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Luxus-Apotheke: „Für mein Team und meine Kunden“

Berlin - Vor neun Jahren hat Ali Gehrke die Aesculap-Apotheke in Neumünster nördlich von Hamburg übernommen. Inzwischen besitzt der 44-jährige Pharmazeut drei Apotheken und ist ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann. Und das, obwohl er aus keiner Apothekerdynastie stammt. Für 1,5 Millionen Euro hat er im Sommer 2015 seine Aesculap-Apotheke zu einem Schmuckstück für die gesamten Branche umgebaut. „Schließlich verbringe ich viel Lebenszeit in der Apotheke. Da muss ich mich als Mensch wohlfühlen“, beschreibt Gehrke seine Motivation. Sein Erfolgsrezept ist schlicht aber wirksam: „Wir diskutieren nicht, sind immer freundlich und bodenständig und machen alles, was die Kunden wünschen.“

Pharmazie studiert hat Gehrke an der Universität in Kiel. Nach der Approbation hat er sich nach einer eigenen Apotheke umgeschaut und ist in Neumünster fündig geworden. In der Stadt mit 80.000 Einwohnern gibt es 26 Apotheken, allein im 800-Meter-Umkreis der Aesculap-Apotheke sind acht weitere Apotheken zu finden. Der Konkurrenzkampf ist also hart. Trotzdem hat sich Gehrke in kurzer Zeit zum Platzhirsch gemausert. Warum das so ist, erklärt er so: „Wie bei Immobilien, Restaurants, Bäckereien oder Blumenläden kommt es nur auf eines an: Lage, Lage, Lage.“

Das Geld zum Kauf der Apotheke lieh sich Gehrke von der Apobank. Das war angesichts des Standorts kein Problem: Die Aesculap-Apotheke liegt in einem Ärztehaus mit mittlerweile 19 Ärzten: „Als ich 2008 die Apotheke übernommen hatte, gab es lediglich sieben Ärzte.“ Um Rezepte musste sich der Apotheker von Anbeginn keine Sorgen machen. Sein Rx-Anteil liegt immer noch bei 80 Prozent. Bereits ein Jahr später kaufte Gehrke im Sommer 2009 die Apotheke am Röterberg hinzu. Die heißt inzwischen Wankendorfer Apotheke, weil man so eine Verbundenheit zum Standort hergestellt hat. Ein weiteres Jahr später, im Dezember 2010, erwarb Gehrke mit der Stadt-Apotheke im nahe gelegenen Nortorf seine dritte Apotheke. „Ich habe drei erfolgreiche Apotheken mit soliden Strukturen innerhalb von drei Jahren übernommen“, sagt Gehrke.

Sein Erfolgsrezept mutet zunächst überraschend an: „Ich bin eher der Typ, der im Hintergrund agiert und ungern im Mittelpunkt steht.“ Gehrkes Apotheken bieten das „normale“ Programm an. Spezialitäten wie besondere Diabetiker-Beratung oder Rheuma-Kurse gibt es nicht. Allerdings: Die Kunden seiner Apotheken erhalten 10 Prozent Barrabatt auf alle Non-Rx-Artikel, im Dezember gibt es sogar 15 Prozent.



Wie groß Service geschrieben wird, kann man am Botendienst ablesen: Im Umkreis von 65 Kilometern liefert die Aesculap-Apotheke aus. „Wir fahren auch für eine Packung Paracetamol“, sagt Gehrke. Das Liefergebiet aller drei Apotheken reicht so von Bad Segeberg im Süden bis auf die Höhe der Landeshauptstadt Kiel.

Innerhalb von sechs Wochen wurde die Aesculap-Apotheke im Sommer 2015 auf drei Etagen umgebaut. Der Offizinbetrieb lief derweil im Container vor der Baustelle weiter. An den Kosten hat Gehrke wahrlich nicht gespart. „Wie viele Stunden bin ich immer in meiner Apotheke? Ich habe das für mich und für meine Mitarbeiter gemacht.“ So eine Investition lässt sich niemals amortisieren. Es geht um eine persönliche und gleichzeitig emotionale Sache. Zusammengearbeitet hat Gehrke mit dem Apotheken-Architekten Klaus Bürger aus Krefeld.

„Ich bin froh, dass ich nach 2010, als ich meine Apotheke in Nortorf mit Herrn Bürger umgebaut hatte, ihn erneut für diesen aufwendigen Umbau gewinnen konnte. Wir sind dankbar und glücklich, dass wir sogar im Architekturkalender für das Jahr 2017 als einzige Apotheke ausgewählt worden sind.“



Entstanden ist eine außergewöhnliche Apotheke in modernem Design mit hochwertigen Materialien aus edlen Baustoffen. Der Fußboden ist mit Granitplatten belegt. Dazwischen schimmern acht Meter lange, 80 Zentimeter breite handgefertigte Mosaikstreifen aus blauen Steinchen mit Einlagen aus echtem Gold.

Der eine HV-Tisch besteht aus matt-schwarzem Corean. Der zweite halbrunde Tisch glänzt in Blaustahl mit Fächern aus amerikanischem Kirschholz. Über dem schwarzen HV-Tisch hängt ein überdimensionaler Touch-Screen, zusammengesetzt aus acht Bildschirmen. Dort können nicht nur Freiwahlprodukte angezeigt werden, sondern auch stimmungsvolle Landschaftsbilder.

„Der Kunde soll in meiner Apotheke positive Emotionen spüren“, so Gehrke, der die Motive persönlich aussucht. Hinter dem halbrunden HV-Tisch befindet sich eine prismatische Präsentationswand. Hierfür wurde transparentes Acrylglas mit eingegossenem Metallgewebe aus Messing verwendet. Feinstes, blau coloriertes Kupfergewebe gibt dem Schreibtisch für das Büro im Obergeschoss der Apotheke einen ganz besonderen Ausdruck.



Im Keller steht der 7,5 Meter lange Vmax von BD Rowa. „Kommt die Lieferung, müssen wir die Arzneimittel nur auf das Laufband schütten“, so Gehrke. „Die Maschine scannt die Packungen automatisch und sortiert sie ein. Das erspart uns viel Hektik und verschafft uns Zeit für unsere Kunden.“ Anders als in den meisten Apotheken Deutschlands tragen seine Mitarbeiter keine weißen Kittel. Passend zum Gesamtbild der Aesculap-Apotheke empfangen sie die Kunden im extra angefertigten schwarzen Outfit.

„Ich bin eben großzügig“, beschreibt Gehrke seine Lebenseinstellung und sein Geschäftsmodell: „Kein Kunde verlässt meine Offizin ohne kleine Aufmerksamkeiten.“ Auch die 38 Mitarbeiter aller drei Apotheken lässt Gehrke nach eigenen Angaben am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. „Ich zahle Prämien zwischen 200 und 600 Euro pro Monat.“

Die 1,5 Millionen Euro Umbaukosten will Gehrke in zehn Jahren tilgen. Wirtschaftlich gebracht habe ihm die Investition „gar nichts“. Seitdem kommen nicht mehr Kunden. Aber: „Ich habe es geschafft, unseren Standort nachhaltig abzusichern. Wer weiß, wann der Fremdbesitz in Deutschland aufgehoben wird. Außerdem gehört meines Erachtens gewisser Mut dazu, so eine Investition in gemieteten Räumlichkeiten durchzuführen.“ Und abgesichert hat er sich schon: Der Mietvertrag für die Aesculap-Apotheke läuft 40 Jahre. Damit kann er langfristig planen.

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