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Metanalyse

Wirksamkeit bestätigt: Botox reduziert Migräne-Häufigkeit

Berlin - Weniger Migräne dank Botox: Botulinumtoxin Typ A kennt man in erster Linie aus der Schönheitschirurgie. Wer von faltenfreier glatter Haut träumt, kann mit Botox-Injektionen sein Ziel erreichen. Doch der Arzneistoff kann mehr und findet beispielsweise zur Behandlung bestimmter Formen von Spasmen, der Reizblase, Hyperhidrosis sowie bei Migräne Anwendung. Das Botox die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren kann, bestätigt eine Metaanalyse plastischer Chirurgen, die im Fachmagazin „Plastic and Reconstructive Surgery“ veröffentlicht wurde.

Botox ist bei erwachsenen Migränepatienten zur Linderung der Symptome indiziert. Vorausgesetzt es handelt sich um eine chronische Migräne. Die Patienten müssen demnach an mindestens 15 Tagen unter Kopfschmerzen leiden und an mindestens acht Tagen davon unter Migräne und außerdem auf eine prophylaktische Migräne-Medikation nur unzureichend angesprochen haben oder die Therapie nicht vertragen haben. Die Injektionen sollten auf sieben spezifische Kopf-/Nackenmuskelbereiche verteilt werden und im Abstand von zwölf Wochen wiederholt werden.

Das Team um Benoit Chaput von der Universitätsklinik Rangueil in Toulouse hat verschiedene Datenbanken auf randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien geprüft. 17 Studien konnten identifiziert werden, in denen die Wirksamkeit von Botox-Injektionen im Vergleich zu Placebo als vorbeugende Behandlung von Migräne untersucht wurde. Insgesamt 3646 Patienten – darunter etwa 1500 mit chronischer Migräne – hatten an den Studien teilgenommen.

Die Datenanalyse zeigte eine Tendenz zugunsten vom Botulinumtoxin nach einem Zeitraum von drei Monaten. Patienten mit chronischer Migräne litten im Mittel an 1,56 Tagen pro Monat weniger – und somit signifikant weniger häufig – an Migräne als unter Placebo. Bereits nach zwei Monaten konnte eine signifikante Abnahme der Migränetage verzeichnet werden. Außerdem verbesserte sich in der Verumgruppe die Lebensqualität. Studienteilnehmer, die an weniger als 15 Tagen pro Tagen unter Kopfschmerzen leiden, konnten nicht signifikant von einer Botox-Therapie profitieren. Hier konnte ein Rückgang der Migränetage um 0,17 Episoden pro Monat dokumentiert werden.

Das Fazit der Metaanlyse: Botulinumtoxin Typ A-Injektionen sind nach dreimonatiger Therapie Placebo bei chronischer Migräne überlegen. Außerdem konnte bei wenigen und leichten Nebenwirkungen ein echter Nutzen in Bezug auf die Lebensqualität der Patienten nachgewiesen werden.

Migräne zählt zu den primären Kopfschmerzen, dem Schmerz liegt also keine andere Erkrankung zu Grunde, sondern er ist die Krankheit selbst. Die Attacken kommen anfallsweise und können 4 bis 72 Stunden andauern. Die Betroffenen leiden an pochenden oder pulsierenden einseitigen sehr starken Schmerzen. Diese sitzen meist im Stirn- und Schläfenbereich oder hinter dem Auge und verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Zudem sind Begleiterscheinungen wie Aura, Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit möglich. Patienten sollten ein Migräne-Tagebuch führen, das auch eine Trigger-Checkliste enthalten sollte.

Die Ursache der Schmerzen kann eine Überschwemmung mit erregenden Neurotransmittern wie Serotonin sein. Darauf reagiert der Körper mit Übelkeit und Erbrechen als Schutzreflex, dieser läuft jedoch ins Leere und Entzündungsbotenstoffe werden ausgeschüttet – Schmerz entsteht.

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