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Ebay-Händler erklärt Preisgestaltung

1010 Euro für Sterillium

Berlin - Die Nachfrage von Atemschutzmasken und Desinfektionslösungen ist groß. Selbst Aushänge in Apotheken werden geflissentlich ignoriert: „Nicht lieferbar – also noch vorrätig?“, wurden Mitarbeiter schon gefragt. Im Netz nutzen dubiose Verkäufer die Not der Bevölkerung aus und bieten Produkte zu utopischen Preisen an. Auf der Auktionsplattform Ebay sind Angebote bis zu 300 Prozent über Normalpreis zu finden. 

Die Startpreise für Desinfektionsmittel scheinen zunächst recht harmlos und gar billig: Für einen Euro stellte der User hygisale24 die Sterillium virugard Flasche mit 1000 ml online. Insgesamt fünf Tage soll die Auktion laufen. Bereits nach einer halben Stunde stieg der Preis auf 5,51 Euro. Nur 15 Minuten später verdoppelt ein anderer Bieter den Preis. Nach fünf Stunden liegt der Preis für das Desinfektionsmittel bei 58 Euro – dennoch gehört dieser Preis noch zu den Günstigeren. Zwei weitere Flaschen mit ähnlicher Gebotslage gehören zum derzeitigen Sortiment des Online-Verkäufers.

Ein anderes Gebot für 1000 ml Sterillium classic Handdesinfektion lag bei 1010 Euro. Mit einer Gebotslaufzeit von drei Tagen und einem Preis von 5 Euro startete die Auktion. Auf das Produkt wurden 30 Gebote von 10 unterschiedlichen Bietern abgegeben. Anfangs wurden die Preise lediglich um 1 bis 3 Euro überboten. Zuletzt ging es mit 100 bis 500 Euro Schritten zum endgültigen Preis. Die Auktion ist mittlerweile nicht mehr gelistet. Dennoch findet man bei dem User efis-handel weitere Auktionen um Desinfektionslösungen, mit Preisen weit über der UVP.

Anders als auf der US-Website von Ebay wurde der Verkauf von Atemschutzmasken, Handdesinfektion und anderen antibakteriellen Reinigungsprodukten auf der deutschen Seite nicht verboten. „Die derzeitige Situation erfordert teilweise sehr kurzfristige Anpassungen und so können wir keine Aussage zu geplanten Änderungen machen. Allgemein möchten wir aber darauf hinweisen, dass sich die regulatorische Situation in den USA maßgeblich von der in Deutschland unterscheidet. Ein wichtiger Punkt ist, dass bestimmte Desinfektionsmittel wie zum Beispiel Sterillium in Deutschland nicht von privaten Käufern verkauft werden dürfen. Insoweit gibt es also bereits ein gesetzliches Verbot, welches Verkäufer natürlich beachten müssen und welches von uns auch durch umfangreiche Blockierung und Löschung von Angeboten durchgesetzt wird“, so eine Sprecherin.

Peter Dirks* ist einer der vielen Händler von Desinfektionsmittel auf der Auktionsplattform. Bot er zunächst Zubehör für Drucker und Toner an, ist der Verkauf der Lösungen „mit der Krise dazugekommen“. Vor knapp zwei Wochen fand er ein Angebot eines Onlinehändlers aus dem Saarland, welcher die Flaschen in großen Mengen ausschließlich an Privatpersonen verkaufte. Dirks schlug zu und deckte sich zunächst mit 50 Flaschen der Sterillium-Lösung ein – und schaltete gleich sein Angebot – zunächst als Sofortkauf-Option – auf Ebay. Bereits nach wenigen Stunden war sein Bestand aufgekauft. Auch wenn er betont, dass es ihm hier nicht ausschließlich um den Gewinn gehe, spricht er von einer Gewinnspanne von 100 Prozent.

„Nicht jeder, der derzeit solche Produkte anbietet, ist ein schwarzes Schaf“, betont Dirks. Einige Usern teilen in den Rezensionen ihre Missgunst zu den Preisen mit: „Extrem dreiste Abzocke“ und „widerlich, geschmacklos und moralisch mehr als verwerflich“, heißt es dort. „Ich habe auch schon Drohmails bekommen mit dem Inhalt: Ich hoffe, du trinkst es und verreckst dran“, so Dirks. Derzeit hat er noch um die 20 Flaschen im Bestand. Diesen wird er aber in Kürze auflösen und laut eigenen Aussagen lieber im Freundes- und Bekanntenkreis verteilen.

Auf der Website des Sterillium-Herstellers Hartmann gibt dieser ein klares Statement zu der aktuellen Preispolitik ab: „Ein klares Nein zu Wucherpreisen! In den letzten Tagen haben wir mehrfach sehen müssen, dass unsere Produkte bei einigen Online- Händlern zu absoluten Wucherpreisen angeboten wurden. Wir distanzieren uns klar von dieser beschämenden Preistreiberei und sind dabei, mit unseren Partnern gegen diese Krisentrittbrettfahrer vorzugehen.“

*Name von der Redaktion geändert

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