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Standortwechsel

Erst Schließung, dann Neueröffnung

Berlin - Als der Mietvertrag auslief, stand Dr. Wolfgang Graute vor der Entscheidung: Noch einmal um fünf Jahre verlängern oder die Wolfsberg Apotheke im westfälischen Lüdinghausen schließen. Da in den vergangenen Jahren sämtliche Arztpraxen aus der Nachbarschaft wegzogen, entschloss er sich schweren Herzens für die zweite Variante. Im zehn Kilometer entfernten Dülmen investiert der Apotheker dafür in einen neuen Standort.

Dass es mit der Wolfsberg Apotheke nicht weitergeht, sei „sehr schade“, sagt Graute. Schließlich habe der Betrieb eine lange Tradition. „Wir haben die Apotheke zudem immer auf dem neuesten Stand gehalten. Wir gehörten beispielsweise zu den ersten, die einen Kommissionierer hatten“, erklärt der Graute, der die Wolfsberg Apotheke zusammen mit seiner Frau Claudia seit 32 Jahren führte.

Ende August kommt jedoch das Ende. Die Kunden blieben mehr und mehr aus, der Betrieb war nicht mehr rentabel. Ein schleichender Prozess, wie Graute sagt: „2012 sind die ersten Ärzte aus dem Haus ausgezogen, seit rund anderthalb Jahren gibt es hier gar keinen mehr. Nur unsere Stammkunden haben uns noch lange die Treue gehalten.“ Besonders nachteilig wirkte sich dabei der Standort der Wolfsberg Apotheke im Süden von Lüdinghausen aus.

„Im Norden der Stadt hat ein Einkaufscenter aufgemacht. Zudem gibt es jetzt ein Medizinisches Versorgungszentrum, wo sich jetzt viele Arztpraxen konzentrieren“, erzählt Graute. Das veränderte die Kundenströme zu seinen Ungunsten. Wer mit einem Rezept vom Arzt kommt, gehe halt in die nächstgelegene Apotheke, sagt Claudia Graute. Da nun eine Erneuerung des Mietvertrages um fünf Jahre anstand, mussten sich die Eheleute entscheiden. Die Suche nach einem Nachfolger blieb erfolglos, daher schließt die Wolfsberg Apotheke dauerhaft ihre Pforten.

Das Apothekerehepaar lässt sich von der Schließung jedoch nicht unterkriegen. Im rund zehn Kilometer entfernten Dülmen betreiben sie zwei Apotheken, demnächst soll eine dritte eröffnen. Hierfür investierte Graute noch einmal kräftig Geld und vereinbarte eine Finanzierung für die kommenden zehn Jahre. „Ich bin jetzt 60 Jahre alt und habe mich bewusst für ein neues langfristiges Projekt entschieden. Nicht, dass ich noch auf komische Ideen wie einen vorgezogenen Ruhestand komme“, lacht Graute.

Doch auch am neuen Standort läuft nicht alles wie geplant. Ursprünglich sollte die Apotheke am 2. September eröffnen. „Das Architektenbüro hat allerdings vergessen, die Elektrotüren für den Neubau zu bestellen“, erläutert Graute. Daher verzögere sich die Fertigstellung um zwei Wochen. Im neueröffneten Betrieb werden dann auch die bisherigen Mitarbeiter der Wolfsberg Apotheke unterkommen. Standortprobleme wie in Lüdinghausen erwartet Graute nicht, im Gegenteil: „Unsere drei Apotheken in Dülmen sind sehr gut erreichbar. Wir können zudem Synergien nutzen und werden noch mehr Wert auf Fortbildungen und Eigenmarken legen.“

Auch wenn sich der Apotheker voll und ganz dem neuen Projekt verschrieben hat, bereitet er schon die Nachfolgeregelung vor. Da sich die drei Töchter gegen ein Pharmaziestudium entschieden haben, muss diese jedoch außerfamiliär geklärt werden. „Wir haben für unsere neue Apotheke einen Filialleiter gefunden, den wir gerne als Nachfolger einsetzen möchten. Aber er muss sich noch überlegen, ob er das wirklich möchte“, sagt Graute. Um wieder mehr Zeit für seine Kunden zu haben, zog er sich vor einigen Wochen als Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zurück. „Ich mache jetzt mein eigenes Ding“, so Graute. Und das eben noch so lange wie möglich.

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