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Galenik

Fresh-up: Bruch- oder Schmuckkerbe

Berlin - Eine Kerbe auf der Tablette ist nicht automatisch die Lizenz zum Teilen. Es wird in Schmuck- und Bruchkerben unterschieden. Sie können gewollt oder aufgrund des Produktionsprozesses aufgebracht sein oder ganz fehlen. Warum geteilt werden muss, was besser im Ganzen geschluckt wird und wie man richtig teilt, zeigt der Fresh-up.

Tablettenteilen kann viele Gründe haben. Ärzte verschreiben aus Kostengründen die höhere Dosierung, denn oft ist der Preisunterschied zwischen den einzelnen Stärken nur minimal und Tabletten reichen die doppelte Zeit, wenn sie geteilt werden – so schonen Ärzte das Budget und Patienten sparen unter Umständen die Zuzahlung. Off-Label-Use, Ein- und Ausschleichen von bestimmten Wirkstoffen wie zum Beispiel Glucocorticoiden, Dosierung anhand von Laborwerten wie bei der Therapie mit Antikoagulantien oder schlichtweg Lieferengpässe können eine Teilbarkeit unerlässlich machen.

Nicht jede Tablette ist jedoch zum Teilen geeignet. Filmtabletten oder Dragees sollten aufgrund ihres Überzuges nicht geteilt werden. Dieser schützt zum einen empfindliche Wirkstoffe vor Licht und Feuchtigkeit und kann zum anderen als Geschmackskorrigenz dienen. In der Praxis empfehlen einige Ärzte ein Teilen von Finasterid 5 mg, die jedoch laut Hersteller nicht teilbar sind und auch keine Bruchkerbe, aber einen Überzug besitzen. Die Filmtabletten sollen laut Arzt gar geviertelt werden und dann zur Behandlung der androgenetische Alopezie eingesetzt werden. Ein Zerstören der Filmtablette kann jedoch mit einer Staubentwicklung verbunden sein, die Personen im Haushalt schädigen kann. Weich- oder Hartgelatinekapseln dürfen ebenfalls nicht geteilt werden, würden mit Pulver gefüllte Kapseln geöffnet, kann dieses nicht so aufgeteilt werden, dass der Wirkstoff zu gleichen Anteilen eingenommen wird.

Magensaftresistente Formulierungen sind in den meisten Fällen ebenfalls nicht teilbar. Eine Ausnahme bietet das Multi Unit Pellet System (MUPS) wie es bei dem Protonenpumpenhemmer (PPI) Esomperazol eingesetzt wird. Hier sind die einzelnen wirkstoffhaltigen Pellets mit einem magensaftresistenten Überzug versehen. Somit bleibt der Arzneistoff geschützt und der Überzug wird nicht zerstört. In anderen Fällen dient der Überzug als Magenschutz, da sonst der Arzneistoff die Magenschleimhaut reizen und schädigen könnte.

Schnell-langsam (SL)-Systeme, wie sie beispielsweise bei Diclofenac verwendet werden, sollten im Ganzen geschluckt werden. Gleiches gilt für die Retard- und Depotgalenik sowie für oral osmotische Systeme (OROS). SL-Tabletten besitzen eine innere Matrix, die den Wirkstoff in retardierter Form freisetzt. Diese ist von einer Hülle aus schnell freisetzendem Wirkstoff umgeben.

Ob eine Tablette teilbar ist, entscheidet weder die Kerbe noch der Arzt. Nur der Hersteller kann und muss gewährleisten, dass der Wirkstoff gleichmäßig in der Tablette verteilt ist und beide Hälften die gleiche Menge Wirkstoff enthalten. Gleiches gilt natürlich für das Vierteln von Tabletten. Aufschluss über die Teilbarkeit geben der Beipackzettel, die Apothekensoftware oder die Gelbe Liste Identa sowie der Hersteller selbst. Bei Unsicherheiten empfiehlt sich ein Anruf.

Wie teilt man richtig? Gewölbte oder dicke Tabletten werden mit der Bruchkerbe nach oben auf eine glatte Oberfläche gelegt und von oben mit dem Zeigefinger auf die Bruchkerbe gedrückt. Dabei teilt sich die Tablette in zwei oder vier gleichgroße Teile mit gleichem Wirkstoffgehalt. Flache Tabletten sollten mit der Bruchkerbe nach unten gelegt und auf die flache Seite gedrückt werden. Kleine Tabletten mit nur einer kleinen und flachen Bruchkerbe sollen in der Hand geteilt werden, dazu wird die Tablette zwischen Daumen- und Zeigefingerspitzen in zwei Teile gebrochen.

Zum Teilen kann auch ein Tablettenteiler eingesetzt werden. Im Handel sind unterschiedliche Modelle. In jedem Fall besitzen alle ein fest installiertes Messer, einige funktionieren nach dem Prinzip der Guillotine, indem das Oberteil nach unten gedrückt wird. Andere werden zusammengeschoben. Die klappbaren Teiler sind im unteren Teil mit einer Art Einspannvorrichtung versehen, die es ermöglicht auch kleine Tabletten so zu fixieren, dass sie entlang der Bruchkerbe geteilt werden können. Die Vorrichtung sieht aus wie ein „V“ mit kleinen Rillen, so kann die Tablette nicht verrutschen.

Einige Tablettenteiler, wie der Exakt (Meda) besitzen eine Aufbewahrungsbox für die Hälfte der Tablette, die erst zu einem anderen Zeitpunkt eingenommen wird. Klappt man den Teiler zusammen, liegt die eine Hälfte frei und die andere befindet sich unter dem Deckel. Pillaid (Wepa) besitzt im oberen Teil einen Tablettenteiler, im mittleren eine Art Mörser und zudem eine Aufbewahrungsbox.

Das Teilen mit dem Messer ist umstritten. Einige empfehlen ein nicht zu scharfes Messer, dass an beiden Enden angefasst und mit gleichmäßigem Druck durch die Tablette bewegt werden kann. Andere wiederum befürchten ein Wegspringen oder Zerbröseln der Tablette, wenn mit zu großem Druck gearbeitet wird. Zudem birgt das Messer ein gewisses Verletzungspotenzial.

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