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Rassismus-Vorwürfe

Mohren-Apothekerin startet Unterschriftenaktion

Berlin - Geht es nach dem kommunalen Ausländerbeirat der Stadt Frankfurt, so soll der Begriff „Mohr“ aus den Namen zweier Apotheken der Stadt verschwinden. Die Diskussion sorgte bundesweit für Aufsehen. Das macht nun auch anderen Kollegen in Hessen Sorge. So wehrt sich Dr. Kerstin Podszus, Inhaberin der Hofapotheke zum Mohren im nahen Friedberg, bereits vorsorglich mit einer Unterschriftenaktion gegen mögliche Forderungen. In wenigen Tagen sind rund 300 Unterschriften zusammengekommen. Denn auch die Kunden der Apotheke haben kein Verständnis für die aktuelle „Mohren“-Debatte.

„Ich habe nie daran gedacht, dass jemand den Namen der Apotheke anstößig oder gar rassistisch finden könnte“, betont Podszus. „Es hat sich auch noch nie ein Kunde darüber beschwert.“ Und so kommt es für die Apothekerin nicht in Frage, den Namen der 400 Jahre alten Apotheke zu ändern. Angesichts der Diskussion in Frankfurt, die in den vergangenen Tagen hohe Wellen schlug, treibt die Apothekerin jedoch die Sorge um, die Debatte könnte nach Friedberg schwappen. Deshalb initiierte sie eine Unterschriftenaktion. Damit will sie den Rückhalt der Kunden dokumentieren, sollte es zu ähnlichen Forderungen auch bezüglich Ihrer Apotheke kommen.

„Im Moment erfahren wir eine überwältigende Unterstützung von unseren Kunden“, berichtet Podszus. Von Donnerstag bis Samstagmittag seien 300 Unterschriften zusammengekommen. „Manch einer ist nur in die Apotheke gekommen, um zu unterschreiben“, so die Apothekerin. Viele würden E-Mails schreiben und der Apothekerin darin den Rücken stärken.

Seit 99 Jahren ist die Apotheke in Familienbesitz. Ihr Großvater Hans führte die Apotheke bis 1990, verpachtete sie anschließend, bis Enkelin Kerstin das Unternehmen 2001 übernahm. Gegründet wurde sie allerdings bereits 1621 als Mohren-Apotheke. 1892 wurde sie durch Großherzog Ernst Ludwig zur Hofapotheke ernannt. Damit hatte der damalige Inhaber Wilhelm Georgi das Privileg erhalten, den Hof zu beliefern. „Seitdem heißt sie Hofapotheke zum Mohren“, erzählt Podszus.

Und das soll auch so bleiben, meint nicht nur die Apothekerin, sondern finden auch ihre Kunden. „Wehe, Sie lassen sich rumkriegen. Wer schlecht denken will, dem fällt zu allem etwas ein“, wird eine Unterstützerin in der Lokalzeitung zitiert. Auch auf Facebook hinterließen in den vergangenen Tagen zahlreiche Kunden bestärkende Kommentare. „Lasst Euch den Namen nicht nehmen“, schreibt etwa Uwe Harley. „Tradition erhalten, Eure Kunden halten zu Euch“, postete Elke Haas.

Nicht nur aus traditionellen und emotionalen Gründen lehnt Podszus eine Umbenennung ab. Auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre eine solche Forderung nicht verhältnismäßig. „Wir sind eine Institution, die jeder kennt. Dieser Wiedererkennungswert ginge aber verloren“, meint die Apothekerin. „Ich wüsste nicht, ob ich als kleine Einzelapothekerin dann weiterbestehen könnte.“ Darüber hinaus sei eine Umbenennung der Apotheke mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten verbunden.

Die Debatte um Political Correctness wird auch in Frankfurt fortgeführt. „In der vergangenen Woche haben sich wahnsinnig viele Journalisten bei mir gemeldet“, berichtet Apotheker Alexander Schwartz, Inhaber der Zeil-Apotheke zum Mohren. „Ich hoffe, dass sich die Lage nun endlich beruhigt.“ Der Apotheker lehnt es ab, seine Apotheke umzubenennen, zumal sie sich in einem denkmalgeschützten Haus befindet. Der Schriftzug „zum Mohren“, der in die Fassade eingemeißelt ist, lässt sich nicht ohne Weiteres entfernen.

Die zweite Apothekerin, Karin Schweizer aus der Eschersheimer Mohren-Apotheke, hat inzwischen das Logo der Apotheke, das den Kopf eines Menschen mit schwarzer Hautfarbe, Turban und Ohrring zeigt, fast überall entfernt.

Auch im Logo der Friedberger Hofapotheke zum Mohren ist ein schwarzes Männchen mit einem Medizinstab und Heilkräuterfläschchen abgebildet. „Ich bin noch nie darauf gekommen, dass es die Gefühle von Menschen verletzen könnte“, so Podszus. „Im Gegenteil. Er ist der absolute Sympathieträger.“

Alle Zeichen deuten jedoch darauf, dass die Diskussion noch weitergehen wird. Bei Podszus haben sich nicht nur Lokalzeitung, sondern auch der Fernsehsender RTL gemeldet. Ein Kamerateam will am heutigen Tag vorbeikommen.

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