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Ausbildungsreform

Petition für dreijährige PTA-Ausbildung

Mit einer Petition soll die Forderung nach einer Verlängerung der PTA-Ausbildung neuen Schwung bekommen.Foto: Martin Seipt

Berlin - Mitte April hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Gesetzentwurf zur Reform des PTA-Berufs vorgelegt. Damit sollen sich die Ausbildungsinhalte deutlich ändern. An der zweieinhalbjährigen Ausbildungsdauer will Spahn allerdings festhalten. Das findet PTA Martin Seipt nicht richtig und hat eine Petition auf openpetition.org für eine Verlängerung auf drei Jahre eingereicht. Das fordern auch die Apothekengewerkschaft Adexa und der Bundesverband PTA (Bvpta), in dessen Vorstand Seipt früher einmal mitwirkte.

Veröffentlicht hat Seipt seine Petition unter dem Titel: „PTA: Attraktive 3-jährige Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung.“ Für den Beruf Pharmazeutisch-technische Assistenz (PTA) plane Spahn einen Gesetzesentwurf, „der nicht ausreichend ist und dringend erweitert werden muss“, so die Begründung. Für eine funktionierende Gesundheitsversorgung präsentiert Seipt „fünf Kernforderungen“. Die PTA-Ausbildung müsse integraler Bestandteil des Projektes „Gesamtkonzept Gesundheitsfachberufe des BMG“ werden Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung müssten „umgehend berücksichtigt“ werden.

Seipt möchte Ausbildungsdauer auf drei Jahre verlängern, damit der „erforderliche Kompetenzerwerb für die Berufsausübung“ gesichert und Ausbildungsabbrüche vermieden werden. Die Ausbildung soll in einem Wechsel von theoretischen und praktischen Teilen erfolgen. Weiterbildungsmöglichkeiten sollen laut Seipt gesetzlich geregelt und bundesweit angeboten werden ebenso wie eine leistungsgerechte Vergütung.

Seipt kritisiert, dass trotz erweitertem Tätigkeitsfeld die PTA-Ausbildung hinsichtlich Dauer, Struktur und Inhalt sowie Finanzierung „weiterhin deutlich hinter den der anderen Gesundheitsfachberufe zurückstehen“. Das Tätigkeitsfeld von PTA habe sich in der letzten Dekade jedoch „entscheidend gewandelt: „Sie tragen als Mitwirkende im pharmazeutischen Team im direkten Kontakt mit Patienten und interdisziplinär als bedeutende Berufsgruppe im Gesundheitssystem eine hohe Verantwortung hinsichtlich der Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung und der Vorbeugung, Linderung bzw. Heilung von Erkrankungen“, so die Petition.

Der erforderliche Kompetenzerwerb sei in einer zweijährigen Theorieausbildung an der Schule nicht gegeben und werde auch nicht durch eine Praxisausbildung von sechs Monaten ohne rechtssichere Vorgaben zur strukturierten Anleitung aufgefangen. Ausbildungsabbrüche seien bereits jetzt in steigendem Maß zu verzeichnen. Die Attraktivität der Ausbildung sinke gegenüber anderen Berufsgruppen drastisch. „Der Fachkräftemangel ist schon jetzt deutlich spürbar. Dies ist nicht tragbar“, heißt es weiter.

Spahn Gesetzentwurf will hingegen an der zweieinhalbjährigen Ausbildungsdauer festhalten, allerdings die Ausbildungsinhalte deutlich ändern. Im PTA-Praktikum müssen Azubis demnach künftig nur noch drei Monate verpflichtend in der öffentlichen Apotheke arbeiten. Von den vorgeschriebenen sechs Monaten sollen „mindestens drei Monate in einer öffentlichen Apotheke“ geleistet werden. Damit öffnen sich für Azubis möglicherweise auch andere Ausbildungsstätten wie die Pharmaindustrie oder Krankenkassen. Ob es Regeln beziehungsweise Vorgaben für die alternativen Ausbildungsorte gibt, geht aus dem Entwurf nicht hervor.

Auch die Ausbildungsinhalte will Spahn verändern. Sie sollen „aktualisiert und neu strukturiert“ werden. Zudem sollen die Schüler auf die prägenden Tätigkeitsbereiche vorbereitet werden. Kürzungen soll es insbesondere in den Fächern „Chemie und bei den chemisch-pharmazeutischen Übungen“ geben. Die Übungen wurden von 480 auf 230 Stunden mehr als halbiert. Neu hinzugefügt wurde das Themengebiet „Grundlagen des Gesundheitswesens und Rolle der Apotheken, Berufskunde, Fachterminologie, pharmazeutische Gesetzeskunde“ als ein Block mit 120 Stunden. „Botanik und Drogenkunde“ wurde um Phytopharmaka erweitert. Das Fach „Arzneimittelkunde“ soll den Zusatz „Beratung und Information“ erhalten.

PTA-Schüler sollen künftig weniger in den Fächern Allgemeine und pharmazeutische Chemie und Übungen zur Drogenkunde unterrichtet werden. Das Fach Medizinproduktekunde wurde ergänzt um die Bereiche Hilfsmittel sowie Information und Beratung. Pflanzenschutzkunde und Physikalische Gerätekunde wurden komplett gestrichen. Insgesamt sollen PTA-Schüler besser auf die Abgabe und den Verkauf vorbereitet werden. Das Fach Apothekenpraxis einschließlich EDV wurde um Qualitätsmanagement ergänzt. Statt auf das Labor sollen die Auszubildenden stärker auf Abgabe und Beratung vorbereitet werden. Das neue Fach mit Übungen dazu umfasst 230 Stunden.

Zudem wurde der neue Passus „Lehrgang“ eingefügt, in dem Kenntnisse und Handlungskompetenzen unter anderem zur Herstellung von Arzneimitteln, zur Prüfung von Arzneimitteln und Ausgangsstoffen, in Botanik, Arzneimittel-, Gefahrstoff-, Ernährungs- und Körperpflegekunde konkret definiert werden. PTA-Schüler sollen unter anderem dazu befähigt werden, „die grundlegenden Strukturen und die wichtigsten Institutionen und Organisationen des deutschen Gesundheitswesen sowie die Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung zu kennen und die Bedeutung des Wirtschaftlichkeitsgebots zu verstehen“. Zudem sollen PTA die Sorgfaltspflicht bei der Arzneimittelversorgung, die Fachterminologie, die Vorschriften aus der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) sowie die sozialrechtlichen Vorschriften und Vereinbarungen zur Abgabe von Medizinprodukten und Hilfsmitteln kennen.

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