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Notfallpen

Fastjekt: Meda wartet auf Pfizer

Berlin - Den Höhepunkt erreicht die Wespensaison eigentlich im Juli/August. Doch schon im Mai können die ersten Königinnen ausschwärmen. Für Allergiker, die auf Insektenstiche oder -bisse reagieren, beginnt die gefährliche Zeit des Jahres. Sie sollten den Notfallpen stets bei sich tragen, sonst kann es bedrohlich werden. Aktuell ist der lebensrettende Pen Fastjekt (Epinephrin, Meda) nicht lieferbar – weil Pfizer als Lohnhersteller aufgrund von Problemen nicht liefert. Ware werde jedoch bereits in zwei Wochen wieder verfügbar sein. Außerdem fehlt es an Celestamine N 0,5 Liquidum (Betamethason, MSD).

Die Liste der beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemeldeten Lieferengpässe ist lang. Zu finden sind auch Fastjekt für Erwachsene und Celestamine. Beide Arzneimittel sind für Allergiker in der Hochsaison unverzichtbar. Produktionsprobleme sorgen jedoch für einen Engpass.

Bis Ende April soll der Notfallpen noch von einem Lieferengpass betroffen sein. Ab Kalenderwoche 19 kann Meda wieder liefern. Die Mylan-Tochter hat aufgrund von Produktionsverzögerungen beim Lieferanten Ärzte und Apotheker bereits proaktiv über den Engpass informiert. Der Notfallpen wird von Pfizer hergestellt – auch hier gibt es eine Abhängigkeit von Zulieferern. „Die Lieferbarkeit von Fastjekt 300 μg hängt von der Zulieferung bestimmter Komponenten durch Drittanbieter ab“, erklärt Pfizer. „Zudem haben Prozessänderungen die Kapazität vorübergehend begrenzt.“

Der Konzern arbeitet nach eigenem Bekunden intensiv daran, die Produktion so schnell wie möglich zu steigern und den Versand zu beschleunigen. Dazu habe man „Fachexperten aus der Industrie und aus dem Pfizer-Netzwerk engagiert“. Investitionen wurden erhöht mit dem Ziel, die Komponentenversorgung zu erhöhen und die Kapazität der Produktionsstätte zu erhöhen. Drittes Instrument sei die Unterstützung der Drittanbieter, Produktionsqualität und -raten zu erhöhen. Erst im vergangenen Jahr hatte eine weltweite Rückrufaktion für einen Engpass gesorgt.

Alternativen kommen mit Jext von Alk Abelló und Emerade von Bausch + Lomb. In Wirkstoff und Dosierung sind die angebotenen Präparate identisch; allerdings unterscheidet sich die Handhabung, daher ist eine produktspezifische Schulung vor der Anwendung notwendig.

2015 hatte das Expertenforum Anaphylaxie ein Ausschreibungsverbot für Adrenalin-Autinjektoren gefordert. Die zwölf im Netzwerk zusammengeschlossenen prominenten Allergologen und Kinderärzte argumentierten, dass durch falsche Anwendung infolge von Austausch auf Rabattprodukte Menschenleben gefährdet sein könnten.

Keine Alternative gibt es hingegen bei Celestamine N 0,5 Liquidid (Betamethason, MSD). Bis September soll die Lösung von einem Lieferengpass betroffen sein. „Die Nachschubmengen aus unserer Produktion decken derzeit nicht die im Markt benötigten Mengen“, ist auf der Seite des BfArM zu lesen. Zuletzt hatte der Hersteller die Auslieferung eingeschränkt und ausschließlich auf die Akutbehandlung von Bienen- und Wespenstichen limitiert.

Auf Anfrage begründete MSD sein Vorgehen wie folgt: „Wegen der derzeit begrenzten Bestandssituation und um die Versorgung von Notfallpatienten sicherzustellen, die Celestamine mit sich führen müssen, hat sich MSD entschlossen, das Medikament derzeit ausschließlich für die Indikation ‚Akutbehandlung nach Bienen- beziehungsweise Wespenstichen bei Insektengiftallergie‘ als Bestandteil des Notfallsets zur Soforthilfe bei anaphylaktischen Reaktionen an die Apotheken abzugeben.“

Außer für die Akutbehandlung nach Bienen- oder Wespenstichen bei Insektengiftallergie ist das Arzneimittel zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen/Rheumatologie zugelassen: nämlich für orale Anfangsbehandlung von Autoimmunerkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes – insbesondere viszerale Formen. Weitere Indikationen sind aktive Phasen von Systemvaskulitiden wie Panarteriitis nodosa bei gleichzeitig bestehender positiver Hepatitis-B-Serologie, aktive rheumatoide Arthritis mit schwerer progredienter Verlaufsform, juvenile idiopathische Arthritis mit schwerer systemischer Verlaufsform oder mit lokal nicht beeinflussbarer Iridozyklitis und rheumatisches Fieber mit Karditis. Für diese Indikationen wollte MSD das Arzneimittel wegen der Lieferprobleme vorerst nicht mehr bereitstellen.

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