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Infektionskrankheiten

Impfstoff gegen Epstein-Barr-Virus

Impfstoff gegen Epstein-Barr-Virus: Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg ist ein erster Durchbruch gelungen.Foto: Wikipedia/ Liza Gross CC BY-SA 2.5

Berlin - Mehr als 90 Prozent der Weltbevölkerung trägt es in sich, das Epstein-Barr-Virus (EBV). Ohne davon etwas zu wissen, denn in vielen Fällen verläuft die Infektion ohne Folgen. Das Virus ist jedoch auch Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers mit geschwollenen Lymphknoten, Fieber und Abgeschlagenheit. Die „Kusskrankheit“ wird mit einem erhöhten Krebsrisiko und dem Vorschub der Multiplen Sklerose in Verbindung gebracht. Eine Impfung gegen EBV gibt es derzeit nicht, allerdings ist Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) ein erster Durchbruch gelungen.

EBV ist schwer zu fassen, denn das DNA-Virus durchläuft in seinem Lebenszyklus verschiedene Phasen. Und genau hier liegt das Problem – die Wandlungen gehen mit unterschiedlichen Virusproteinen einher. „Wir benötigen daher dringend einen Impfstoff gegen EBV“, sagt Professor Dr. Henri-Jacques Delecluse vom DKFZ. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern vom Helmholtz-Zentrum München und der Universität Heidelberg hat das Team um Delecluse eine neue Strategie für einen EBV-Impfstoff entwickelt.

Im Laufe seines Lebens durchläuft das Virus vier Phasen. Alles beginnt mit der Infektion durch beispielsweise Tröpfchen. Diese kann bereits im Kindesalter erfolgen und bleibt ohne Ausbruch der Krankheit. Die Wissenschaftler sprechen von der latenten Phase. Die Herpesviren befallen die B-Zellen des Immunsystems und Schleimhautzellen des Mund-Rachenraums. Das Virus nutzt Monate bis Jahre um unbemerkt in den infizierten B-Zellen zu schlummern und sich gemeinsam mit den B-Zellen durch Zellteilung zu vermehren. EBV kann durch beispielsweise Stress oder körperliche Aktivität reaktiviert werden.

Es folgt Phase zwei – der Krankheitsausbruch. Jetzt ist die Ansteckungsgefahr am größten und das Immunsystem reagiert erstmals mit einer Immunantwort. Doch die Erkrankung bricht nur bei etwa einem Drittel der Virusträger aus. So kann Phase zwei ausbleiben und gleich in Phase drei – einer latenten Phase – übergehen. Jetzt sind Antikörper nachweisbar, aber keine Symptome spürbar. Das Virus schlummert und wartet auf einen Ausbruch in Phase vier – der lytischen Phase. Ist das EBV jetzt aktiv, breitet es sich im ganzen Körper aus und tötet die infizierten Zellen ab. Sowohl in der latenten als auch der lytischen Phase stellt der Überlebenskünstler unterschiedliche Virusproteine her.

„Bisherige Versuche einen Impfstoff zu entwickeln, nahmen insbesondere ein Protein aus der Virushülle ins Visier“, erklärt Delecluse. „Das bedeutet aber, dass der Impfstoff das Immunsystem nur auf EBV in der lytischen Phase vorbereitet.“ Eine Immunantwort, die auf das Hüllprotein abzielt, kommt nur zu Stande, wenn auch freie Viruspartikel im Körper vorliegen. Impfversuche, die sich ausschließlich gegen Proteine der latenten Phase richteten, brachten ebenso wenig Erfolg.

„Wir wissen, dass sich die Immunantwort bei gesunden EBV-infizierten Menschen gegen Proteine beider Lebensphasen richtet", sagt Delecluse. „Daher lag es für uns auf der Hand, einen Impfstoff zu entwickeln, der dies berücksichtigt und ebenfalls Antigene aus beiden Phasen enthält.“ Die Grundlage bilden virusähnliche Partikel, so die Wissenschaftler. Genauer gesagt handelt es sich um leere Virushüllen ohne Erbmaterial des Virus, gegen die eine Immunantwort entwickelt werden kann. „Das Team hat diese Partikel zusätzlich mit Proteinen der latenten Phase ausgestattet.

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob diese Partikel nun tatsächlich für einen schützenden Effekt verantwortlich sind. Dazu wurde Mäusen das eigene Knochenmark durch humanes Knochenmark ausgetauscht. Dadurch sind die Nager mit einem weitgehend menschlichen Immunsystem ausgestattet. Die Tiere erhielten nun eine Injektion mit zweierlei Antigengruppen ausgestatteten VPLs. Die Tiere entwickelten eine spezifische Immunantwort, an der auch T-Zellen beteiligt waren, die für eine erfolgreiche Abwehr unabdingbar sind. Außerdem waren die Tiere vor einer Infektion mit EBV geschützt. „Wir haben bewiesen, dass dieser Ansatz für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen EBV prinzipiell funktioniert", sagt Delecluse. Als Nächstes gehe es darum, diesen Prototyp einer EBV-Schutzimpfung weiterzuentwickeln und Schritt für Schritt für den Einsatz bei Menschen zu prüfen.

Wie EBV das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigert, entdeckten Wissenschaftler vom DKFZ und dem Deutschen Zentrum für Infektionssforschung (DZIF). Ein Proteinbaustein der Viren stört die Zellteilung – die Ursache für fehlerhaftes Erbgut der Tochterzellen.

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