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Hormonpräparate

Periode verschieben dank „Holiday-Pille“?

Berlin - Urlaub, Hochzeit, Schwimmbadbesuch: Die Periode kommt zu den unpassendsten Zeiten. Wie schön wäre es, wenn man die Blutung einfach verschieben könnte? In Großbritannien ist das jetzt ganz schnell möglich: Durch ein Hormonpräparat, das in Apotheken erhältlich ist und bereits nach kurzer Beratung ausgehändigt wird – die Einnahme ist jedoch mit Risiken verbunden.

Dass die Periode verzögert werden kann, indem die „Anti-Baby-Pille“ nicht wie gewohnt pausiert, sondern durchgenommen wird, ist weit verbreitet. Doch auch Frauen, die nicht mit hormonellen Kontrazeptiva verhüten, haben die Möglichkeit, ihre Periode zu verschieben: Mithilfe des Gestagens Norethisteron kann die Blutung um bis zu zwei Wochen nach hinten geschoben werden. Das Hormon war das erste oral wirksame synthethtische Progestin: Es spielt in Verbindung mit Östrogenhormonen eine wichtige Rolle für den Menstruationszyklus und den Eisprung.

Daher wird es vor allem gegen hormonabhängige Beschwerden und Erkrankungen wie Wechseljahresbeschwerden, Endometriose und Zyklusunregelmäßigkeiten eingesetzt, auch als hormonelles Kontrazeptivum ist es geeignet. Das Gestagen beschränkt das östrogenabhängige Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und wirkt regulierend auf den weiblichen Zyklus.

Im Internet wird das Hormon zudem angepriesen, um die Periode zu verschieben: Dazu wird eine Tablette mit 5 mg Norethisteron drei Tage vor der erwarteten Periode für maximal zwei Wochen eingenommen. In einigen Ländern wie der Schweiz ist das Präparat zwar verschreibungspflichtig, jedoch wird es häufig nach Rücksprache mit dem Arzt verordnet. Britische Medien berichten derzeit ebenfalls über die „Holiday-Pille“: In Großbritannien wird einem das Hormonpräparat bereits nach kurzer Beratung in der Apotheke ausgehändigt. Das Vorgehen soll eine Reaktion auf den Ärztenotstand darstellen.

In Deutschland sind Präparate mit Norethisteron in entsprechenden Dosierungen nicht zugelassen. Das Hormon ist jedoch in verschiedenen Kombinationspräparaten zur Empfängnisverhütung oder für Wechseljahresbeschwerden in geringeren Konzentrationen enthalten und stellt dort die Gestagenkomponente dar. Als Monopräparat ist es in Form einer Verhütungsspritze auf dem Markt. Dennoch kann Norethisteron in höheren Konzentrationen zur Verschiebung der Periode per Online-Rezept über internationale Apotheken bestellt werden. Bei der Bestellung muss lediglich ein kurzer Multiple-Choice-Fragebogen zu Vorerkrankungen und Periode ausgefüllt werden.

Die Einnahme ist jedoch mit ernsthaften Risiken verbunden: Denn bei verschiedenen Erkrankungen der Leber, Diabetes, Schwangerschaft oder Thrombosegefahr darf der Wirkstoff nicht eingenommen werden. Auch die Nebenwirkungen sind typisch für Hormonpräparate: Unregelmäßiger Blutverlust, Ausbleiben der Menstruation, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung oder andere Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen oder schmerzende und gespannte Brüste können die Folge der unbedachten Einnahme sein.

Bis 1973 wurde Norethisteron in Deutschland durch Schering – einem Vorgängerunternehmen von Bayer – unter dem Markennamen Duogynon und bis 1980 unter dem Namen Cumorit zur Behandlung von Menstruationsstörungen und als hormoneller Schwangerschaftstest vertrieben. Der Wirkstoff soll zudem in Überdosierung auch missbräuchlich als Abortivum verwendet worden sein. Durch die Einnahme des Präparates ließ sich innerhalb von einer Woche eine Blutung auslösen: Ein Ausbleiben der Blutung deutete mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft hin. Zwar gab es seit Anfang der 70er-Jahre bereits Urintests zur Bestimmung einer Schwangerschaft, jedoch wurden diese nicht von der Kasse übernommen. In dieser Zeit gab es zunehmende Häufungen von fehlgebildeten Kindern, wenn Duogynon in der frühen Schwangerschafteingenommen wurde: 1000 Fälle soll es allein in Deutschland gegeben haben. Die Präparate sollen bei Betroffenen zu Herzfehlern, fehlenden Gliedmaßen, Gaumenspalten und Nierenschäden geführt haben.

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