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Frauen sind die strengeren Chefs

Berlin - Als PTA durchlebt man in seiner Berufslaufbahn meist mehrere Apotheken. Jede ist anders strukturiert und organisiert. Auch die Inhaber setzen unterschiedliche Prioritäten und legen ihre Schwerpunkte verschieden fest. Ich habe schon einige Chefs und Chefinnen erlebt. Gibt es Unterschiede zwischen einem Mann und einer Frau als Führungsposition und Inhaber? Kann man das so pauschal überhaupt sagen? Eine PTA berichtet.

Ich habe festgestellt, dass Frauen meist empathischer und emotionaler sind. Sowohl den eigenen Mitarbeitern gegenüber, als auch den Kunden. Chefinnen werden von vielen Kunden nicht nur als Berater, sondern auch als Gesprächspartner angesehen, dem gerne mal das Leid geklagt wird. Da dauern Kundengespräche auch schon mal länger.

Bei Männern als Chef habe ich das nicht so beobachtet. Kundengespräche werden meist auf das fachliche Wissen beschränkt und Privates kaum ausgetauscht. Auch den Mitarbeitern gegenüber sind Frauen als Inhaber meist verständnisvoller, zum Beispiel wenn es um die Kinder oder die Familie geht. Sei es ein Krankheitsfall in der Familie oder mal ein spontaner Tag Urlaub.

Auf der anderen Seite sind Frauen jedoch meist auch perfektionistischer. Sie dulden Fehler nicht so leicht wie die männlichen Kollegen. Diese sind häufig insgesamt etwas entspannter. Vergleiche ich meine bisherigen Chefs und Chefinnen, würde ich sagen: Frauen sind die strengeren Inhaber. Sogar ihre Schreibtische sind ordentlicher als die Männer. Während die Büros meiner Chefs in Chaos und Großhandelskisten versanken, ist das Büro meiner jetzigen Chefin immer geordnet.

Wie auf dem Schreibtisch liegt auch in der Führung von Frauen meist mehr Struktur. Sie sind zum einen pingeliger als Männer und geben zum anderen weniger Aufgaben aus der Hand – was dem Perfektionismus und der Kontrolle geschuldet sein kann. Sie wollen lieber alles selbst machen und sichergehen, dass auch alles ihre Ordnung hat und nach ihren Vorstellungen durchgeführt wird. Meine Chefs haben dagegen Aufgaben an das Personal abgegeben, um sich nicht um alles selbst kümmern zu müssen.

Ein Punkt, auf den meine weiblichen Chefs auch mehr Wert gelegt haben, ist die Berufskleidung. Das äußere Erscheinungsbild der Mitarbeiter ist ihnen sehr wichtig. Meinen Chefs war es immer ziemlich egal, ob ein Kittel oder ein T-Shirt getragen wurde. Frauen legen zudem auch mehr Wert auf die Sauberkeit der Dienstkleidung. Ein schmutziger oder ungebügelter Kittel wird schneller kritisiert.

Ebenso verhält es sich mit der Schaufensterdeko. Während meine bisherigen Chefs nicht viel Wert auf das Schaufenster gelegt haben, wurde bei den Chefinnen auch selbst mal Hand angelegt, wenn die Plakate, Aufsteller oder Accessoires nicht passend schienen. Schließlich soll die Dekoration ja ansprechend sein und die Kundschaft in die Apotheke locken! Außerdem repräsentiert sie ja auch die Apotheke. Ein spärlich eingerichtetes Schaufenster ist ein absolutes No-Go.

Unterschiedlich ist zudem der Umgang mit Streit und Unstimmigkeiten innerhalb des Teams. Während männliche Chefs sich meist heraus hielten und wollten, dass die Reibereien untereinander geklärt werden, arbeiten Chefinnen häufig mit dem Team zusammen eine Lösung aus, um den Teamgeist wiederherzustellen. Ihnen ist daran gelegen, dass das Team Harmonie ausstrahlt.

Frauen als Chefs legen allgemein mehr Wert auf den Umgang mit den Kunden. Freundlichkeit und Kundenbindung durch das Verhalten der Angestellten stehen für sie mit an erster Stelle. Sie achten sehr auf die Rückmeldungen der Kunden und wie die Apotheke nach außen repräsentiert wird. Männer sind da eher nüchtern und kaufmännisch orientiert. Sie legen größeren Wert auf die Verkaufszahlen und den Umsatz. Solange die Zahlen stimmen, ist alles in Ordnung.

Natürlich kann man das nicht pauschalisieren. Jeder Chef und jede Chefin ist anders und es kommt auch sehr auf den einzelnen Charakter des Inhabers an – und auf die Zusammensetzung des jeweiligen Teams.

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