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Wie ein syrischer Apotheker in Hessen sein Glück fand

Vom Flüchtling zum Filialleiter

Berlin - Vor zehn Jahren wusste Burhan Alchoufi weder wo Hessen liegt, noch kannte er Fulda oder gar Neuhof. Jetzt leitet der syrische Apotheker die Bahnhof-Apotheke in der 11.000-Einwohner-Gemeinde. In atemberaubender Geschwindigkeit hat er Deutsch gelernt und seine fachlichen Kenntnisse ausgebaut.

Geboren ist der 39-Jährige in Swaida. Sein Onkel betrieb eine Apotheke und schon als Kind gefiel ihm die Atmosphäre in der Offizin. Das wollte er auch machen – er studierte in seiner Heimatstadt Pharmazie und tat es seinem Onkel gleich. Bis der Krieg kam. Mit seiner Frau, einer Bauingenieurin, flüchtete er 2012 nach Oman, arbeitete dort als Apotheker. Als die Aufenthaltsgenehmigung 2015 nicht verlängert wurde, kam er nach Deutschland und suchte hier um Asyl an. Er wurde als politischer Flüchtling anerkannt und kam nach einigen Stationen mit Frau und nunmehr zwei kleinen Kindern nach Neuhof.

Auf eigenen Beinen stehen, kein Geld vom Staat nehmen, das war von Anfang an wichtig für ihn. „Das Allerwichtigste ist, dass man in Frieden leben kann“, sagt er. Der Großteil seiner Familie lebt noch in Syrien, die Kontakte nach Hause sind schwierig. „Wir telefonieren ab und zu, es gibt leider viele Internet- und Stromausfälle.“

Wie viele Syrer hofft auch der Apotheker, dass der Krieg eines Tages beendet sein wird. Auch wenn er nicht wirklich daran glaubt: „Ich habe diesbezüglich nur wenig Hoffnung.“ Aber selbst ein Syrien in Frieden würde ihn aus heutiger Sicht nicht mehr locken. Er mag Deutschland, fühlt sich in Hessen wohl und freut sich, dass er von Anfang an Glück hatte und Menschen traf, die ihm geholfen haben. Und während die meisten Deutschen beim Wort „Amt“ nur hoffen, dass sie nicht hinmüssen, lobt der Syrer die Ausländerbehörde. „Da war eine Frau, die mir bei jedem Besuch Mut gemacht hat.“ Unermüdlich lernte er Deutsch und das fiel der Beamtin auf. „Sie hat oft meine Fortschritte gelobt.“ Das spornte ihn an. Das Kreisjobcenter ermöglichte ihm einen Kurs für spezielle Rechtsgebiete der Pharmazie und einen Intensivkurs für pharmazeutische Praxis. Im November 2016 bekam er die zweijährige Berufserlaubnis als Apotheker unter Aufsicht. Im Februar 2018 dann die Approbation und Anerkennung als Apotheker in Deutschland.

Vor und nach den Fachkursen stand immer Deutschlernen auf dem Programm. Mit Youtube-Kursen, Kursen vor Ort, Konversation. Nach nur drei Jahren spricht der Apotheker perfekt Deutsch. Und auch fachlich Kniffliges überwand er, so sind laut seiner Erfahrung die deutschen Pharmazie-Regelungen viel detaillierter als in Syrien.

Bei der Jobsuche kam dem Apotheker auch der Fachkräftemangel zugute. Als Stefan Wagner von der Hirsch Apotheke in Fulda einen neuen Mitarbeiter suchte, bewarb sich Alchoufi sofort. Das erste Gespräch verlief positiv und wenig später kam der erste Arbeitstag und mit ihm ein Sprung ins kalte Wasser. „Herr Wagner hat mich sofort an den HV-Tisch geschickt“, erinnert sich Alchoufi. „Bitteschön, nach vorne!“, sagte der neue Chef. Die Kollegen halfen, wenn mal ein deutsches Wort fehlte und auch von Kundenseite kam Zufriedenheit.

Besuche in der alten Heimat, irgendwann, kann er sich vorstellen. Ein Leben in Syrien nicht. Er ist in Deutschland angekommen. Seine Hobbies sind Radfahren und Schwimmen, am liebsten mit der Familie. Seine Lebensphilosophie beschreibt der Syrer so: „Wir leben, um etwas zu tun, um etwas zu schaffen.“ Egal, wo einen das Leben hinführt. Damaskus oder Neuhof. Man muss überall versuchen, das Beste daraus zu machen. Alchoufi hat gezeigt, wie es geht.

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