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Homöopathie-Debatte

Skeptiker nominieren Apothekerkammern

„Das goldene Brett“: Zum siebten Mal werden Personen oder Institutionen für den „größten unwissenschaftlichen Unsinn des Jahres“ nominiert. Die Preisverleihung findet am 23. November statt.Foto: Günther Richter / pixelio.de

Berlin - Der Negativpreis „Das goldene Brett“ wird auch in diesem Jahr an Personen oder Institutionen für den größten „unwissenschaftlichen Unsinn“ des Jahres verliehen. Hinter dem Preis steht das Netzwerk GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften – kurz „Die Skeptiker“), das seit einiger Zeit insbesondere gegen die Homöopathie mobil macht. Nominiert sind unter anderem die Ärzte- und Apothekerkammern, Techniker Krankenkasse (TK) sowie die Plusminus-Redaktion des ARD.

„Das goldene Brett“ als Preis für antiwissenschaftliche Aussagen wird in diesem Jahr zum siebten Mal verliehen. Die Preisträger werden nach sechs Kriterien ausgewählt: Grad der Abwegigkeit, Kritikresistenz, kommerzielles Interesse, Aktionsradius, Pseudowissenschaft und Gefahrenpotenzial.

Nominiert für den Negativpreis sind unter anderem die Ärzte- und Apothekerkammern: „Weil sie, obwohl sie in ihren Bereichen Medizin und Pharmazie eigentlich die Wissenschaftlichkeit propagieren, in unsäglicher kongenialer Komplizenschaft eine antiwissenschaftliche Agenda, zum Beispiel Homöopathie, betreiben und fördern“, begründen die Initiatoren auf der Website.

Ins Rennen geschickt werden weiterhin im Zusammenhang mit der Debatte um Methadon gegen Krebs die Forscherin Dr. Claudia Friesen und die Plusminus-Redaktion (ARD). Begründung: „Dafür, dass sie mit der Hoffnung hunderttausender schwerkranker Menschen spielten, um sich zu profilieren und mit Verschwörungstheorien Quote zu machen.“ Das Forscherteam um Friesen am Universitätsklinikum Ulm hatte anhand von In-vitro- sowie Tierversuchen gezeigt, dass Methadon den Zelltod von Leukämiezellen auslösen kann. Vor etwa drei Jahren fand die Arbeitsgruppe dann heraus, dass Methadon die Chemotherapie bei bösartigen Hirntumoren, den Glioblastomen, unterstützen kann und als Booster eingesetzt werden könnte.

Nach dem ARD-Bericht war das Thema vielerorts präsent. Kliniken sowie Verbände von Onkologen wie auch Palliativmedizinern rieten vom Off-label-Einsatz von Methadon als Krebsmedikament ab, da die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist – klinische Studien am Menschen fehlen. Unabhängig von Friesen werden die Redaktionsverantwortlichen für die unkritische Berichterstattung über das angebliche Krebsmittel Methadon getrennt nominiert.

Den Verantwortlichen der Website zufolge fördere die TK die Homöopathie und „somit auch ein zunehmendes Vertrauen der Patienten an ihre heilende Wirkung.“ Das habe noch mehr Öffentlichkeit verdient. Auch ein Hersteller homöopathischer Präparate lässt sich in der langen Listen der Nominierungen finden: „Für ihren Beitrag zu der Verbreitung einer der unwissenschaftlichsten, aber populärsten Heilmethoden, die sogar apothekenpflichtig ist und Millionen einbringt“ wird die Deutsche Homöopathie-Union (DHU) als Kandidat aufgestellt.

Die Verleihung des Negativpreises findet am 23. November zeitgleich in Hamburg und Wien statt. Eine Stimmabgabe ist bis zum 10. November möglich. Preisträger im vergangenen Jahr war Ryke Geerd Hamer, den Erfinder der „Neuen Germanischen Medizin“. Fürs „Lebenswerk“ wurde das „Zentrum für Gesundheit“ prämiert. Nach Ansicht der Iniatoren ist dies eine scheinbar neutrale Website, die pseudomedizinische Texte verbreitet. Homöopathen ohne Grenzen wurden 2013 mit diesem Preis „geehrt“.

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