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Notfallkontrazeptiva

IMS: 42 Prozent mehr „Pillen danach“

Berlin - Die „Pille danach“ ist seit knapp zwei Monaten rezeptfrei. Die Verkaufszahlen haben sich seitdem auf einem stabilen Niveau eingependelt: Bis Ende April wurden Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health zufolge jede Woche zwischen 13.000 und 13.500 Packungen abgegeben. Das sind rund 42 Prozent mehr als vor dem OTC-Switch üblich war.

Bis Mitte März lag der Absatz im Jahr 2015 üblicherweise bei einem Wert um 9500 Packungen pro Woche. Ein deutliches Plus gab es mit 10.800 Packungen in der ersten Kalenderwoche und mit 11.400 Packungen in der achten Woche – in die das Ende der Faschingszeit fiel. Rund 21 Prozent der Packungen wurden auf Kassenrezepten verordnet, für die übrigen 79 Prozent wurden Privatrezepte ausgestellt.

Dieses Verhältnis hat sich nach dem Switch verschoben. In der letzten Aprilwoche wurden noch 7 Prozent der Packungen auf Kassenkosten abgegeben und 14 Prozent auf ein Privatrezept. In den übrigen 79 Prozent der Fälle wurde das Notfallkontrazeptivum im Rahmen der Selbstmedikation abgegeben.

In der ersten Woche nach dem Switch wurden 13.500 Packungen abgegeben, 41 Prozent davon noch auf Rezept. Inzwischen ist der Anteil auf 21 Prozent gesunken. Die Zahl der Verordnungen lag zuletzt bei 2800. Der gesamte Absatz schwankte seitdem zwischen 13.000 und 13.500 Packungen pro Monat.

Nach dem OTC-Switch hatte Hersteller HRA Pharma den OTC-Markt für Notfallkontrazeptiva für sich allein. Denn nur EllaOne (Ulipristal) war vorerst als apothekenpflichtig gekennzeichnetes Präparat im Markt. Bei Levonorgestrel mussten die Hersteller dagegen die Anpassung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) abwarten, bis sie einen Änderungsantrag ans BfArM stellen konnten.

Seit dem 1. April waren Postinor (Gedeon Richter) und Unofem (Hexal) als OTC-Präparate gemeldet. Beide Präparate waren aber zunächst nicht beim Großhandel verfügbar, sind es aber inzwischen. Ab der letzten Aprilwoche gab es dann auch das Altoriginal PiDaNa als apothekenpflichtiges Arzneimittel. Und zwar ausschließlich: HRA Pharma hatte alle Rx-Packungen zurückgerufen und vernichtet.

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) sehen Ulipristal als Standard in der oralen Notfallkontrazeption. Für das „modernere“ Ulipristal spricht der längere Zeitkorridor der Einnahme nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva können vor allem für stillende Frauen eine Alternative sein, da die empfohlene Stillpause nur acht Stunden beträgt, bei Ulipristal dagegen eine Woche. Laut HRA eignet sich der ältere Wirkstoff auch besser für Frauen mit schwerem Asthma, welches durch orale Steroide nicht kontrollierbar ist.

Spielen diese Faktoren im Einzelfall keine Rolle, kann der Preis entscheidend sein. Das noch patentgeschützte Ulipristal-Präparat EllaOne kostet seit dem OTC-Switch 29,96 Euro statt zuvor 35,72 Euro. PiDaNa ist mit einem Verkaufspreis von 18,31 Euro gelistet, zuvor war es zwei Cent teurer. Gedeon Richter ist mit Postinor für 15,97 Euro etwas günstiger, Hexal liegt mit 16,99 Euro für Unofem dazwischen.

Diese Unterschiede gelten natürlich nur, sofern sich die Apotheken an die Listenpreise halten, da sie die OTC-Preise frei kalkulieren können. Es gibt Apotheken, die bei der Abgabe der „Pille danach“ generell eine Art Beratungspauschale auf den OTC-Preis aufschlagen. Hintergrund ist die gemäß Empfehlung der Bundesapothekerkammer (BAK) recht umfangreiche Beratung, die Apotheken bei der Abgabe idealerweise leisten sollten.

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