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Weniger Apotheken in Westfalen-Lippe

Overwiening: Spahn muss Rx-Versandverbot jetzt machen

Berlin - Im Kammerbezirk Westfalen-Lippe hat sich das Apothekensterben in den ersten neun Monaten wieder beschleunigt. Wie die Apothekerkammer mitteilte, schlossen bis Ende September 33 Apotheken – so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr. Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening appellierte an die Große Koalition, „unverzüglich“ das im Koalitionsvertrag festgelegte Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel auf den Weg zu bringen.

„Jede weitere Verzögerung dieses Vorhabens gefährdet die wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln, gerade in einem Flächenlandesteil wie Westfalen-Lippe“, so die Kammerpräsidentin. Die Entwicklung der Apothekenzahlen in Westfalen-Lippe bezeichnet Overwiening mittlerweile als alarmierend: In den ersten neun Monaten dieses Jahres stand weiteren 33 Apothekenschließungen nur eine Neueröffnung gegenüber. Die Gesamtzahl der Apotheken verringerte sich auf 1941. „Damit haben wir in den vergangenen 15 Jahren mehr als 300 Apotheken verloren“, bilanziert die Kammerpräsidentin.

Hinter der geringsten Apothekenzahl seit fast 40 Jahren stehen inzwischen auch nur noch 1462 Inhaber. Denn fast jede vierte Apotheken – exakt 479 – wird inzwischen als Filiale geführt: „Die Zahl der Selbstständigen liegt damit auf dem Niveau des Jahres 1971.“

Overwiening unterstützt den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn ganz nachdrücklich auf seinem Weg, die Digitalisierung des Gesundheitswesens zum Wohle der Patienten voranzutreiben. „Wir Apothekerinnen und Apotheker können und wollen hierzu einen großen Beitrag leisten“, betont die Kammerpräsidentin. „Wir stehen zur Gematik und wir stehen zur dazugehörigen Telematik-Infrastruktur. Wir bekennen uns zum E-Rezept und zur E-Patientenakte. Aber wir brauchen zugleich auch Planungssicherheit und klare ordnungspolitische Eckpfeiler. Zu diesen Eckpfeilern gehören die Apothekenpflicht für rezeptfreie Medikamente, das Fremd- und Mehrbesitzverbot bei Apotheken und der einheitliche Abgabepreis für verordnete Arzneimittel“, so Overwiening.

Im Jahr 2005 gab es in Westfalen-Lippe 2246 Apotheken, darunter 146 Filialen. Seitdem geht die Zahl Jahr für Jahr zurück, 2018 bereits im 13. Jahr in Folge. Der bisherige Rückgang in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 ist der stärkste Rückgang seit sechs Jahren.

Nach Angaben der ABDA ist die Zahl der Apotheken in ganz Deutschland im ersten Halbjahr auf 19.591 gesunken. Das sind 157 Betriebsstätten weniger als Ende 2017. Damit hat sich auch bundesweit der Schließungstrend beschleunigt. In den ersten sechs Monaten 2017 gaben „nur“ 143 Apotheken auf. Im gesamten Jahr 2017 war die Apothekenzahl um 275 oder 1,4 Prozent gesunken.

Anfang Februar hatte die ABDA die bundesweiten Apothekenzahlen für 2017 bekannt gegeben: Danach sank die Zahl der Apotheken in Deutschland Ende 2017 auf 19.748. Das waren genau 275 Apotheken oder 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ende 2016 gab es noch 20.023 Apotheken. Damit hat sich der Rückgang 2017 weiter beschleunigt – nach minus 226 im Jahr 2016 und minus 192 im Jahr 2015.

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