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Duisburg

Apotheker übernehmen PTA-Schule

Berlin - Die PTA-Schule in Duisburg ist künftig in Apothekerhand: Im September übernehmen die regionalen Apothekerverbände Duisburg/Niederrhein, Düsseldorf und Linker Niederrhein die Trägerschaft der Lehranstalt. Auf diese Weise wollen sie gewährleisten, dass die Schule auch weiterhin besteht und die Schüler nicht mehr zahlen müssen als bislang. Außerdem wollen die Apothekerverbände ein Stipendienmodell etablieren.

In Nordrhein-Westfalen ist die PTA-Ausbildung – wie in Hessen – beim Gesundheitsministerium angesiedelt. Bis zum Jahrgang 2013 hatte die Landesregierung die Ausbildung mit 73 Euro pro Schüler und Monat gefördert. Als die Länder ihre Unterstützung strichen, standen viele PTA-Schulen vor finanziellen Problemen. So auch die Lehranstalt in Duisburg.

In Duisburg war der Apothekerverband bereits 2014 eingesprungen und hatte mit einer Finanzspritze von 42.000 Euro den beginnenden Jahrgang gesichert. Aus dieser kurzfristigen Unterstützung wird nun eine Dauerlösung.

Bereits im vergangenen Jahr haben die drei Apothekerverbände die gemeinnützige GmbH „PTA-Fachschule Niederrhein“ gegründet. Daran sind die Verbände zu jeweils 30 Prozent beteiligt, die übrigen 10 Prozent hält der ebenfalls neu gegründete Förderverein. Verantwortlich für die Organisation ist Michael Becker, Inhaber der Kronen-Apotheke in Dinslaken und Beisitzer im Vorstand des Apothekerverbands Duisburg/Niederrhein.



Er erklärt, dass sich die Stadt, die bislang Träger der PTA-Lehranstalt ist, aus der Finanzierung zurückziehen wollte. Die Schule sollte an die Gesellschaft für Beschäftigung gehen, die Arbeitsuchende auf den Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Apotheker befürchteten, dass dies das Ende der Schule sein könnte. „Dann wären wir denkbar schlecht aufgestellt gewesen“, meint Becker.

Daher entschlossen sich die Verbände, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zur Finanzierung der Schule steuern sie künftig 42.000 Euro im Jahr bei. Die Kosten tragen die Verbandsmitglieder. „Umgerechnet auf 800 Apotheker sind das ein paar Cent pro Tag“, rechnet Becker vor.

Auf jeden Verband entfallen 14.000 Euro. Der Verband Duisburg/Niederrhein ist mit 180 Mitgliedern der kleinste, die hiesigen Apotheker zahlen also mit knapp 78 Euro pro Person das meiste. Die Beiträge mussten laut Becker zwar nicht erhöht werden, für die Förderung der PTA-Schule gehen aber 80 Prozent des Verbandshaushalts drauf. „Das ist natürlich kein Dauerzustand, und diese Meinung vertreten wir auch gegenüber der Politik“, betont Becker.



Mit den Geldern von den Verbänden wird die weggefallene Förderung vom Land finanziert. Die Schüler zahlen nach wie vor rund 210 Euro im Monat, die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) unterstützt die Ausbildung mit monatlich 20,35 Euro pro Schüler.

Schülern, denen das Schuldgeld zu viel ist, bieten die Verbände eine Art Stipendienmodell an. Die angehenden PTA sollen neben dem Unterricht vier Stunden in einer Apotheke arbeiten – quasi auf Minijobbasis. Mit dem Geld können sie die Ausbildung finanzieren. Auf diese Weise komme es auch zu einer besseren Rückkopplung zwischen Theorie und Praxis, so Becker. Für ihn profitieren sowohl die angehenden PTA als auch die Apotheker von einer solchen Lösung.

Anders als die in Westfalen-Lippe angedachte Modelle, bei denen entweder die gesetzlich vorgesehenen Stunden schon während der Schulzeit geleistet werden oder sich die PTA für ein Stipendium zur Arbeit in einer bestimmten Apotheke verpflichten, ist das Modell im Raum Duisburg sehr offen gehalten. Die Arbeitsstunden erfolgen zusätzlich zur schulischen Ausbildung, daher muss kein Gesetz geändert werden. Und die Verträge schließen Schüler und Apotheker bilateral. Gibt es Probleme oder ändert sich die Situation auf einer Seite, können sie einfach aufgelöst werden.



Bislang hätten sich rund drei bis vier Dutzend Apotheken für das Stipendienmodell gemeldet, so Carsten Moser, der die Liste der Apotheken führt. „Und es gibt täglich neue Anmeldungen.“ Die Apotheken der Verbände Niederrhein und Düsseldorf seien erst vor kurzem informiert worden. Nach den Sommerferien können sich PTA für die Verträge bewerben.

„Das Stipendienprojekt ist bewusst offen angelegt“, erklärt Moser. Die Zugangsschwelle soll möglichst niedrig sein. Ziel sei es, irgendwann mit den Stipendien werben zu können, sodass das Schulgeld nicht mehr abschreckend wirke.

Mit dem Projekt wollen die Verbände die PTA-Ausbildung in ihrer Region erhalten. Außer in Duisburg gibt es in den Verbandsgebieten keine PTA-Schule. Die beim Helios-Klinikum Krefeld angesiedelte Lehranstalt Krefeld ist inzwischen geschlossen, weil der Klinikkonzern die Finanzierung eingestellt hatte. Auch die PTA-Schulen in Hagen und Minden sind inzwischen geschlossen, in Dortmund und Siegen wurden Ausbildungsplätze gestrichen. Insgesamt sind laut den nordrhein-westfälischen Apothekerkammern und -verbänden in den vergangenen Jahren 450 Ausbildungsplätze weggefallen.

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