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Personalisierte Medizin

Alacris: Maßgeschneiderte Krebstherapie

Berlin - Eine Krebstherapie, die perfekt zum Patienten passt – die bietet das Berliner Unternehmen Alacris Theranostics an. Die Wissenschaftler haben ein Computermodell entwickelt, das das Profil des Genoms und des Tumors eines Patienten analysiert und mit der Wirkungsweise verschiedener Medikamente abgleicht. Auf Basis dieser Daten erstellt der Simulator „ModCell“ Ansätze und Therapievorschläge für die individualisierte Krebstherapie.

Der Simulator soll Ärzten helfen, die richtigen und tatsächlich wirksamen Medikamente für jeden spezifischen Krebsfall zu finden. Derzeit müssten Ärzte anhand bisheriger Erfahrungen und Wahrscheinlichkeiten aus veröffentlichten Studien Rückschlüsse auf Kranke ziehen, erklärt Alacris-Geschäftsführer Dr. Bodo Lange der „Wirtschaftswoche“. „Wir dagegen können die individuellen molekularen Daten des Patienten und Tumors in unser Modell einspeisen und so maßgeschneiderte, personalisierte Vorhersagen treffen.“

Das Angebot von Alacris richtet sich an Ärzte, nicht an Patienten. Wenn sich beide für eine Analyse entscheiden, werden die notwendigen Dokumente unterzeichnet und Proben des Patienten und des Tumors an Alacris geschickt. Dort werden die Proben sequenziert. Auf diese Weise erhalten die Wissenschaftler genaue Informationen über die Erkrankung.

Diese individuellen Informationen werden um vorhandene generelle Daten über Krebs ergänzt. Der Arzt erhält dann einen Abschlussbericht, in dem die Charakteristika des Tumors und spezifische Veränderungen unter bestimmten Wirkstoffen aufgeführt werden. Diese Informationen nutzt der Mediziner, um seine Therapieentscheidung zu treffen.

Bei der Wahl der passenden Medikamente greift „ModCell“ nicht nur auf Zytostatika zu, sondern auch Wirkstoff, die etwa zur Behandlung von Rheuma oder anderen Erkrankungen zugelassen sind. Das Modell sucht nach den molekularen Schwachstellen des Tumors. „Wir stoßen so auf hochwirksame Präparate, die es schon gibt und die zugelassen sind – nur eben nicht für Krebs“, sagte Lange der „Wirtschaftswoche“. Eine Analyse kostet mehrere hundert Euro, die Erstattung durch die Krankenkassen ist bislang noch nicht geregelt.

Das Verfahren, das Alacris für „ModCell“ nutzt, wurde am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik entwickelt. Dessen ehemaliger Direktor, Professor Dr. Hans Lehrach, hatte die Idee zur Gründung der Firma Alacris im Jahr 2008. Im März war das Unternehmen Finalist in der Kategorie „Start-up Unternehmen“ des Innovationspreises der Deutschen Wirtschaft, in der vergangenen Woche wurde es außerdem zum Sieger des Deutschen Innovationspreises 2015 in der Kategorie „Mittelstand“ ernannt.

Neben der personalisierten Krebstherapie soll die Simulation auch dazu beitragen, neue Medikamente zu entwickeln. Das Computermodell erlaubt es laut Alacris, Ansatzpunkte für neue und bessere Medikamente zu identifizieren. Die Pharmakonzerne Bayer, GlaxoSmithKline (GSK) und Eli Lilly gehören bereits zu den Nutzern und Kooperationspartnern von Alacris, Quiagen ist 2011 eingestiegen. Das niederländische Biotech-Unternehmen bringt seitdem seine Erfahrungen bei der Entwicklung molekularer Tests ein und erhielt im Gegenzug eine Kaufoption für alle Biomarker, die Alacris entdeckt.

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