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Berufswege 

Die PTA, auf die die Apothekenchefs hören

Berlin - Neugierde und Tatendrang haben Anna Schatz auf verschlungene Berufswege geschickt. Die Beinahe-Schulabbrecherin schaffte ihre PTA-Ausbildung am Ende mit Bravour. Doch das reichte ihr nicht. Nach einigen Jahren in der Industrie gründete sie ihr eigenes Beratungs- und Kommunikationsunternehmen. Heute sagt sie den Chefs von Pharmaunternehmen und Apotheken, wo es lang geht. Die Förderung von Frauen liegt Schatz aber besonders am Herzen.

Schatz möchte Frauen, vor allem Frauen mit Kindern, Mut machen, im Beruf nicht zurückzustecken, ihre Stärken besser herausstellen und zu nutzen. Sie selbst hat nach der Geburt ihrer Zwillinge den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Also zu dem Zeitpunkt, der für viele Frauen eine Zäsur in ihrem Berufsleben darstellt. „Das ist der Punkt, an dem sich viele Frauen entweder teilweise oder sogar ganz aus dem Berufsleben zurückziehen“, so Schatz. Das müsse aber nicht sein.

Sie selbst habe viel Unterstützung erfahren, aber auch einige kritische Stimmen ertragen müssen. Du bist eine Frau, du bist jung, die Leute werden dich nicht ernst nehmen, habe sie zu hören bekommen. Immer wieder wurde die junge Unternehmerin gefragt, wie sie es denn schaffe, Mutter zu sein und gleichzeitig ein kleines Unternehmen zu führen. „Wenn ich arbeite, gebe ich 100 Prozent. Wenn ich bei meinen Kindern bin, bin ich ebenfalls zu 100 Prozent für sie da“, antwortet Schatz. „Für mich ist es Normalität. Ich möchte auch nicht dafür bewundert werden.“

Zwei Jahre Zeit habe sie sich gegeben, um zu schauen, ob sie mit ihrem Unternehmen in die Erfolgsspur findet. Heute ist sie diplomierter Personalcoach, zertifizierte DiSG-Trainerin und bundesweit unterwegs, um als Coach rund um die Themen Bewerbung, Persönlichkeits- und Karriereentwicklung sowie in den Bereichen Führungskräftetraining, Verkauf, Akquise und Teamkommunikation zu beraten. Zu ihren Kunden zählen sowohl Pharmaunternehmen als auch kleine Dorfapotheken.

Danach sah es aber zunächst nicht aus. In der Pubertät habe sie rebelliert und viel hinterfragt, erzählt Schatz. Den Frontalunterricht auf dem Gymnasium habe sie nicht ertragen können, daher sei sie auf die Fachoberschule mit medizinischem und sozialem Schwerpunkt gewechselt. „Dort wurde selbstständiges Arbeiten gefördert“, so die heute 32-Jährige. Anatomie, Kommunikation, Wirtschaft: Die junge Frau war wissensdurstig und schaffte, wie sie sagt, „mit Leichtigkeit“ ihren 1,0-Abschluss. Dass sie anschließend eine PTA-Ausbildung absolvierte, sei eher ein Zufall gewesen. Noch während der Schule wurde Schatz von der Duisburger PTA-Schule angesprochen. „Die Fächer und Schwerpunkt auf Naturwissenschaften haben mich überzeugt“, so Schatz. Schon während der Ausbildung suchte die junge Frau Herausforderungen. Ihr Praktikum wollte sie nicht nur hinter dem HV-Tisch einer Apotheke absolvieren, sondern entschied sich für die Zyto-Herstellung.

Nach der Ausbildung hat sie rund drei Jahre in der Apotheke gearbeitet. „Ich habe eigentlich alles an meinem Job gemocht und den Beruf mit Leidenschaft ausgeübt“, erinnert sie sich. Doch schon damals sei die Leidenschaft geweckt worden, etwas Neues anzufangen. „Ich habe immer gesehen und gespürt, da geht noch mehr“, sagt sie. „Ich kann keinen verstehen, der sich einfach langweilt, mit Nichtstun die Zeit vergeudet und die Möglichkeiten verpasst.“

Neben dem Beruf fing die PTA ein Studium zum Personalcoach/psychologischem Berater an. „Das habe zunächst einfach aus Interesse gemacht“, sagt sie. „Doch dann hat es mich gepackt.“ Sie verabschiedete sich aus der Apotheke und wechselte in die Industrie, wo sie sieben Jahre als Bezirksleiterin und Key Account Managerin arbeitete. Anschließend wechselte sie zu Easy, dort war sie im Bereich strategischer Einkauf und Category Management tätig. „Jahresgespräche mit Industrie, Marketingbudget, Aushandeln von Konditionen für Apotheker und Einweisung neuer Apotheker: Das waren sehr vielfältige Aufgaben in einer sehr spannenden Zeit“, erinnert sich Schatz.

Dass sie ohne eine wirtschaftliche Ausbildung diese Aufgaben übernehmen durfte, sei einerseits dem Umstand geschuldet, dass im Jahr 2014 Easy mit rasender Geschwindigkeit gewachsen ist und man einfach motivierte Leute gebraucht habe. „Ich habe mich einfach beworben“, so Schatz. „Ich hatte total Lust, bei etwas Neuem dabei zu sein.“ Bis zum Mutterschutz Mitte 2015 arbeitete sie bei der Apothekenkooperation.

„Einfach machen“, so ist sie auch bei ihrem eigenen Beratungsunternehmen vorgegangen. „Ich bin in die Unternehmen gegangen und habe erzählt, was ich anbieten kann“, berichtet Schatz. Die Kontakte habe sie während ihrer Elternzeit aber penibel gepflegt. Mit Erfahrung, Überblick über den modernen Apothekenmarkt und dem nötigen Feingefühl sowohl für das Geschäft als auch die hohen Ansprüche an Apotheker und ihre Teams setzt sie auf nachhaltiges Gesamtkonzept. „Ich verstehe sowohl die PTA und andere Angestellte der Apotheken als auch ihre Chefs“, betont sie.

„Die eigenen Stärken und Motivatoren, aber auch Stressfaktoren in der Kommunikation mit anderen Menschen genau zu kennen, ist die wichtigste Voraussetzung um sich erfolgreich vorzustellen, mit anderen zusammenzuarbeiten oder Mitarbeiter zu führen", ist sie überzeugt. „Dabei achte ich darauf, dass alles 100 Prozent Praxisbezug hat“, sagt sie. Es nütze nichts, wenn die Menschen am Tag nach dem Coaching zur Arbeit gehen und nichts von den Inhalten umsetzen können. Denn gerade darauf komme es an. Auch wenn der Eindruck einer Getriebenen und Tausendsassa entstehen könnte, behauptet Schatz über sich selbst, ein sehr ruhiger und geerdeter Mensch zu sein. „Ich bin mit mir komplett im Reinen“, sagt sie. Der Schritt, sich mit einer Coaching-Firma selbstständig zu machen, sei die beste Entscheidung ihres Lebens. „Ich tue jetzt etwas, was ich liebe“, sagt sie.

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