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Zyto-Apotheken

Omnicare kauft Megapharm

Düsseldorf - Die Übernahme des Spezialgroßhändlers Megapharm war 2008 für Alliance Boots der Einstieg in den deutschen Markt. Doch dann gab die Konkurrenz die Anzag frei; parallel wurde der onkologische Markt komplett umgekrempelt. Jetzt steigt Walgreens Boots Alliance (WBA) aus – und verkauft Megapharm an die Zyto-Kooperation Omnicare.

Zum 1. November übernimmt Omnicare den Spezialgroßhändler mit Sitz in Sankt Augustin. So gewinnt der Zusammenschluss von 100 Apothekern neue Kunden und potenzielle Mitglieder. Vor allem aber sichert sich die Zyto-Kooperation Zugang zu neuen technischen Dienstleistungsangeboten.

Im Fokus steht die Praxissoftware MegaManager, die derzeit von 100 Praxen und Kliniken genutzt wird. Das Programm wird für die Therapieplanung und Patientendokumentation genutzt und hat Schnittstellen zu den Softwaresystemen der Apotheker.

„Mit der Übernahme der Megapharm machen wir einen wesentlichen Schritt, um die Versorgungssicherheit für Krebspatienten in ambulanter Therapie zu erhöhen. Dieses System braucht ebenso verlässliche Strukturen wie das Kliniksystem“, sagt Omnicare-Chef Oliver Tamimi. „Alle Marktakteure des ambulanten Systems werden im Interesse einer optimalen Versorgung des Krebspatienten durch kluge Lösungen und Leistungen unterstützt. Dies wird auf Basis der bereits bestehenden Strukturen zur besseren Vernetzung der Ärzte in Praxen, Apothekern, Kliniken und auch der Kostenträger führen.“



Die Marke Megapharm bleibt zunächst erhalten; allerdings soll der Firmensitz des neuen Gemeinschaftsunternehmens nach Unterföhring bei München verlegt werden. Megapharm hatte ohnehin keine eigene Logisitk, sondern arbeitete mit Dienstleistern zusammen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Megapharm wurde 1993 gegründet und hat derzeit mehr als 200 Apotheken als Kunden. Neben dem Einkauf sind die Dienstleistungsangebote die zweite wichtige Säule des Unternehmens. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 380 Millionen Euro.

Alliance Boots hatte im Oktober 2008 zunächst 90 Prozent der Anteile übernommen; ein Jahr später schluckte der britische Pharmahändler das Unternehmen komplett. Allerdings hat sich seitdem der Markt stark verändert: Die großen Herstellbetriebe haben längst eigene Lieferanten und Zulassungen; viele unabhängige Zytoapotheker haben sich 2012 zu Omnicare zusammengeschlossen und kaufen seitdem über diesen Weg gemeinsam ein.



Mit einem Umsatz von 237 Millionen Euro hatte Omnicare nach eigenen Angaben im Teilmarkt der patientenindividuellen Infusionen bei niedergelassenen Onkologen einen Anteil von 14 Prozent. Insgesamt entfällt ein Volumen von 1,28 Millarden Euro auf den ambulanten Bereich; insgesamt ist der Markt laut Omnicare 4,86 Milliarden Euro schwer. In Unterföhring rechnet man bis 2018 mit einem Wachstum auf 7,1 Milliarden Euro.

Im Mai 2011 hatte Omnicare, bis dahin Spezialgroßhändler für Zytostatika, die Umwandlung in ein Apothekerunternehmen beschlossen – als Antwort auf die „drohende Industrialisierung der onkologischen Versorgung“. Knapp 100 Apotheker übernehmen im Netzwerk die Versorgung in ihrem jeweiligen Gebiet – die Aufteilung der Cluster hatte wettbewerbsrechtliche Gründe. Um bei Anfragen flexibel reagieren zu können, gibt es innerhalb des Netzwerkes außerdem zwei Herstellbetriebe, bei denen die Apotheker Rezepturen anfordern können.

Direkt nach dem Start hatten bei der Barmer-Ausschreibung in Nordrhein-Westfalen fünf Omnicare-Apotheker alle Gebietslose geholt. Nach nur drei Monaten hatten sie den eigentlich für ein Jahr angelegten Vertrag außerordentlich gekündigt – wegen mangelnder Akzeptanz bei den Onkologen. Auch bei Ausschreibung der AOK Hessen hatten sich zwei Omnicare-Apotheker beteiligt.

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