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Celestamine-Lieferengpass

MSD will Indikation und Rezept

Berlin - Mangelware Betamethason: Seit 19. Januar besteht für Celestamine N 0,5 liquidum (MSD) ein Lieferengpass. Das Arzneimittel wird kontingentiert ausgeliefert – „ausnahmsweise“, wie MSD schreibt.

Bis September soll Celestamine N 0,5 liquidum von einem Lieferengpass betroffen sein. „Die Nachschubmengen aus unserer Produktion decken derzeit nicht die im Markt benötigten Mengen“, ist auf der Seite des BfArM zu lesen. Ursache sei eine weltweite Cyberattacke im vergangenen Jahr, die bislang noch nicht gänzlich behoben werden konnte, schreibt MSD. Von dieser war auch die Produktionsstätte der Betamethason-haltigen Lösung betroffen.

Um die Versorgung der Notfallpatienten sicherzustellen, werden Ärzte „ausnahmsweise gebeten, die Indikation ,Insektengiftallergie‘ beziehungsweise ,Bestandteil des Notfallsets zur Soforthilfe bei anaphylaktischen Reaktionen‘ auf dem Rezept zu vermerken“, schreibt MSD. Apotheken können Celestamine N 0,5 liquidum dann unter Angabe des Vermerks bei MSD direkt bestellen, das Rezept soll dem Hersteller zur Verfügung gestellt werden. So soll gewährleistet werden, dass Patienten, die eine Notfalltherapie benötigen, auch mit dem lebensrettenden Arzneimittel versorgt werden.

MSD weist im Rahmen der Rezeptübermittlung auf Folgendes hin: „Aus Datenschutzgründen müssen die Patientendaten vorher unbedingt unkenntlich gemacht werden.“ Außerdem nennt das Unternehmen auf Alternativen. Diese sind jedoch nicht wirkstoffgleich. Geeignet seien: Infectodexakrupp 2 mg/ 5 ml (Dexamethason, Infectopharm), Infectocortikrupp Zäpfchen (Prednisolon, Infectopharm) oder Okrido 6 mg/ ml (Prednisolon, Pharmapol).

Dass MSD die Auslieferung von Celestamine beschränkt, sorgte bereits im März für Unmut in Apotheken. Der Hersteller forderte Ärzte auf, folgendes per Fax zu bestätigen: „Hiermit bestätige ich mit meiner Unterschrift, dass das benötigte Celestamine N 0,5 liquidum ausschließlich für die Indikation: Akutbehandlung nach Bienen- und Wespenstichen bei Insektengiftallergie oder als Bestandteil des Notfallsets zur Soforthilfe bei anaphylaktischen Reaktionen verwendet wird.“ Die Auslieferung des Notfall-Arzneimittels verzögerte sich erheblich.

Im Falle einer anaphylaktischen Reaktion ist eine schnelle Behandlung angezeigt. Neben Adrenalin als Mittel der ersten Wahl sind zusätzlich Antihistaminika und Glucocorticoide Bestandteile des Notfallsets. Bevorzugt werden flüssige Darreichungsformen, da bei geschwollenem Rachen das Schlucken erschwert ist.

Außer für die Akutbehandlung nach Bienen- oder Wespenstichen bei Insektengiftallergie ist Celestamine zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen/Rheumatologie zugelassen, nämlich für die orale Anfangsbehandlung von Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes – insbesondere viszerale Formen. Weitere Indikationen sind aktive Phasen von Systemvaskulitiden wie Panarteriitis nodosa bei gleichzeitig bestehender positiver Hepatitis-B-Serologie, aktive rheumatoide Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform, juvenile idiopathische Arthritis mit schwerer systemischer Verlaufsform oder mit lokal nicht beeinflussbarer Iridozyklitis und rheumatisches Fieber mit Karditis. Für diese Indikationen wird das Arzneimittel wegen der Lieferprobleme vorerst nicht mehr zur Verfügung stehen.

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