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Video-Interview zum Modellprojekt

Apotheken können impfen – kriegen aber keinen Impfstoff

Berlin - Im Kammerbezirk Nordrhein ist alles bereit für den Start von Grippeschutzimpfungen in Apotheken – wenn sie denn Impfstoff erhalten. Doris Schönwald zählt mit ihrer Nordstern-Apotheke in Essen zu den ersten 100 Apotheken, die am dortigen Modellprojekt teilnehmen. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, das Personal ist geschult und Schönwald könnte loslegen. Doch die Engpässe bei Grippeimpfstoffen legen ihr Steine in den Weg. Im Video-Interview mit APOTHEKE ADHOC berichtet sie von den Voraussetzungen und Chancen des Modellprojekts und erklärt, warum die Impfstoff-Engpässe auch das Apotheker-Arzt-Verhältnis vor eine neue Zerreißprobe stellen könnten.

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Grippeimpfungen in Apotheken könnten sich als erheblicher Mehrwert für die Durchimpfungsrate der Bevölkerung erweisen, sagt Schönwald. Die Beispiele aus England, Italien und der Schweiz hätten das gezeigt. „Wenn Apotheker impfen, steigt die Impfrate um 10 bis 15 Prozent – nicht nur bei uns, sondern auch bei den Ärzten. Das ist ein ganz erfreulicher Effekt“, so die stellvertretende Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR). An den Apotheken scheitert es nicht, wie das Modellprojekt zeigen soll. Woran es allerdigns scheitern könnte, ist die Verfügbarkeit der Impfstoffe. „Im Moment ist der Markt leergefegt. Wir warten auf die Auflösung der nationalen Reserve und schauen, was da kommen wird“, so Schönwald. „Die vorbestellte Ware wird noch geordnet ausgeliefert, aber darüber hinaus ist es wirklich ein Abenteuer. Wenn wirklich nochmal eine Schachtel auftaucht, dann kriegt man was so im Bereich von 20 Stück und klatscht dann ganz furchtbar in die Hände, dass noch was aufgetaucht ist. Es ist im Moment einfach sehr, sehr schwierig.“

Es sei also durchaus möglich, dass Versicherte in Apotheke kommen und nicht geimpft werden können. „Das ist bei den Ärzten ja ähnlich.“ Und selbst wenn man als Apotheke noch Impfstoff ergattert. Sei die Frage, ob man den wirklich selbst verwenden will. „Wenn rundherum alle Ärzte nicht mehr impfen können, weil sie kein Impfstoff mehr haben, und ich habe etwas zurückgelegt und fange jetzt an, dann tut das dem Verhältnis vielleicht nicht so gut, selbst wenn es ein entspanntes ist. Das muss man bedenken, finde ich.“

Sie hoffe nun auf die nationale Reserve von sechs Millionen Dosen und sei gespannt, wie die verteilt wird. Wie groß die Zahl der Versicherten seien wird, die sich in den Apotheken impfen lässt, sei nicht zuletzt deshalb schwer einzuschätzen. „Im Moment werben wir nicht, es sind genug Fragen da. Wir werben schon deshalb nicht, weil wir das nicht in der Menge bedienen könnten in der Menge, die gerade von Interesse wäre.“ Das Interesse sei auch ohne Werbung groß, die Anfragen von Versicherten anderer Krankenkassen zahlreich. Schönwald kann sich vorstellen, dass das Modellprojekt zeitnah auch um weitere Kassen erweitert wird, prinzipiell wäre bei den entsprechenden Ergänzungen sogar eine räumliche Erweiterung auf andere Klammerbezirke möglich. „Wenn es ein Erfolg wird, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es schnell in die Fläche geht.“

Bis dahin müssen zuerst aber die Apotheken vor Ort zeigen, dass das Projekt glatt läuft. Schönwald erklärt im Video, worauf Apotheken achten müssen, wenn sie impfen wollen – von den räumlichen Voraussetzungen über Versicherungsfragen bis zur Abrechnung. Den Aufwand sieht sie als Investition in die Zukunft der Branche, denn nicht zuletzt durch solche Kompetenzerweiterungen könnten Apotheker ihr Profil schärfen: „Ich finde das ist eine sehr gute Verankerung für die Zukunft für uns als Versorger vor Ort.“

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