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45 Jahre Berufserfahrung

PTA vor Rente: Abschied vom Traumjob

Berlin - Der Duft von Apotheke hat Christa Apfelbach vor 45 Jahren zu ihrem Traumjob geführt. Die leichte Kräuternote war schon eine ihrer ersten Kindheitserinnerungen an die Offizin. Die heute 63-jährige PTA geht Anfang Oktober in Rente. „PTA ist mein Traumberuf“, sagt sie. Die Arbeit in Rezeptur und am HV werde ihr fehlen.

Anfang der 1970er Jahre war der PTA-Beruf noch ein Novum. Das Berufsgesetz trat am 18. März 1968 in Kraft. Als Apfelbach 1973 nach der theoretischen Ausbildung an der Stuttgarter Kerschensteinerschule ihr halbjähriges Praktikum in einer Apotheke antrat, wusste der Chef nicht viel über PTA. „Er kannte den Beruf nicht“, erinnert sie sich. Von der Ausbildungsvergütung von damals 300 D-Mark konnte sie sich gerade einmal die Kosten für die Fahrkarte leisten. „Viel blieb nicht übrig.“

Doch das Gehalt war es nicht, was Apfelbach am Beruf faszinierte. Als PTA konnte sie ihr Interesse an Chemie und Physik umsetzen. Das Talent für Naturwissenschaften zahlte sich bereits bei der Bewerbung an der PTA-Schule aus. Die Baden-Württembergerin setzte sich durch: Von 250 Bewerbern wurden 50 genommen. „Ich musste in einem Test zeigen, dass ich ein Verständnis von Zahlen habe. Das ist mir leichtgefallen, da ich schon immer gerne Rätsel gemacht habe.“

Auch die Abwechslung im Arbeitsalltag gefällt Apfelbach. Anfangs habe sie vor allem Rezepturen hergestellt. „Damals haben wir komplett ohne Computer oder Maschinen gearbeitet und alles per Hand hergestellt.“ Hustensaft, Halstabletten, Kapseln oder Lebertranemulsion – die Anfangszeiten seien sehr lehrreich gewesen. „Einmal kam ein Kunde mit einem Eimer voll Weißdorn und wir haben eine homöopathische Urtinktur hergestellt“, sagt Apfelbach.

Damals sei mehr Zeit in der Apotheke für Rezepturen und Beratung gewesen. „Es war nicht so stressig und geruhsamer.“ Die Automatisierung will Apfelbach aber nicht missen. Der Einzug der Computer in die Apotheke bewertet die PTA positiv: „Früher haben wir noch mit Lochkarte bestellt.“ Die Technik habe die Arbeit auch einfacher gemacht. „Das Beste ist, dass Rezepte jetzt nicht mehr nur von Hand beschrieben werden. Jetzt kann man sie besser lesen und muss nicht mehr raten.“

Apfelbach freut sich auf die Zeit als Rentnerin, blickt aber etwas wehmütig auf das Ende ihrer beruflichen Tätigkeit. „Ich habe meinen Beruf bis heute immer gerne ausgeübt.“ Auch wenn sich manche Abläufe zum Negativen geändert hätten: „Mich stört die Bürokratie. Alles muss dokumentiert werden. Das kostet viel Zeit, die uns bei der Beratung natürlich fehlt.“ Seit 31 Jahren ist Apfelbach in der traditionsreichen Mörike-Apotheke in Neuenstadt tätig. „Wir haben viele Stammkunden. Ich habe viele Kinder groß werden sehen. Sie kommen mittlerweile mit ihren eigenen Kindern in die Apotheke.“

Ihr Chef Michael Munding wird sie vermissen. Der Apotheker betreibt drei Apotheken und beschäftigt an dem Standort zehn Mitarbeiter. Er bot ihr einen Minijob auf 450 Euro Basis an. Doch die PTA lehnte ab. Dafür fehlt ihr die Zeit, da sie sich um ihren pflegebedürftigen Mann kümmern will. „Wenn er jemanden braucht, der schnell einmal einspringen kann, helfe ich gerne aus.“

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