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Aktivkohle: Trend mit Wechselwirkungen

Keine selektive Wirkung: Aktivkohle bindet nicht nur Giftstoffe, sondern auch Medikamente, Vitamine und Mineralstoffe. Foto: Pixabay

Berlin - Aktivkohle – medizinisch auch Carbo medicinalis genannt – ist in. Überall ist der schwarze Trendsetter zu finden: ob in Hygieneartikeln wie Zahncreme und Shampoo, als Medikament oder im Smoothie. Bei der Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt ist jedoch Vorsicht geboten, wenn gleichzeitig Arzneimittel eingenommen werden.

Eigentlich findet die Aktivkohle bereits seit Jahrhunderten medizinische Verwendung: Sie ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Adsorbenzien, der medizinisch hauptsächlich zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, Blähungen und Vergiftungen eingesetzt wird. Die Substanz bindet Toxine an sich, damit sie über den Stuhl aus dem Körper geschleust und ausgeschieden werden können. Die Aktivkohle selbst wird nämlich im Magen-Darm-Trakt nicht resorbiert. Die Ausscheidung der gebundenen Giftstoffe über den Stuhl wird dadurch beschleunigt. Der Nachteil: Die Wirkung ist nicht kontrollierbar – gebunden wird alles. Auch Medikamente, Vitamine und Mineralstoffe.

Durch eine zeitgleiche Einnahme von Medikamenten und Aktivkohle kann es zur Bindung der therapeutisch notwendigen Substanzen kommen: Folglich kann die Therapie gefährdet werden, da verminderte Wirkstoffspiegel möglich sind. Dies gilt sowohl für Akut- und Dauermedikationen sowie für die Empfängnisverhütung – im „Worst Case“ könnte so eine ungewollte Schwangerschaft entstehen.

Wichtig ist daher ein Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden. Nur so kann die bindende Wirkung umgangen und Arzneistoffe sicher und zuverlässig vom Körper aufgenommen werden. Aktivkohle kann zudem – unabhängig vom Zeitpunkt der Einnahme – die Elimination von Wirkstoffen, die einem enterohepatischen Kreislauf unterliegen, beschleunigen. Daher gilt es Carbo medicinalis mit Vorsicht zu verwenden.

Aktivkohle soll bei Vergiftungen so schnell wie möglich eingenommen werden, um zu verhindern, dass das aufgenommene Toxin bereits in den Blutkreislauf gelangen kann. Die Dosierung ist abhängig vom Körpergewicht. Als Antidot beträgt die Faustregel ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Erwachsenen liegt die Initialdosis damit bei rund 50 bis 100 g, danach 25 bis 50 g alle zwei bis vier Stunden.

Kontraindiziert ist Aktivkohle generell bei Darmverschlüssen, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, akuten Bauchschmerzen mit unklarer Ursache oder Durchfällen mit Fieber. Ebenso sollte sie nicht bei Vergiftungen mit reizenden Stoffen wie Säuren oder Laugen verwendet werden. Generell müssen Vergiftungen immer ärztlich abgeklärt werden – eine Selbstmedikation sollte nicht erfolgen. Kohle ist nämlich nicht gegen alle Toxine wirksam: Verschiedene Alkohol- und Lösungsmittelvergiftungen, sowie Eisen-, Lithium- oder Cyanid-Vergiftungen können nicht mit ihr behandelt werden.

Aktivkohle wird mittlerweile auch in vielen „Detox“-Produkten eingesetzt: Smoothies und andere Superfoods können das schwarze Pulver enthalten. Beim Verzehr gilt jedoch ebenfalls das Risiko einer verminderten Wirkstoffaufnahme von Arzneimitteln – natürlich kommt es auch auf die Menge der enthaltenen Aktivkohle an. Unbedenklich in Bezug auf die Wechselwirkung ist jedoch die Anwendung von kosmetischen Produkten wie Cremes, Masken oder Shampoos, die nur äußerlich angewendet werden: Hier gelangt die Aktivkohle nicht in den Magen-Darm-Trakt und kommt somit nicht mit den Wirkstoffen in Kontakt.

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