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Nordhorn

40 Jahre PTA – in einer Apotheke

Berlin - Seit 40 Jahren PTA in demselben Betrieb: Anneliese Oink feierte in der Nordhorner Quaink Apotheke ein außergewöhnliches Dienstjubiläum. Aus der seit 1959 von der Familie Quaink geführten Offizin hat es sie nie weggezogen – einfach weil in all den Jahren alles für sie gepasst habe, wie sie bekundet.

Rückblick ins Jahr 1977: In den USA wird Präsident Jimmy Carter vereidigt. Die RAF ermordet Generalanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und später Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer. Die Lufthansa-Maschine Landhut wird von arabischen Terroristen entführt und befreit. Die Deutsche Bundesbahn schickt ihre letzte Dampflokomotive in den Ruhestand. „Krieg der Sterne“ und „Saturday Night Fever“ kommen in die Kinos. Am 1. August fängt die 20-jährige PTA Anneliese Oink in der Rathaus Apotheke von Nordhorn an.

40 Jahre später feiert sie in der 1959 gegründeten Apotheke ihr Dienstjubiläum. „Supernett, kompetent, herzlich, ehrlich, gewissenhaft, viel Liebe zum Beruf, allerbeste Kollegin, treue Mitarbeiterin“ – mit lauter Superlativen bedachten sie ihre Kollegen auf einem selbst gebastelten Schild zum Dienstjubiläum. Gefreut habe sie sich darüber sehr, sagt sie. „Aber ich bin eher bodenständig geblieben und möchte darum gar nicht so viel Aufsehen machen.“

Geboren und aufgewachsen ist Anneliese Oink im 50 Kilometer entfernten Meppen. Schon früh erwachte die Liebe zur Pharmazie: „Als Kind bin ich mit meinen Eltern häufiger in der Apotheke gewesen. Mich hat das alles sehr fasziniert, der Geruch, wenn man reinkam, die Arzneimittel, die Rezeptur, auch die Kompetenz, die die Apotheker und PTA ausstrahlten.“ Oink absolvierte die Berufsfachschule in Aurich und ein Apothekenpraktikum in ihrer Heimatstadt. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete sie zunächst anderthalb Jahre als PTA in Meppen.

Die Liebe zu ihrem späteren Mann zog sie nach Nordhorn. Und zur damaligen Rathausapotheke in der Innenstadt, in deren Team sie am 1. August 1977 eintrat. „Mit meiner Chefin Marlis Quaink verstand ich mich auf Anhieb, eine nette, kompetente, humorvolle Frau“, erzählt die PTA. „Auch mit ihrem Sohn Andreas, der die Apotheke 1989 übernahm, stimmt die Chemie bis heute.“ Der neue Inhaber taufte die Apotheke um und gab ihr den Namen seiner Familie. „Ich bin immer in derselben Apotheke gewesen, aber durch den Inhaberwechsel fühlt sich das gar nicht so an wie eine lange durchgehende Zeit.“

Natürlich habe sich in den letzten 40 Jahren so einiges geändert. „Als ich anfing, gab es noch keine EDV, und vor zwölf Jahren hat die Apotheke einen Kommissionierautomaten bekommen.“ Der Aufwand für die Dokumentation sei ein ganz anderer als 1977. Kein Versandhandel verschickte verschreibungspflichtige Medikamente mit der Post. Es gab weder eine Hilfsmittelrichtlinie noch Rabattverträge. „Wir haben dem Patienten das Medikament gegeben, das der Arzt verschrieben hat“, sagt die erfahrene Mitarbeiterin.

Eine Erleichterung sei immerhin das EDV-System. „Es schlägt uns automatisch die in den jeweiligen Rabattverträgen festgelegten Alternativen vor.“ Alle paar Monate gebe es neues zu beachten. „Das ist zwar manchmal mühsam, aber man muss es akzeptieren. Wenn der Rx-Versand durch die Versandapotheken nicht gestoppt wird, ist das aber auch für uns nicht so toll.

Dafür sei die Arbeit sehr abwechslungsreich, das Team halte zusammen. Mit drei fest angestellten Apothekern und insgesamt 15 Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit sei die Quaink Apotheke nicht eben klein, die Arbeit hier sehr abwechslungsreich. Mit Internetkursen, Fortbildungen und Inhouse-Schulungen halten sich die drei Apotheker und insgesamt 15 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit fachlich fit. „Alle Kollegen haben sich zudem in bestimmten Bereichen geschult. Wir haben gute Leute, und davon profitieren wir alle.“ So gebe es Spezialisten für Homöopathie, für Palliativmedizin oder Arzneimittelunverträglichkeit.

Nicht nur in Fortbildungen werde das Team gefordert: „Der Chef erwartet, dass wir auch unseren Beitrag zu Apothekenaktionen, in der Außendarstellung und Werbung leisten“, sagt Oink. „Das schätzen wir sehr. Wir sind selbstständiges Arbeiten gewohnt. Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich.“ Oink betreut das Personalmanagement. „Ich mache zum Beispiel die Arbeitszeitdokumentationen und die Urlaubsplanung.“ Gemeinsam mit dem Chef zeichnet sie auch für das Qualitätsmanagement verantwortlich. „Wir dokumentieren die gesamten Abläufe in der Apotheke für die jährliche Prüfung.“

Den Kontakt zu den Kunden schätzt sie sehr. „Viele kenne ich seit vielen Jahren. Im Großen und Ganzen sind sie alle sehr freundlich.“ Doch vor allem das nach ihrem Bekunden „tolle Team von der Praktikantin bis hinauf zur Führungskraft“ sei wesentlich mit dafür verantwortlich, dass es sie in all der Zeit nie in eine andere Apotheke gezogen habe. „Wir haben ein zum Teil langjähriges Stammpersonal, viele sind seit 10, 15, zum Teil auch schon seit 20 Jahren dabei.

Nachwuchssorgen habe die Quaink Apotheke keine, freut sich die erfahrene Mitarbeiterin. „Wir haben viele Anfragen von Interessenten, die gerne eine PTA- oder PKA-Ausbildung machen wollen. Wenn jemand hier aufgehört hat, haben wir sofort Ersatz gefunden. Und wenn es passt, wird die Praktikantin auch übernommen.“

So kann die 60-Jährige ganz entspannt ihren Abschied aus dem aktiven Dienst vorbereiten. „Spätestens 2020 will ich ganz aufhören.“ In das Personalmanagement arbeitet sie bereits eine Kollegin ein. Zu Beginn des Jahres hat sie ihre Wochenstunden auf 15 gekürzt. Langweilig wird ihr nicht. „Ich treibe viel Sport, bin aktiv in der Tennismannschaft. Ein Enkelkind habe ich schon, das zweite ist gerade unterwegs“, erzählt Oink. „Nordhorn ist eine Wasserstadt, es ist landschaftlich hier sehr schön. Wir sind viel mit dem Fahrrad unterwegs, die Grenze zur Niederlande liegt etwa zehn Kilometer entfernt.“

Ambitionen, in eine andere, vielleicht größere Stadt zu ziehen, hatte sie in all den Jahren nie: „Wir fühlen uns hier wohl, wir haben alles, was wir zum Leben brauchen. Ich bin arbeitstechnisch gut versorgt, das Umfeld stimmt einfach, warum sollte ich irgendetwas verändern?“

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