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Professor und Lehrbuchautor

Max Wichtl verstorben

Ein Klassiker: Der „Wichtl“ erschien 1984 zum ersten Mal. Jetzt ist Hauptautor Max Wichtl verstorben.Foto: APOTHEKE ADHOC

Berlin - Jedem Pharmazeuten ist während seiner Ausbildung oder Tätigkeit wohl einmal das bekannteste Werk von Max Wichtl in die Hände gefallen: Sein Buch „Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis“ ist ein Klassiker in der Pharmazie. Am 20. Juli verstarb der Wissenschaftler in Salzburg nach einem langen, erfolgreichen Werdegang.

Wichtl wurde 1925 in Wien geboren: Dort studierte er zunächst Chemie und Botanik. 1951 promovierte er schließlich zum Doktor der Philosophie. Im Anschluss studierte Wichtl Pharmazie an der Universität Wien und schloss als „Magister der Pharmazie“ ab. Er absolvierte 1965 die Prüfung zur Habilitation für Pharmakognosie, mit der er die Lehrbefähigung erhielt. Seit 1971 unterrichtete er selbst als Professor in seiner Heimatstadt.

Zwei Jahre später wechselte er als Inhaber des Lehrstuhls für Pharmakognosie an die Philipps-Universität in Marburg, wo er auch das Institut für pharmazeutische Biologie leitete. Zunächst beschäftigte Wichtl sich in seinen wissenschaftlichen Arbeiten mit den Herzglykosiden. Anschließend verlagerte er seine Arbeiten auf das gesamte Gebiet der Arzneipflanzen sowie deren pharmazeutischer und therapeutischer Qualität. In seinem Arbeitskreis betreute er insgesamt über 30 Promotionsarbeiten bis zum erfolgreichen Abschluss. „Die Forschung und Lehre pflanzlicher Inhaltsstoffe aber auch Theater und Musik waren ihm Zeit seines Lebens Freude und Antrieb“, heißt es im Nachruf seiner Doktoranden.

Nach Inkrafttreten des neuen Arzneimittelgesetzes 1978 war Wichtl Gründungsmitglied der Komission E: Bis 1994 bestand deren Aufgabe darin, wissenschaftliches und erfahrungsheilkundliches Material zu Haupt- und Nebenwirkungen pflanzlicher Arzneimittel und der in ihnen verwendeten Arzneidrogen zu ermitteln und zu bewerten. Daraus wurden die bis heute gültigen Monografien erstellt, die als Grundlage für die Neuzulassung und Nachzulassung pflanzlicher Arzneimittel gelten. Von 1986 bis 1992 war Wichtl dort Vorsitzender des Ausschusses für Pharmazeutische Biologie. Er war Mitherausgeber des Kommentars zum Europäischen Arzneibuch (Ph.Eur.) von 1981 bis 1999.

Sein bekanntestes Werk ist das Buch „Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka: Ein Handbuch für die Praxis“: Es wurde 1984 unter Mitarbeit von anderen Autoren erstmals veröffentlicht und in Fachkreisen auch kurz als „Der Wichtl“ bezeichnet. Wichtl war bis zur fünften Auflage im Jahr 2008 Herausgeber und Hauptautor des Werks. Die sechste Auflage, welche 2016 erschien, wurde von Wolfgang Blaschek herausgegeben, Wichtl bliebt jedoch als Co-Autor erhalten.

Neben seiner Tätigkeit als Professor war Wichtl auch Ehrenmitglied und mehrmaliger Präsident und Vizepräsident der Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung. Desweiteren war er Mitglied der österreichischen, deutschen und europäischen Arzneibuchkommissionen. 2008 erhielt Wichtl den Egon-Stahl-Preis in Gold für sein Lebenswerk. Es ist die höchste Ehrung, die von der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoff-Forschung vergeben wird.

Im November 2012 wurde er zum Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie ernannt. Unter Führung der Arbeitsgruppe „Arzneitees-Teedrogen“ wurden Teemischungen zu verschiedenen Indikationsgebieten er- und überarbeitet, um Ärzten und Apothekern wissenschaftlich begründete Rezepturen als Empfehlungsgrundlage anzubieten. Wichtl schloss die damalige Generalversammlung mit einem persönlichen Referat über seine Erfahrungen mit der Phytotherapie in den letzten 30 Jahren. Er beendete sie mit der Aussage, dass „die Förderung der rationalen Beschäftigung mit dem pflanzlichen Arzneischatz in wissenschaftlicher, aber auch in allgemein-medizinischer Hinsicht nach wie vor von großer Wichtigkeit ist“.

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