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Migräne-Prophylaxe

Vier Antikörper gegen Migräne

Berlin - Alltagskiller Migräne: Eine Attacke kommt anfallsartig mit pochenden oder pulsierenden Schmerzen. Die einseitigen Schmerzen können zwischen vier und 72 Stunden andauern und den Alltag unmöglich machen. Wer unter chronischer Migräne leidet, kämpft an mehr als 15 Tagen pro Monat mit dem primären Kopfschmerz. Die Prophylaxe beschränkte sich bislang auf die Vermeidung von Triggern oder Wirkstoffe wie Propranolol und Amitriptylin, die eigentlich nicht dafür entwickelt wurden. Hoffnung versprechen speziell entwickelte Antikörper. Mit Erenumab hat der erste Vertreter vor wenigen Tagen die EU-Zulassung erhalten. Drei weitere sind in der Pipeline. Ein Überblick.

Erenumab ist der erste monoklonale Antikörper, der unter dem Namen Aimovig (Amgen) die EU-Zulassung erhalten hat. Er kann bei Patienten mit chronischer Migräne die Zahl der auftretenden Attacken und somit den Schmerzmittelgebrauch reduzieren. Der Wirkstoff greift gezielt am Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP)-Rezeptor an, der an der Entstehung und Aufrechterhaltung von Migräne maßgeblich beteiligt ist. CGRP ist ein Botenstoff, der vermehrt bei einer Migräneattacke freigesetzt wird und als Entzündungsprotein bei Migräne eine zentrale Rolle spielt. Das proinflammatorische Neuropeptid ist eine der stärksten gefäßerweiternden endogenen Substanzen und maßgeblich an der Entstehung der Migräne beteiligt. Außerdem gilt das Peptid als Entzündungsmediator. Im Zentralnervensystem ist CGRP an der Regulation der Körpertemperatur beteiligt und moduliert die Schmerzübertragung.

Für die Akutbehandlung einer Migräneattacke ist der Arzneistoff nicht geeignet. Die Antikörpertherapie ist zur Migräne-Prophylaxe bei Erwachsenen, die mindestens an vier Tagen pro Monat an einer Attacke leiden, indiziert. Die Antikörpertherapie wird einmal monatlich injiziert. Wirksamkeit und Sicherheit wurden in verschiedenen Studien bestätigt.

Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab sind weitere Vertreter der CGRP-Antikörper. Sie sind bislang noch nicht zugelassen, stehen jedoch kurz vor der Markteinführung. Lilly erwartet für Galcanezumab eine Zulassung im Oktober, Teva hofft für Fremanezumab auf eine Marktzulassung im September. Anders als Erenumab greifen die Wirkstoffe nicht am CGRP-Rezeptor an, sondern nehmen gezielt Einfluss auf das Neuropeptid. Durch Bindung an CGRP kann das Neuropeptid nicht mehr mit dem dazugehörigen Rezeptor interagieren.

Teva hatte im Frühjahr im Journal of the American Medical Association eine Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Fremanezumab veröffentlicht. Die randomisierte kontrollierte Studie wurde an 123 Standorten in neun Ländern durchgeführt und schloss etwa 900 Probanden im Alter von 18 bis 70 Jahren ein, die an episodischer Migräne litten. Monatlich erhielten die Teilnehmer eine subkutane Injektion von 225 mg Verum zu Studienbeginn sowie nach vier und acht Wochen, beziehungsweise 675 mg zu Studienbeginn und Placebo nach vier und acht Wochen beziehungsweise ausschließlich Placebo.

Über den Studienzeitraum von zwölf Wochen konnte die Anzahl der Migränetage pro Monat gesenkt werden. In der Gruppe, die mit 225 mg behandelt wurde, sank die Zahl von durchschnittlich 8,9 Tage auf 4,9 Tage, in Gruppe zwei von 9,2 auf 5,3 und in der Placebogruppe von 9,1 auf 6,5.

Auch die Studiendaten für Galcanezumab zeigen eine Reduktion der Migränetage. Die Studien Evolve 1 und 2 sowie Regain liefern entsprechende Zahlen. Letztere zeigt über einen Zeitraum von drei Monaten bei Patienten, die mit 120 mg beziehungsweise 240 mg behandelt wurden, eine durchschnittliche Reduktion um 4,7 Tage beziehungsweise 4,6 Tage. Unter Placebo waren es zum Vergleich 2,8 Tage. Eptinezumab wurde von Alder Biopharmaceuticals entwickelt. Die Phase-III-Studie Promise 1 zeigte eine Reduktion der monatlichen Migränetage um etwa vier Tage.

Während in der Anfallsbehandlung die Triptane den Markt dominieren, gab es zur Prävention von Anfällen bis vor wenigen Tagen keine spezielle Therapie. Als Mittel der Wahl galten Betablocker wie Metoprolol, Calciumantagonisten sowie Antiepileptika. Die Vasodilatatoren wirken jedoch nur peripher. Antiepileptika werden aufgrund fehlender wissenschaftlicher Evidenz und häufiger Nebenwirkungen häufig ungern verschrieben.

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