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Metoprolol-Galenik

Succinat, Tartrat, ZOT, NK, retard: Alles O.K.?

Berlin - Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen betroffen. Oft müssen Betroffene für die Therapie mehrere Medikamente einnehmen. Häufig kommt dabei der Betablocker Metoprolol zum Einsatz. Doch der Schnelldreher in der Apotheke kann mit den zusätzlichen Angaben wie „ZOT“, „NK“ und „O.K.“ auf der Verpackung schnell für Unklarheiten sorgen. Außerdem können die beiden Salz-Verbindungen irritieren, da sie bei unterschiedlichen Indikationen eingesetzt werden können. Bei der Beratung ist es deshalb nützlich, Informationen zu Galenik, Retardierung und Indikation parat zu haben. Alles Wichtige haben wir für euch auch in einen Download gepackt, den ihr euch jetzt im LABOR herunterladen könnt!

Die selektiven Inhibitoren der β1-Adrenorezeptoren sind seit vielen Jahren die therapeutisch bedeutsamste Gruppe unter den Betarezeptorenblockern mit einem Verordnungsanteil von mehr als 90 Prozent. Führender Wirkstoff ist weiterhin Metoprolol, das im Jahr 2016 mit 888,1 Millionen Tagestherapiedosen (DDD) der am häufigsten verordnete Betablocker in Deutschland war. Generika haben mehr als 95 Prozent der Verordnungen erreicht, das früher am häufigsten verordnete Originalpräparat „Beloc“ ist weiter zurückgefallen.

Metoprolol ist in zwei Salz-Formen auf dem Markt erhältlich. Zum einen gibt es den Arzneistoff als „Succinat“, das ist das Salz der Bernsteinsäure (Butandisäure). Die andere Variante ist das „Tartrat“, das Salz der Weinsäure (2,3-Dihydroxybutandisäure). Da sich die molaren Massen der Salze voneinander unterscheiden, resultieren für die Metoprolol-Salze dementsprechend auch unterschiedliche Angaben für die Masse pro Stoffmenge (Metoprolol-Succinat: 383,45 g/mol; Metoprolol-Tartrat: 415,45 g/mol). Aus diesem Grund entsprechen 95 mg Metoprolol-Succinat 100 mg Metoprolol-Tartrat.

Die schnell-freisetzende Form von Metoprolol-Tartrat ist zugelassen bei arterieller Hypertonie, koronarer Herzkrankheit, hyperkinetischem Herzsyndrom (funktionelle Herzbeschwerden), tachykarden Herzrhythmusstörungen, zur Akutbehandlung des Herzinfarkts und Reinfarktprophylaxe sowie bei der Migräneprophylaxe. Maximale Plasmaspiegel werden bei dieser Form innerhalb von 1,5 bis 2 Stunden erreicht.

Metoprolol-Tartrat kann aber auch über einen bestimmten Zeitraum kontinuierlich in den Körper abgegeben werden: Bei Retardformulierungen entfällt die Indikation für die Akutbehandlung des Herzinfarkts, da der Wirkstoff langsam aus der Arzneiform freigesetzt wird und somit die nötigen hohen Blutkonzentrationen zeitnah nicht erreicht werden können. Metoprolol-Succinat hingegen kommt am Markt immer retardiert vor und ist außerdem bei Herzinsuffizienz indiziert. Aus den genannten Gründen kann auch diese Variante nicht zur Akutbehandlung des Herzinfarkts eingesetzt werden.

Tabletten beider Wirkstoff-Salze können mit entsprechenden Polymer-Filmüberzügen den Wirkstoff mit einer Kinetik 0. Ordnung freisetzen. Diese lässt sich an Abkürzungen wie ZOK, ZOT, Zero, Z, ZK, ZNT, NT, NK oder O.K. erkennen. Bei dieser Freisetzungskinetik werden pro Zeiteinheit gleiche Wirkstoffmengen freigegeben. Dabei besteht die jeweilige Tablette aus vielen sehr kleinen Pellets, die den Arzneistoff enthalten. Jedes einzelne Pellet hat dabei einen mittleren Durchmesser von 0,2 bis 2 mm und ist mit einem Polymerfilm überzogen, der für die Kontrolle der Freisetzungsrate von Metoprolol verantwortlich ist.

Nach Einnahme der Tablette zerfällt sie im Magen-Darm-Trakt zu Retardpellets. Dadurch dass der Wirkstoff in einzelne Pellets eingebettet ist, kann die Tablette geteilt, aber darf nicht zerkaut oder zerstoßen werden. Risse im Überzug können vor allem bei hoch dosierten Retardpräparaten zu einem plötzlichen Freisetzen der gesamten Dosis führen (dose dumping). Das kann zu unerwünschten Wirkungen führen.

Durch eine Retardierung kommt es im Allgemeinen zu gleichmäßigeren Plasmakonzentrationen als bei schnell-freisetzendem Metoprolol. Das Risiko für Nebenwirkungen, die mit Konzentrationsspitzen verbunden sind, beispielsweise Bradykardie und Gliederschwäche, wird minimiert.

Präparate mit diesen Namenszusätzen setzen den Wirkstoff kontrolliert gleichmäßig über etwa 24 Stunden frei und führen bei einer einmal täglichen Einnahme zu einem relativ konstanten Blutplasmaspiegel. „Normal“ retardierte Präparate – ohne diese genannten Zusatzbezeichnungen – setzen den Arzneistoff hingegen nach einem dosisabhängigen Mechanismus frei (1. Ordnung). Am Anfang, wenn die Wirkstoffkonzentration in der Metoprolol-Tablette hoch ist, kommt es zu einer verstärkten Freisetzung.

Aufgrund unterschiedlicher Kinetiken sind die Tabletten, die den Wirkstoff nach 0. und 1. Ordnung freisetzen, als nicht bioäquivalent einzustufen. Bei einem Präparatewechsel, beispielsweise aufgrund von Rabattverträgen, kann eventuell die erwünschte Blutdrucksenkung nicht in vollem Maße eintreten. Auch eine veränderte Ausprägung von Nebenwirkungen ist möglich. In solchen Fällen ist ein Aut-idem-Kreuz sinnvoll, daher empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem Arzt. Apotheker und PTA können unabhängig davon pharmazeutische Bedenken geltend machen. Alles Wichtige auf einen Blick gibt's auch noch mal als Download im LABOR für euch!

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