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Auswirkungen für Risikopatienten

Belasten FFP-Masken Herz und Lunge?

FFP-Masken können die Atmung erschweren. Bei körperlicher Anstrengung verstärkt sich dieser Effekt. Dennoch sollten auch Personen mit Herz- und Lungenerkrankungen filtrierende Halbmasken tragen.Foto: Land-Apotheke, Erftstadt

Berlin - Bislang konnte man wählen, welchen Maskentyp man beim Einkaufen bevorzugt. Das hat sich nun geändert. Die neue verschärfte Maskenpflicht sieht vor, dass die Bürger in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln zumindest einen medizinischen Mundschutz, besser eine FFP-Maske tragen sollen. Seit einigen Wochen werden in Apotheken FFP2-Masken an Risikopatienten abgegeben. Doch gibt es eigentlich Einschränkungen bei der Abgabe? Belasten FFP-Masken mitunter Herz und Lunge so stark, dass eine bestehende Grunderkrankung verschlechtert werden könnte? Die Studienlage ist dünn. Experten antworten wie folgt.

Professor Dr. Ulrich Laufs, Kardiologe und Wissenschaftler am Universitätsklinikum Leipzig, hat sich dem Thema in einer Untersuchung gewidmet. Das Ergebnis: Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vermindert die körperliche Belastbarkeit von Gesunden. Trotzdem sei es richtig, eine Mund-Nasen-Bedeckung zur Eindämmung der Pandemie zu tragen. Im Sommer konnten er und sein Team die Ergebnisse der Untersuchung vorstellen. Es handelt sich um die erste deutsche Untersuchung zu dem Thema.

Laufs untersucht gemeinsam mit anderen Medizinern die Auswirkungen von zwei Maskentypen – einem chirurgischen Mundschutz und einer FFP2-Maske. Ziel der Untersuchung war es, zu zeigen, ob das Tragen dieser Modelle Auswirkungen auf die Belastbarkeit der Anwender hat. Die Messungen erfolgten mittels Spiroergometrie. Somit musste der jeweilige Maskentyp unter einer Spiroergometrie-Maske getragen werden. Die Untersuchungen erfolgten jeweils mit einigen Tagen Abstand, die Reihenfolge erfolgte zufällig. „Die Ergebnisse unserer Untersuchung bestätigen das subjektive Gefühl vieler Menschen“, erklärt Laufs, „die Studie hat die Einschränkung der Leistungsfähigkeit nun auch wissenschaftlich quantifiziert.“

Reduzierung der kardiopulmonalne Leistungsfähigkeit

Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass beide Maskentypen die so genannte kardiopulmonale Leistungsfähigkeit reduzieren. Das Atemvolumen und die Ausatemgeschwindigkeit werden beeinträchtigt. Beim Ergometer-Tests zeigte sich, dass die maximal mögliche Kraft deutlich reduziert war. Im Stoffwechsel wurde eine schnellere Ansäuerung des Blutes bei Anstrengung registriert. Die Lungenfunktionsparameter waren mit der Maske signifikant niedriger. Auch die Beatmung war bei beiden Gesichtsmasken signifikant reduziert. Ebenfalls die maximale Blutlaktatreaktion wurde mit der Maske reduziert. Das Herzzeitvolumen war jedoch mit und ohne Maske ähnlich. Die Teilnehmer berichteten von länger anhaltenden und stärker ausgeprägten Beschwerden beim Tragen von FFP2-Masken.

Wichtig ist den Wissenschaftlern, dass ihre Untersuchung nicht als Kritik an der Maskenpflicht zu verstehen ist, sondern dass man die Pflicht mit ihren Folgen einfach hinterfragen sollte. Die Ergebnisse zeigten, dass bei körperlichen Arbeiten häufigere Pausen durch die Maskenpflicht durchaus angezeigt sind.

Tests am künstlichen Lungenmodell

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) verweist auf Tests am künstlichen Lungenmodell. Jede halbfiltrierende Maske muss laut EN-Norm diese speziellen Tests durchlaufen und bestehen. Sie stellen sicher, dass die erhöhte Atemarbeit in vorgegebenen Grenzwerten bleibt. Dr. Dominic Dellweg, Pneumologe und Intensivmediziner, erläutert: „Jede Maske erhöht die Atemarbeit, was der Träger als Anstrengung und gegebenenfalls auch als Luftnot empfindet. Die Sauerstoffaufnahme wird aber nicht reduziert, das heißt, es wird keine Sauerstoff durch das Vlies abgefiltert. Die Norm EN 149 schreibt sogar einen Test vor, der an einem künstlichen Lungenmodell sicherstellt, dass die CO2 Konzentration in der Einatemluft nicht 1 Volumenprozent überschreitet.“

Auch wenn die Maske zu einer empfundenen erschwerten Atmung führt, sollte sie fest am Gesicht anliegen. „Man sollte darauf achten, dass die Maske eng am Gesicht anliegt, hier ist der Nasenrücken-Bereich immer am kritischsten. Ein Geruchstest kann helfen, die Dichtigkeit zu überprüfen.“ Denn nur festsitzende Masken können die angegebene Filterleistung einhalten. Laut Dellweg reicht im Alltag eine FFP2-Maske zum Schutz vor Sars-CoV-2 aus. „Eine FFP2-Maske reicht, die Filterleistung des Vliesmaterials unterscheidet sich kaum. Dafür darf die FFP3-Maske einen etwas höheren Luftwiderstand haben, was das Atmen etwas erschwert.“

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