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Expopharm

Trümper: Niemand wandelt unter dem Heiligenschein

München - Phagro-Chef Dr. Thomas Trümper hat bei seiner Rede zur Eröffnung der Expopharm für gegenseitiges Verständnis geworben. Jeder in der Lieferkette von Arzneimitteln trage Verantwortung. „Jeder steht aber auch unter wirtschaftlichem Druck und kann nicht für sich beanspruchen, nur mit dem Heiligenschein zu wandeln“, so Trümper in Bezug auf die jüngsten Skandale in der Branche.

Trümper zufolge beschäftigen die Apotheker und ihre Lieferanten derzeit vor allem zwei Themen: Wie sicher ist die kontinuierliche Belieferung von Arzneimitteln? Und: Wie sicher sind wir geschützt vor Fälschungen bzw. nicht mehr garantierter Qualität? Beides habe mit dem Verständnis für Arzneimittel generell zu tun. „Und hier möchte ich ganz klare Kante zeigen gegen all diejenigen, die meist aus Unverständnis gepaart mit Populismus Regeln des Konsumgütermarktes auf den Arzneimittelmarkt übertragen wollen.“

Sollte etwa der einzige Rohstofflieferant für Schokolade ausfallen, „dann essen wir eben Gummibärchen in der Zeit“, so Trümper. Übertragen auf Arzneimittel sei dies aber brandgefährlich. Trümper macht den Herstellern keinen Vorwurf, weil er weiß, dass diese als Wirtschaftsunternehmen unter Druck stehen. „Hier müssen eben diejenigen, die die Grenzen ziehen, auf die Konsequenzen achten und notfalls einschreiten“, fordert Trümper.

Normalerweise äußere sich der Phagro nur zu seinen Angelegenheiten, so Trümper. Da die Großhändler aber selbst immer wieder auf die Lieferengpässe der Hersteller angesprochen würden, erlaube sich Trümper einen Kommentar: „Es darf nicht sein, dass wichtige Wirkstoffe für Arzneimittel weltweit nur an einer Stelle und dazu noch in Ländern produziert werden, in denen Kontrollen schwierig sind, ganz abgesehen vom politischen Risiko.

Zum Thema Qualität und Fälschungen merkte Trümper an, dass die Phagro-Mitglieder von Überwachungsbehörden beaufsichtigt würden, die man vorsichtig als sehr pingelig beschreiben könnte. Offensichtlich schaffen diese es aber nicht, die mehr als 3000 anderen Inhaber von Großhandelserlaubnissen so zu überwachen, dass sie bei einzelnen Akteuren unsaubere Geschäftspraktiken verhindern können. Ob hier unterschiedliche Maßstäbe angesetzt werden, fragt sich Trümper. Überhaupt frage man sich immer mehr, ob behördliche Prüfergebnisse bei der Lieferantenqualifizierung noch verlässlich sind.

Die Europäische Kommission habe mit der Fälschungsschutzrichtlinie reagiert und Securpharm im Februar startklar. „Ich hoffe, das haben alle, vor allem alle Hersteller in ihrem Kalender stehen“, mahnte Trümper. Auch Fritz Becker, Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV), bekam einen Wink: Alle Apotheken möchten doch bitte rasch die Version 2 der MSV 3 Prozedur einführen.

Im Lunapharm-Fall habe sich wohl gezeigt, dass von unverantwortlichem Handeln gesprochen werden muss. „Die Arzneimittelhandelsverordnung und die GDP-Leitlinien sind so klar formuliert, dass keine Zweifel an den Prozessen bestehen“, so Trümper, ohne den Namen des Unternehmens selbst zu nennen.

Trümper hat zudem Zweifel an den „Kurierdiensten im Zuge des Versandhandels“ – zumal einem Phagro-Mitglied der Entzug der Großhandelserlaubnis angedroht wurde, sollte dieser die Auslieferfahrzeuge nicht temperiert. „Das muss mir mal jemand erklären, wieso Temperaturen in einem Großhandelsfahrzeug einen anderen Einfluss auf die Qualität eines Arzneimittels haben, als Temperaturen in einem Kurierfahrzeug.“

In all diesen Punkten stimme er mit seinem Vorredner, DAV-Chef Fritz Becker überein. Nur in der Skonto-Frage sei man bekanntlich anderer Meinung, hatte er seinem Grußwort vorweg geschickt.

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