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Nachhaltigkeit

Die zertifizierte Gemeinwohl-Apotheke

Berlin - Wer eine Apotheke betreibt, möchte, dass diese wirtschaftlich gut läuft. Doch Geld verdienen ist nicht alles, ist Apothekerin Dr. Anja Thijsen überzeugt. Sie ist Inhaberin der Apotheke am Goetheplatz im niedersächsischen Nienburg – und seit einiger Zeit auch zertifizierte Gemeinwohl-Ökonomin. Um das Zertifikat zu erhalten, muss der Betrieb nachweisen, dass er nicht nur wirtschaftlich, sondern auch beispielsweise solidarisch und ökologisch nachhaltig handelt.

17 verschiedene Kriterien in den Kategorien Zulieferkette, Eigentümer, Mitarbeitende, Kunden und Gesellschaft wurden untersucht. Im Fokus standen dabei unter anderem ein ethischer Umgang mit Geldmitteln, die Ausgestaltung der Arbeitsverträge oder auch die Solidarität mit Mitunternehmen. „Gerade im Vergleich mit anderen Branchen ist mir dabei aufgefallen, dass wir als Apotheker sehr wenig über die Herstellungsbedingungen und Lieferketten unserer Produkte wissen“, sagt Thijsen, die sich auch als aktives Vorstandsmitglied im Naturschutzbund (Nabu) Nienburg engagiert.

Sie führt die Apotheke am Goetheplatz seit 2007, bereits zuvor hatte sie in dem seit 1978 bestehenden Betrieb als Angestellte mitgearbeitet. Über einen Bekannten wurde Thijsen auf den Verein zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie und dessen Zertifizierungen aufmerksam. Dabei merkte sie, dass „wir vieles, wofür sich dieser Verein einsetzt, schon seit langem in unserer Apotheke umsetzen“. Daher lag es nahe, die Apotheke entsprechend zertifizieren zu lassen.

Zwischen einem und zehn Punkten wurden in den einzelnen Kriterien vergeben. Die volle Punktzahl erreicht die Apotheke am Goetheplatz im Bereich „ethische Kundenbeziehung“, da der Fokus auf der Gesundheit und Zufriedenheit des Kunden liegt. Sehr gute Bewertungen gab es auch in den Kategorien „Menschenwürde am Arbeitsplatz“, „Ausgestaltung der Arbeitsverträge“ sowie „innerbetriebliche Mitentscheidung und Transparenz“.

Auch die Belegschaft steht voll hinter der Gemeinwohl-Idee. Schon seit längerer Zeit gibt es in der Apotheke am Goetheplatz Teamfrühstücke, bei denen ausschließlich regionale Produkte auf den Tisch kommen. Einen Firmenwagen gibt es nicht. Die Mitarbeiter erledigen die Botenfahrten mit dem Privat-PKV, um Ressourcen zu schonen. Aus diesem Grund verzichtet Thijsen zudem auf eine nächtliche Beleuchtung der Apotheke. Auch tagsüber werde nur so viel Licht eingeschaltet wie möglich.

Plastiktaschen gibt es in der Apotheke am Goetheplatz zwar weiterhin, jedoch geht ein Teil der Gelder aus deren Einkauf an die SOS-Kinderdörfer. Dennoch gebe es Potenzial, die Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie noch besser umzusetzen. Gerade in den Zulieferketten und beim Einsatz der Geldmittel holte die Apotheke bei der Zertifizierung nur wenige Punkte. „Bei der Auswahl der Arzneimittel und der Geschäftsform haben wir als Apotheke leider nur wenig beziehungsweise gar keinen Einfluss“, erklärt Thijsen.

Dennoch versuche sie, etwa durch die Umstellung aller Leuchtmittel auf LED oder einen transparenten Umgang mit den Lieferanten, sukzessive Verbesserungen zu erreichen. Die steigenden Anforderungen machten dies aber mitunter schwierig, verrät Thijsen. Dennoch sei sie vom alternativen Wirtschaftsmodell der Gemeinwohl-Ökonomie überzeugt, auch wenn sich nur in kleinen Schritten erreichen lasse und in ihrem Arbeitsalltag noch Fragen offenbleiben. Wenn es darum geht, welchen ökologischen Fußabdruck die Arzneimittel hinterlassen, wünscht sich Thijsen, dass die Krankenkassen noch mehr in die Pflicht genommen.

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