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Saarland und BaWü

Digitale Rezeptsammelstellen gestartet

Berlin - Eine digitale Rezeptsammelstelle soll Patienten in eher abgelegenen Regionen künftig helfen, schneller an Medikamente zu kommen. Zwei solcher Automaten werden seit heute in Neidlingen in Baden-Württemberg und Heusweiler-Kutzhof im Saarland in einem Pilotversuch getestet.

Patienten können ihre Rezepte, die sie vom Arzt bekommen haben, dort einscannen, wie die Apothekerkammer des Saarlandes und der Apothekerverband Baden-Württemberg mitteilten. Die Informationen werden an eine Apotheke übermittelt, die die Arzneimittel dann nach Hause liefert. Ist der Test erfolgreich, sollen nach und nach weitere Automaten aufgestellt werden – auch in anderen Bundesländern. Das Interesse sei groß, hieß es.

Beim Start des Testlaufes im Saarland dabei war Gesundheitsministerin Monika Bachmann. „Die gesellschaftliche Entwicklung macht es notwendig, dass die Arzneimittelversorgung auf dem Land einfacher, schneller und digitaler gestaltet wird. Diese Digitalisierung bietet für beide Seiten, für Apotheker und für Kunden, viele Vorteile“, erklärte sie. Bei der Rezeptsammelstelle handelt es sich um eine wetterfeste Outdoor-Variante, die eher einem Parkscheinautomaten ähnelt und draußen neben einer Arztpraxis steht.

„Mit der Digitalen Rezeptsammelstelle wollen auch wir unseren Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, auch hier Präsenz zu zeigen“, so Manfred Saar, Präsident der Apothekerkammer des Saarlandes. „Gerade ältere Patientinnen und Patienten erhalten so bei einfachster Bedienung der Digitalen Rezeptsammelstelle noch schneller ihre dringend benötigten Arzneimittel. Und ganz wichtig sowohl für uns Apothekerinnen und Apotheker als auch für die Patientinnen und Patienten: Unser apothekerlicher Botendienst garantiert einen persönlichen Kontakt, der oftmals genauso wichtig wenn nicht sogar noch wichtiger ist als das Arzneimittel selbst!“

Der saarländische Testort Heusweiler-Kutzhof liegt im oberen Köllertal und hat rund 2200 Einwohner – eine Apotheke gibt es laut Kammer nicht im Ort. Seit Jahren wird die Arzneimittelversorgung dort durch eine herkömmliche Rezeptsammelstelle gewährleistet. Der Pilotbetrieb der jetzt in Betrieb genommenen digitalen Rezeptsammelstelle soll drei Monate andauern.

„Wir kriegen das Rezept jetzt praktisch auf den Schirm, wenn es eingeworfen wird“, erklärt Saar, selbst Inhaber der Allee-Apotheke in Heusweiler-Holz, der den Automaten im Saarland bedient und bisher pro Tag zwischen 15 und 40 Rezepte aus dem herkömmlichen Briefkasten geholt hat. Falls ein Artikel nicht vorrätig ist, kann Saar jetzt sofort bestellen und noch am selben Tag liefern. „Wir können so bis zu einem ganzen Werktag sparen. Das ist ein gewaltiger Zeitgewinn.“

Außerdem spare sich der Apotheker eine Fahrt, sagt Hansjörg Egerer von der Adler-Apotheke in Weilheim/Teck, die bisher für den Briefkasten und künftig für den Automaten im baden-württembergischen Neidlingen zuständig ist. Zwar könnten seine Kunden ihn auch bisher schon einfach anrufen und ein Medikament bestellen, das er dann im Tausch gegen das Rezept ausliefert. Ein zusätzliches Geschäft, mit dem sich mehr Geld verdienen lässt, sei die Sache für seine Apotheke aber nicht. „Es ist ein zusätzlicher Service.“

Das sogenannte „callmyApo“-Terminal in Baden-Württemberg ermögliche es Patienten, einfach und sicher ihre ärztliche Verordnung elektronisch an die zuständige Apotheke zu senden, so der Landesapothekerverband. Dazu startet der Patient auf dem integrierten Touch-Bildschirm den Vorgang und führt sein Rezept in den dafür vorgesehenen Schlitz ein. Zur Bestätigung der digitalen Übertragung erhält der Patient einen Quittungsbon, auf dem die Vorbestellnummer und die Kontaktdaten der Apotheke zu finden sind. Bei Bedarf kann der Patient auch direkt über das Terminal eine Nachricht an die Apotheke schreiben.

Einen niedrigen vierstelligen Betrag koste der Automat in Heusweiler-Kutzhof, so die Apothekerkammer des Saarlands. Dieser wurde vom Rechenzentrum ARZ Darmstadt entwickelt. Zu den Kosten des Neidlinger Automaten, der von der Noventi-Gruppe kommt, macht der Apothekerverband Baden-Württemberg keine Angaben. Man wolle erst einmal testen, welche Funktionen gebraucht werden und ob alles rund läuft. „Wir sind im digitalen Zeitalter, aber wir sehen ja auch, wie oft wir Ausfälle haben“, sagt Verbandspräsident Fritz Becker. Einiges teurer als die Saarland-Variante dürfte das Modell in Neidlingen schon sein, schließlich kann es mehr als Rezepte scannen.

„Die Digitale Rezeptsammelstelle ist eine Art Brücke, die die Welt der digitalen Kommunikation und die Welt der persönlichen Betreuung und Beratung der ortsnahen Apotheke miteinander verbindet“, erklärte Becker. „Uns ging es bei der Idee darum, vor allem Zeit und Wege zu sparen und dadurch die Patientenversorgung auf dem Land noch wirkungsvoller und noch schneller zu machen.“ Die Testphase in Neidlingen wird zwischen drei und sechs Monate andauern.

CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich, in dessen Wahlkreis die Gemeinde Neidlingen liegt, betonte anlässlich der Inbetriebnahme: „Ich kenne die Leistungsfähigkeit der ortsnahen Apotheken und ich weiß, dass sie wie kaum eine andere Branche durchdigitalisiert sind. Anders wäre die beispielgebende Versorgungsgeschwindigkeit unserer Apotheken auch gar nicht leistbar. Die digitale Rezeptsammelstelle bindet nun auch den Patienten in diese digitale Welt stärker mit ein. Ich meine, das ist ein echter Zugewinn für die Menschen insbesondere im ländlichen Raum.“

Auch Bürgermeister Klaus Däschler teilt diese Meinung: „Schon heute bin ich froh, dass wir durch die beiden Apotheken aus Weilheim seit einiger Zeit so kompetent mitversorgt werden. Wenn das jetzt noch einfacher und schneller möglich ist, sind wir Neidlinger gerne bereit, das Pilotprojekt der Digitalen Rezeptsammelstelle aktiv zu unterstützen. Ich selbst konnte mich davon überzeugen, wie einfach die Bedienung des Terminals ist – das ist auch für all diejenigen gut zu schaffen, die es sonst nicht so mit der Technik haben.“

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