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Tarifverhandlungen

+5,6 Prozent: Angestellte blitzen bei Inhabern ab

Berlin - Die erste Runde der Tarifverhandlungen zwischen Adexa und den Arbeitgebern ist gescheitert. Die Angestellten pokerten zu hoch. Die Apothekengewerkschaft habe etwa 5,6 Prozent mehr Gehalt gefordert, sagt Theo Hasse, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Deutscher Apotheker (ADA). „Dieser Zahl werden wir mit Sicherheit nicht nachkommen können.“ Die Adexa-Vertreter sind laut eigenen Angaben enttäuscht.

Angestellten- und Arbeitgebervertreter trafen sich heute ab 11 Uhr in Hamburg. Auch der ADA machte den Angestellten ein Angebot: „Wir haben den Nordrhein-Tarif vorgeschlagen, der für bis Ende 2019 verhandelt worden war“, so Hasse. Der Tarifvertrag mit dem TGL Nordrhein gilt seit Jahresanfang. Apothekenmitarbeiter in dem Kammerbezirk erhalten durchschnittlich 3 Prozent mehr Gehalt. Zudem wurde für alle Berufsgruppen eine neue Berufsjahresgruppe ab dem 10. Berufsjahr eingeführt.

„Wir können nicht nachvollziehen, dass die Adexa mit dem vor sieben Monaten geschlossenen Vertrag nicht zufrieden ist“, so Hasse. Die Forderung der Apothekengewerkschaft sei zu hoch gewesen. „Die Apothekeninhaber hatten 2017 lediglich einen Zuwachs von 3 Prozent und gleichzeitig sind 2 Prozent vom Rohgewinn weggebrochen.“ Würde der Adexa-Forderung nachgegeben, bleibe für die Inhaber nichts mehr übrig.

Hasse zufolge wollte der ADA auf den Ende 2017 ausgehandelten Nordrhein-Tarif noch „etwas obendrauf“ legen. Die Adexa habe abgelehnt. „Wir müssen auch an unsere Klientel denken, die unter 2,5 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Das sind mehr als 60 Prozent der Inhaber.“ Die Einnahmen beliefen sich bei vielen auf rund 60.000 Euro. „Wenn wir so hohe Aufschläge vereinbaren, geht das für viele ans Eingemachte.“

Laut Adexa-Vorsitzenden Andreas May sind mehrere Punkte besprochen worden. Auf die prozentuale Erhöhung sei der ADA gar nicht eingegangen. „Wir haben die Verhandlungen vertagt“, so May. „Wir haben gefordert, Tarifgehälter für alle Berufsgruppen zu erhöhen“, sagt Tanja Kratt, zweite Adexa-Vorsitzende. Darauf sei der ADA ebenfalls nicht eingegangen. Die Arbeitgeber hätten lediglich eine Umgruppierung ohne nennenswerte Steigerungen vorgeschlagen. Auch das Konzept, Filialleiter beziehungsweise Angestellte, die sich regelmäßig fortbilden, besser zu stellen, sei abgelehnt worden. Der Arbeitgeberverband habe klargestellt, es gebe dafür keine Notwendigkeit. Die Adexa-Vertreter seien enttäuscht von der „fehlenden Bereitschaft der Arbeitgeber, Apothekenberufe attraktiver zu gestalten“, so Kratt.

Die Stimmung während der ersten Verhandlungsrunde ist laut Hasse „absolut ok“ gewesen. Gehaltsverhandlungen seien eben nicht einfach. Der Austausch sei vernünftig gewesen und ohne Spitzen verlaufen, so der Inhaber der Diana-Apotheke in Rheinland-Pfalz. Im August soll es weitere Gespräche geben. Wann genau die zweite Verhandlungsrunde ansteht, ist noch nicht entschieden. „Wir müssen jetzt erst mit unseren Mitgliedern sprechen und uns im Vorstand zusammensetzen, um einen neuen Plan zu erstellen“, sagt Hasse.

Ende Mai lief die Vereinbarung mit den Arbeitgebern fristgerecht aus. Der aktuelle Gehaltstarifvertrag war seit Juni 2017 bundesweit mit Ausnahme von Nordrhein und Sachsen gültig. Die Parteien hatten sich auf 2,5 Prozent mehr Gehalt geeinigt. Mit der Erhöhung stieg das tarifliche Einstiegsgehalt für PTA von 1968 Euro auf 2017 Euro. Ab dem 15. Berufsjahr stieg die PTA-Tarifbezahlung von 2549 Euro auf 2612 Euro. Werden sich die beiden Parteien diesmal über einen neuen Vertrag einig, profitieren Adexa-Mitglieder, deren Arbeitgeber im ADA organisiert sind, was für den Großteil der Apothekeninhaber zutrifft.

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