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#FragSpahn (Teil 3)

Spahn: „In Köpenick gibt es faktisch keine Apotheke mehr“

Screenshot: YouTube

Berlin - Wie sieht die Apotheke der Zukunft aus? Im dritten Teil seines Interviews mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt Apotheker Dr. Philipp Kircher konkrete Zukunftskonzepte für die Anwendung in der Apotheke. Der Minister zeigt sich froh über so viel eigenes Engagement. Es brauche mehr Apotheker, die aktiv gestalten, statt die Digitalisierung nur zu erleiden.

Ziel bleibe die flächendeckende Versorgung, „um das nochmal ausdrücklich zu sagen“, so Spahn. Das sei „nicht mehr nur ein Stadt-Land-Thema“, sondern gelte auch innerhalb der Städte. „Es gibt hier Stadtteile in Berlin, Bezirke, Kieze, da gibt es auch keine Apotheke“, behauptet der Minister. „In Köpenick war ich mal vor einiger Zeit, da gibt es faktisch keine Apotheke mehr.“ Der Apothekenfinder widerspricht ihm da, de facto sind es mindestens elf Stück. Richtig ist allerdings: Bei 65.000 Einwohnern ist der Ortsteil im Südosten der Hauptstadt unterdurchschnittlich versorgt, zumindest gemessen am gesamtdeutschen Durchschnitt.

Flächendeckend müsse die Versorgung also sein, „aber eben auch mit einem digitalen Angebot, das mithält mit der Entwicklung, die wir überall in allen Lebensbereichen haben“. Dazu gehöre beispielsweise das Angebot einer Onlinesprechstunde, das ist ja auch schon eine Idee der ABDA immer mal wieder gewesen, pharmazeutische Online-Angebote zu machen“, so Spahn. Aber auch am E-Rezept führt kein Weg vorbei, jedenfalls solle man „nichts mehr auf Papier haben“.

Ein Anliegen sei es ihm, Botendienste „für die, die sie anbieten wollen“, mehr zur Regel zu machen. Zusammen mit der Apothekerschaft wolle er dazu Konzepte entwickeln, beteuert er und spielt den Ball zurück ins Feld der Apotheker – vertreten durch Kircher. „Aber entscheidend ist nicht nur, welche Ideen ich habe von der Apotheke in zehn Jahren, sondern Sie werden ja in zehn Jahren hoffentlich auch noch in Ihrer Apotheke vor Ort sein“, sagt er seinem Gegenüber. Die Frage sei, welche Ideen diejenigen Apotheker für die Zukunft haben, die noch jünger sind.

Kircher wandelt die Vorlage um und referiert über den Trend zu personalisierten, individualisierten Arzneimitteln. „Ich glaube, dass es so wie heute Medikamente mit 10 mg und 5 mg gibt, ist nicht die Zukunft“, so der bayerische Apotheker. „Das ist genauso, wenn wir beide in den Schuhladen gehen und uns ein Paar Schuhe kaufen. Wenn es nur zwei Größen gibt, hilft uns das nichts.“ Deshalb sei es in Zukunft notwendig, individuell auf den Patienten zu dosieren. In seiner eigenen Apotheke mache er damit bereits „erste Gehversuche“, bei denen Arzneimittellösungen auf einen Polymerfilm gedruckt werden. „Das kann man sich so vorstellen wie das Esspapier früher in der Schule.“

„Und wie wird das dann heute abgerechnet?“, fragt der Minister verschmitzt dazwischen und bringt Kircher leicht in die Bredouille. „Das sind nur erste Gehversuche“, stellt der richtig. Dennoch: Dem Konzept gehöre die Zukunft, glaube er. „Da bekommt vielleicht auch die Rezeptur eine kleine Renaissance, wo wir ja ursprünglich herkommen als Apotheker.“

Auch andere Technologien wie 3D-Drucker klängen zwar im Moment noch wie Zukunftsmusik, hätten aber gute Chancen, sich zu etablieren. „Haben Sie den Eindruck, dass das so in der Apothekerschaft insgesamt ein Thema ist?“, hakt Spahn nach. „Also einen 3D-Drucker habe ich bis jetzt noch nicht gesehen.“ Doch Kircher versichert ihm, dass die Apotheker offen dafür sind. Spahn findet daraufhin warnende, aber auch wärmende Worte für die Apothekerseele: Es brauche solche Gehversuche, denn es sei absehbar, dass da in Zukunft viel passieren wird. „Es hat ja auch einen Grund, warum Google, Amazon, Facebook, ihren Blick immer mehr auf die Gesundheit richten, investieren, Start-ups kaufen.“ Die Frage bleibe aber: „Gestalten wir das selbst oder erleiden wir es. Deswegen finde ich es sehr gut, dass sich einige hier selbst aktiv Gedanken machen.“

Es brauche mehr solcher Apotheker, die aktiv gestalten, ist Spahns Botschaft zum Schluss des Interviews. „Insofern, ziehen Sie da ein paar Kollegen mit, damit wir da Impulse setzen“, so der 38-Jährige. „Ich denke, wenn wir da stabile Rahmenbedingungen haben, kriegen wir das hin“, erwidert Kircher kritisch, aber versöhnlich.

Impulse für die digitale Zukunft der Apotheken setzen die Kollegen tatsächlich, nämlich bei der Digitalkonferenz VISION.A von APOTHEKE ADHOC. Rund 30 hochkarätig Top-Speaker widmen sich am 20. und 21. März in Berlin dem wichtigsten Zukunftsthema der Branche. Neben Viktor Mayer-Schönberger, international renommierte Koryphäe auf dem Gebiet des datengetriebenen Kapitalismus, sprechen unter anderem Professor Dr. Jürgen Schmidhuber, einer der Väter der Künstlichen Intelligenz, dessen Algorithmen von Apple über Facebook bis Google Anwendung finden. Dunja Hayali zeigt auf, wie man mit kontroversen Diskursen in sozialen Medien umgeht, während Dr. Tu-Lam Pham zeigt, wie Technologie und soziale Medien Gesundheit und Fitness auf der ganzen Welt verändern. Florian Kaps wiederum erklärt, wie man das Analoge erfolgreich ins digitale Zeitalter retten kann. Mit den VISION.A Awards werden auch in diesem Jahr wieder die innovativsten Konzepte und Geschäftsideen ausgezeichnet. Sichern Sie Das ganze Line-Up, alle Informationen und Tickets gibt es hier.

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