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Repetitorium Diabetes

Metoprolol/Insulin: Verschleierte Hypoglykämie

Berlin - Die Hypoglykämie stellt für Diabetiker ein großes Risiko dar. Umso wichtiger ist es, die Symptome schnell zu erkennen. Doch einige Arzneimittel können im Rahmen einer Polymedikation die Warnzeichen maskieren und so die Patienten in eine bedrohliche Situation bringen. Dies ist beispielsweise bei Betablockern der Fall.

Fall: Eine Kundin legt zwei Rezepte vor, verordnet sind zwei Insuline und der Betablocker Metoprolol. Auf das schnellwirksame Mahlzeiteninsulin soll die Dame neu eingestellt werden. Das verordnete Basalinsulin ist bekannt.

Analyse: Metoprolol zählt zu den selektiven Inhibitoren der β1-Adrenorezeptoren und wird unter anderem zur Behandlung der arteriellen Hypertonie oder der koronaren Herzkrankheit, bei tachykarden Herzrhythmusstörungen oder zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Der Arzneistoff senkt Herzfrequenz und Kontraktionskraft sowie die AV-Überleitungsgeschwindigkeit. Im Handel sind Präparate mit unterschiedlicher Galenik.

Mahlzeiteninsuline wie Insulin aspart besitzen einen schnellen Wirkeintritt – annähernd dem Humaninsulin. Jedoch haben sie eine vergleichsweise kürzere Wirkdauer. Injiziert wird vor Beginn einer Mahlzeit, möglich ist jedoch eine subkutane Injektion bis zu 20 Minuten nach dem Start der Nahrungsaufnahme. So können Diabetiker flexibel reagieren und die Insulinmenge den verzehrten Broteinheiten anpassen.

Basalinsuline wie Insulin degludec werden einmal täglich zur gleichen Tageszeit injiziert. Eine Kombination mit einem kurzwirksamen Insulin bei Patienten mit Typ-1-Diabetes eingesetzt werden. Bei Typ-2-Diabetes kann das Arzneimittel als Monotherapie oder in Kombination mit oralen Antidiabetika, GLP-1-Rezeptorantagonisten oder Bolusinsulin angewendet werden.

Die blutzuckersenkenden Eigenschaften der Insuline können auf eine verstärkte Aufnahme von Glucose in Muskel- und Fettzellen zurückgeführt werden. Außerdem wird die Glucose-Freisetzung aus der Leber gehemmt. Die häufigste für Diabetiker zu erwartende Nebenwirkung ist die Hypoglykämie. Koma und irreversible Hirnschäden können die Folgen einer Unterzuckerung sein. Unter dem schnell wirksamen Insulin sind zum Beispiel Durchfall, Schwindel, Kopfschmerz, Infektionen der Atemwege oder Harnwegsinfekte möglich.

Betablocker können die Symptome einer Hypoglykämie verschleiern – vor allem die Anzeichen einer Tachykardie können unbemerkt bleiben. Denn die Arzneistoffe hemmen im Fall einer Unterzuckerung durch Adrenalin vermittelte gegenregulatorische Effekte. Die Mobilisation von Glucose aus der Leber bleibt aus. Die Warnsignale wie Unruhe, Zittern oder Herzklopfen können nicht mehr wahrgenommen werden. Metoprolol kann bei Typ-II-Diabetikern die Insulinfreisetzung hemmen.

Kommunikation: Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist unerlässlich, um eine Unterzuckerung zu vermeiden und beide Medikamente aufeinander abzustimmen. Im Bedarfsfall muss die blutzuckersenkende Therapie angepasst werden. Möglich ist auch eine Umstellung der blutdrucksenkenden Therapie auf beispielsweise Sartane.

Außerdem können der Kundin zusätzliche Maßnahmen empfohlen werden, um Folgeerkrankungen zu vermeiden: Bewegung, abwechslungsreiche gesunde Ernährung und ein gesunder Lebensstil können ihre Beschwerden lindern. Tägliche Bewegung und eine Gewichtsreduktion können die Insulin-Empfindlichkeit der Zellen verbessern. Die Folge: Zucker gelangt besser aus dem Blut in die Zellen.

Im Rahmen einer gesunden Ernährung sollten die Betroffenen besonders auf versteckte Zucker achten, die in Fruchtsäften, Aufstrichen und Konserven zu finden sein können. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist zu empfehlen, da sie Zucker langsamer ins Blut übergehen lassen und den Blutzuckerlangzeitwert positiv beeinflussen können. Ballaststoffe machen länger satt und können beim Abnehmen helfen. Zusätzlich sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

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