Mosel-Apotheke

Hochwassergefahr: Offizin auf Rädern

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Berlin -

Die Hochwasser- und Wetter-Apps sind ständige Begleiter von Apothekerin Dorothee Kratz aus Cochem. Ihre Burg-Apotheke liegt in Moselnähe und das bedeutet: Wachsamkeit. Im Ernstfall kann sie die Offizin in wenigen Stunden vom Erdgeschoss in die oberen Stockwerke transportieren. Anfang Januar schwammen an ihrer Apotheke die Enten vorbei. Und auch in diesen Tagen droht mal wieder Hochwasser.

15 Helfer, drei Stunden, dann ist das Erdgeschoss leergeräumt. „Die Hilfsbereitschaft ist groß“, sagt Kratz. Sie hat eine kleine „Notfall-Warteliste“ mit Namen von freundlichen Menschen, die dem Apothekenteam ihre Hilfe angeboten haben. Denn im Ernstfall muss es schnell gehen. Der Trick: Rollen. Und ein Kommissionierer, der wassergeschützt im ersten Stock untergebracht wurde. HV-Tische, Regale und sonstige Einrichtungsgegenstände sind in der Burg-Apotheke nicht breiter als 70 Zentimeter. Andernfalls würden sie nicht in den Aufzug passen. Und das ist wichtig, denn steigt der Wasserpegel, zählt jede Minute.

Zur perfekten Hochwasserprävention gehört in der Burg-Apotheke in Cochem auch, dass sich keine Steckdosen in Bodennähe befinden. „Und die Internetbuchsen kommen bei uns aus der Decke“, erklärt die Apothekerin. Elegant verkleidet.

Gerade bangen wieder viele Menschen im Süden und Westen des Landes, die Wetterberichte verheißen nichts Gutes. Dauerregen und Tauwetter lassen die Pegel wieder einmal bedrohlich ansteigen, Hochwasser droht. „Die Vorbereitung auf Hochwasser sind hier Alltag“, sagt die Apothekerin. Da bekommt man Routine.

Ab ungefähr acht Metern Mosel-Wasserstand kommen die Adrenalinschübe. „Ich komme aus dem Saarland und bin mit Hochwasser aufgewachsen.“ Ihre Apotheke ist nicht das einzige Geschäft, in dem man auf das schnelle Aufräumen und Möbel auf Rollen vertraut. „Viele Läden schützen sich auf diese Weise“, sagt die Apothekerin.

Seit vor einem Jahr der neue Kommissionierer im ersten Stock installiert und vorher die Decke verstärkt wurde, ist ihr Leben entspannter geworden. „Ich kann endlich wieder in den Urlaub fahren.“ Unbelastet, bei gutem Schlaf und ohne den stündlichen Prüfblick auf ihre Apps. Die Apothekerin nimmt es gelassen: „Bei uns sind eben öfters mal gute Nerven gefragt.“ Im Jahr 2011 drohte eine Überschwemmung, damals wurden die Medikamente noch in großen Schränken in der Offizin gelagert. „Damals hatten wir einen Flaschenzug, mit dessen Hilfe die Schränke in zwei Hälften geteilt wurden.“ Danach wurden sie auf Rollbrettern in den Aufzug verfrachtet und in den ersten Stock gebracht.

„Wir haben jedes Mal um unser Warenlager gezittert.“ Bei 10.000 Packungen im Wert von bis zu 200.000 Euro scheint schlechter Schlaf bei ungünstiger Wetterlage unvermeidlich zu sein. Im Erdgeschoss befindet sich ein alter Tresor des Vorbesitzers. Er ist leer. Das nimmt zumindest die derzeitige Apothekerin an. Öffnen lässt er sich nämlich nicht mehr. Das gute Stück ist eingerostet, die Stahltür ist für immer verschlossen. Schuld daran ist das Mosel-Hochwasser.

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