf des pharmazeutisch-technischen Assistenten informieren – Männeranteil 11 Prozent. „Wer sich für diesen Beruf interessiert, sollte Interesse an Chemie, Physik und Biologie haben“, heißt es auf der Website. „Da man sich in dem Beruf auch mit Auswertungen und Statistiken beschäftigt, sollte man gut mit Mathe klar kommen. Außerdem sollte es einem liegen, sorgfältig zu arbeiten. Oft geht es in dem Job nämlich um ganz exakte Berechnungen und Genauigkeit.“

Unter den Top-30-Ausbildungsberufen des Boys'Days sind auch pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte mit einem Männeranteil von 4 Prozent. Einen niedrigeren Männeranteil gibt es nur noch bei den medizinischen Fachangestellten (2 Prozent) und bei den zahnmedizinischen Fachangestellten (1 Prozent) – in beiden Berufen haben 2014 allerdings mehr Jungen eine Ausbildung begonnen, nämlich 1431 beziehungsweise 703 Absolventen. Nur 174 Jungen haben eine Ausbildung zum PKA begonnen.

Aber auch der Beruf Apotheker – Männeranteil 31 Prozent – wird beworben. Weitere Berufe für Jungen sind etwa Altenpfleger, Augenoptiker, Ergotherapeut, Erzieher, andere Berufe in der Kinderbetreuung, Gesundheits- und Krankenpfleger, Physiotherapeut, Sozialhelfer und Zahntechniker. Für Mädchen stehen hingegen unter anderem Bauingenieurin, Feuerwehrfrau, Bootsbauerin, Elektronikerin, Fachinformatikerin, Forstwirtin, Ingenieurin, Köchin, Landwirtin, Mechatronikerin, Physikerin, Tischlerin, Schornsteinfegerin und Zerspanungsmechanikerin auf dem Programm.

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