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Westfalen-Lippe

Kammer: ARZ-Gelder für PTA-Ausbildung

Berlin - Die Finanzierung der PTA-Ausbildung ist inzwischen ein Dauerthema in Westfalen-Lippe. Bei der gestrigen Versammlung der Apothekerkammer (AKWL) wurde nicht nur eine Erhöhung des Kammerbeitrags beschlossen, sondern auch eine Resolution in Richtung Apothekerverband: Der AVWL soll einen Teil der Gelder aus dem Verkauf des Rechenzentrums ARZ Haan in die PTA-Schulen investieren.

Der AVWL hatte der Kammer 2005 ihre Anteile an dem Rechenzentrum für rund 700.000 Euro abgekauft. Diese Anteile würden nun einen Verkaufserlös von etwa 6,2 Millionen Euro erzielen, rechnet die AKWL vor. Damit stünden 5,5 Millionen Euro für die PTA-Schulen zur Verfügung.

Unabhängig davon hatte die AKWL bereits Mitte Juni beschlossen, ihre Förderung für die Schulen auszubauen. Bislang unterstützt die Kammer die Lehranstalten mit rund 10 Euro pro Schüler und Monat, insgesamt zwischen 80.000 und 90.000 Euro im Jahr. Ab August sollen die Schulen bis zu 70 Euro pro Schüler und Monat erhalten. Derzeit arbeitet die Kammer zusammen mit den PTA-Schulen an einem Kriterienkatalog für die Förderung. Sobald dieser beschlossen ist, können die Schulen die Gelder rückwirkend beantragen.

Die verstärkte Förderung schlägt laut AKWL im kommenden Jahr mit fast 400.000 Euro zu Buche. Insgesamt steigt das Haushaltsvolumen für 2016 um 17 Prozent beziehungsweise 984.000 Euro auf knapp 6,7 Millionen Euro. Daher wurde beschlossen, den Kammerbeitrag für Apothekenleiter von derzeit 0,098 Prozent auf 0,11 vom Umsatz zu erhöhen. Das entspreche bei einer Durchschnittsapotheke etwa 300 Euro mehr im Jahr.



Neben den PTA-Schulen belasten auch andere Faktoren den Haushalt. So werden ab dem nächsten Haushaltsjahr die Einnahmen und Ausgaben für die Fortbildung nicht mehr wie bisher saldiert, sondern komplett ausgewiesen. Diese Einnahmen belaufen sich 2016 auf knapp 300.000 Euro. An die ABDA müssen rund 50.000 Euro mehr gezahlt werden, und die geplante Zuführung an die Rücklagen steigt von 67.000 auf 190.000 Euro.

Bei der Kammerversammlung vermeldete Präsidentin Gabriele Regina Overwiening einen neuen Tiefstand bei den Apothekenzahlen: 2025 Betriebsstätten gebe es derzeit, sieben weitere Schließungen seien bis zum Jahresende angekündigt. Ende 2014 habe es noch 2040 Apotheken gegeben. Damit sinkt die Zahl bereits zum zehnten Mal in Folge. Auch bei den Inhabern wird ein Rückgang verzeichnet: Gab es Ende 2014 noch 1615 Apothekenleiter, sind es derzeit nur noch 1586 – und damit weniger als 1974. 439 Apotheken werden in Westfalen-Lippe als Filialen betrieben.

Overwiening sieht die große Gefahr, „dass wir uns alle an diesen schleichenden Rückgang gewöhnen.“ Dringend nötig sind aus ihrer Sicht Anreize, damit sich junge Apotheker wieder verstärkt in die Selbständigkeit wagen. „Wir brauchen nicht nur Planungssicherheit für Newcomer, die den Weg in die Selbstständigkeit suchen. Diese verlangen ebenso nach einer Wertschätzung ihrer Tätigkeit“, sagte sie.



Gute Nachrichten konnte Overwiening in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) vermelden: „Seit Anfang 2013 haben wir in sechs Seminardurchläufen mit der Universität Münster 513 Apothekerinnen und Apotheker zu AMTS-Managern ausgebildet“, berichtete sie. Darüber hinaus hätten sich mittlerweile 248 Apotheken den Titel „AMTS-qualifizierte Apotheke“ erarbeitet.

Die Teams versteht Overwiening als „Lotsen durch den Arzneimitteldschungel“, schließlich nähmen allein in Westfalen-Lippe 500.000 Patienten dauerhaft fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig ein. „Dass unser Bundesgesundheitsminister im derzeitigen Konzept für einen elektronischen Medikationsplan die Apotheke nur als Randerscheinung betrachtet, ist daher mit gesundem Menschenverstand nicht mehr nachzuvollziehen“, so Overwiening mit Blick auf das geplante E-Health-Gesetz. „Vielleicht liegt es daran, dass er sich dem Dialog mit der Apothekerschaft in seiner Amtszeit – anders als seine Vorgänger – bisher nahezu vollständig entzogen hat.“

Schließlich ging es bei der Kammerversammlung auch um den geplanten Umbau des Apothekerhauses am Aasee. Das 1956 errichtete Gebäude genießt zwar Bestandsschutz, soll aber trotzdem barrierefrei werden. Im hinteren Teil des Hauses soll ein gläserner Aufzug ergänzt werden, der direkt vom Parkdeck aus erreichbar sein soll. Im Untergeschoss soll eine für Rollstuhlfahrer nutzbare Toilette entstehen. Bis auf einen Sitzungssaal im Obergeschoss sollen somit sämtliche Gebäudeteile barrierefrei erreichbar sein.



Im Zuge der Umbauten soll der Vorderteil der Apotheke energetisch saniert werden. Die Front soll um zwei bodentiefe Schaufenster erweitert werden, durch die Passanten einen Blick auf eine historische Apothekeneinrichtung werfen können. Das Apothekerhaus soll ab dem Frühsommer 2016 die Einrichtung und das Inventar der ehemaligen Einhorn-Apotheke aus Köln beherbergen, eine Dauerleihgabe des Heidelberger Apothekenmuseums.

Charakteristisch für die 1643 gegründete Apotheke ist die mehr als 200 Jahre alte Empire-Einrichtung. Diese war erst nach der Entfernung von vier Anstrichen durch einen Museumsrestaurator wieder hervorgetreten. Zu der Leihgabe gehören auch zahlreiche alte Standgefäße und ein barocker Bronzemörser. Die Apotheke wurde bis vor wenigen Wochen im Schloss von Burg an der Wupper ausgestellt.

Die Kosten für die Baumaßnahmen summieren sich laut Kammer auf rund 575.000 Euro. Als zertifizierter Ökoprofit-Betrieb will die Kammer beim Umbau auf den nachhaltigen Einsatz von Baumaterialien und die Senkung des Energieverbrauchs setzen.

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