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Rx-Versandverbot

Zur Rose: Maximaler Widerstand

München - Zur Rose kündigt maximalen Widerstand gegen das im Koalitionsvertrag verankerte Rx-Versandverbot an: Man werde „im Interesse der Patientinnen und Patienten sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene alle notwendigen juristischen und operativen Schritte unternehmen“. Am Nachmittag war die Aktie des DocMorris-Mutterkonzerns dramatisch eingebrochen. 

Zur Rose ist „nach wie vor überzeugt, dass dieses Vorhaben verfassungswidrig und europarechtlich inkompatibel ist“. Gutachten und Aussagen vorheriger Bundesregierungen hätten ein anderes Bild gezeichnet: Man sei daher „sehr erstaunt, dass diese Beurteilungen offenbar nicht ausreichend gewürdigt wurden und diese Intention in den Entwurf des Koalitionsvertrags aufgenommen wurde“.

Ein ähnliches Statement kam am Abend von Shop Apotheke: Verfassungs- und europarechtliche Bedenken gegen dieses Vorhaben seien in den vergangenen zwölf Monaten von vielen Seiten geäußert worden. „Wir sind deshalb erstaunt, dass diese Bedenken offenbar nicht ausreichend gewürdigt wurden und diese Intention in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde, zumal diese bis zuletzt strittig gewesen ist.“

Auch Shop-Apotheke will „im Interesse ihrer Patientinnen und Patienten in Deutschland alle notwendigen Schritte unternehmen, um den Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln aufrechtzuerhalten und diesen weiter anzubieten“.

„Die Finanzgemeinde ist nicht in Panik“, hatte CEO Walter Oberhänsli am Nachmittag beim Kooperationsgipfel des BVDAK in München erklärt. Kurz darauf schien sich die Nachricht am Kapitalmarkt herumzusprechen: Zur Rose gab zeitweise um 15 Prozent nach, die Aktien von Shop-Apotheke verloren sogar 25 Prozent. Der DocMorris-Konkurrent ist stärker betroffen, da er eine reine Versandapotheke ist und einen Großteil seines Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet. Shop-Apotheke selbst ist zwar auf nicht verschreibungspflichtige Produkte spezialisiert; im Herbst wurde aber mit der Europa Apotheek der ehemalige Mutterkonzern übernommen, der wiederum vom Rx-Geschäft abhängig ist. Mit rund 150 Millionen Euro ist die selbst ernannte „Rezept-Apotheke“ etwas kleiner als DocMorris im Rx-Bereich (240 Millionen Euro).

Oberhänsli hatte eingeräumt, dass er nicht mit dem Rx-Versandverbot gerechnet habe. Allerdings war er bemüht, die Sache sportlich zu nehmen: Immerhin sei eine solche Entscheidung im Rahmen des Möglichen gewesen. Nun müsse man sehen, wie man damit umgehe.

Es sei bedauerlich, dass die Apotheker versuchten, die Entwicklung zu negieren statt sich in Richtung neuer Geschäftsfelder zu entwickeln, so Oberhänsli. In der Beziehung zu den Kunden vor Ort und bei bestimmten Leistungen müssten Apotheken keine Angst vor Versendern oder Amazon haben. Den US-Internetkonzern sieht Oberhänsli allerdings ohnehin nicht „ante portas“. Aus seiner Sicht müsste „der Fortschritt endlich im Gesundheitswesen ankommen“. Es könne doch nicht sein, dass nach wie vor 700 Millionen Rezepte hin und her transportiert würden. Ein Lichtstreif am Horizont war für ihn das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Hier sei klar herausgearbeitet worden, dass der Versandhandel die flächendeckende Versorgung nicht gefährde. „Insofern ist das Gutachten von Relevanz.“

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