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Gesundheitsplattform

Zukunftspakt erweitert: Burda kauft Netdoktor

Berlin - Der Zukunftspakt Apotheke von Noweda und Burda bekommt Flankenschutz: Der Medienkonzern Burda übernimmt das Gesundheitsportal Netdoktor. Auf der Plattform können sich Verbraucher über medizinische Themen informieren. Mit 21 Millionen Visits pro Monat ist NetDoktor nach eigenen Angaben Marktführer bei den Gesundheitsportalen Deutschlands.

NetDoktor mit Sitz in München wird laut einer Burda-Mitteilung als 100-prozentiges Tochterunternehmen in den Geschäftsbereich von BurdaLife integriert. „Damit untermauert BurdaLife seinen verlegerischen Anspruch, führend zu sein in der journalistischen Gesundheitsinformation in Deutschland. Diese Investition ist gleichzeitig Teil der unternehmerischen Strategie des ‚Zukunftspaktes Apotheke‘, mit dem Burda und die Apothekergenossenschaft Noweda gemeinsam Vor-Ort-Apotheken als wesentliches Element der sozialen Infrastruktur in Deutschland unterstützen“, heißt es in der Mitteilung.

„Mit dem innovationsstarken Gesundheitsportal NetDoktor.de, der Nummer 1 unter den digitalen Gesundheitsangeboten in Deutschland, bauen wir unsere Kompetenz auf diesem Gebiet weiter aus“, so Burda-Vorstand Philipp Welte. Und BurdaLife-Geschäftsführer Kay Labinsky fügt hinzu: „Mit 21 Millionen Visits und 40 Millionen PIs im Monat (IVW Juni 2019) lässt NetDoktor.de die direkten Mitbewerber von Apotheken Umschau Online und Onmeda.de weit hinter sich und ist das digitale Gesundheitsangebot im deutschsprachigen Raum schlechthin.“

Die Spitze gegen die Umschau kommt nicht von ungefähr. Denn Burda macht mit dem Magazin MyLife auch bei den analogen Angeboten Druck. Der Verlag brachte in diesem Jahr gemeinsam mit der Apothekengenossenschaft Noweda die kostenlose Kundenzeitschrift „My Life“ in die Apotheken. Die ersten beiden Ausgaben hatten zusammen eine Auflage von 2,3 Millionen Exemplaren. „My Life“-Chefredakteurin Silvia von Maydell ist auch für das seit 2016 erscheinende Frauenmagazin „Ma vie – Gesund leben“ verantwortlich, das zweimal jährlich in den Handel kommt.

Explizit wird die Übernahme daher auch im Geiste des Zukunftspakts mit Noweda gesehen. Inhaltlich liegen die neuen Partner allerdings noch nicht ganz beieinander. So informiert Netdoktor Verbraucher nicht nur über Symptome und alle möglichen Krankheiten. Auch zum Thema „Medikamente und Wirkstoffe“ gibt es laienverständliche Informationen – ebenso zum Bezug der Arzneimittel.

Unter „Medikamente aus dem Internet“ werden die Vor-und Nachteile des Versandhandels vorgestellt. Hierzu heißt es unter anderem: „Die Zahl der Online-Apotheken wächst seit Jahren beständig. Auch die deutschen Patienten haben deren Vorteile entdeckt. Insbesondere für chronisch kranke Menschen, die regelmäßig größere Mengen an Medikamenten benötigen, bietet sich ein Einsparpotenzial: Eine Online-Apotheke kann durch den Verkauf größerer Stückzahlen oft günstigere Preise anbieten als eine reine Vor-Ort-Apotheke.“ Weitere Vorteile seien, dass die Medikamente meist versandkostenfrei nach Hause geliefert würden und einige Online-Apotheken eine Patientenakte für die Kunden führten. Als Nachteil wird die lange Lieferzeit genannt. Außerdem rechneten nicht alle Versender direkt mit den Krankenkassen ab. Eine Checkliste soll dabei helfen, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden.

Bei Netdoktor freut man sich jedenfalls über den neuen Partner: „Mit Burda haben wir den idealen Partner gefunden, die Erfolgsgeschichte von NetDoktor.de fortzuschreiben und die starke Marktposition weiter auszubauen. Gleichzeitig werden wir unsere digitalen Content-Aktivitäten rund um gutefrage, unseren Vermarkter highfivve und die Selfpublishing-Plattform epubli weiter vorantreiben“, sagt Julian Oei, CEO von Holtzbrinck Digital.

Zum Angebot von Netdoktor zählen etwa ein „Symptom-Checker“, einer interaktiven Sprechstunde, bei der man nach Angabe der Beschwerden aus mehr als 500 Krankheitsbildern die wahrscheinlichste Diagnose erhält. Der Laborwert-Checker soll erklären, was bestimmte Laborwerte bedeuten.

Die eigene Geschichte erzählt Netdoktor so: Gegründet vom dänischen Arzt Dr. Carl Brandt in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Rune Bech in London, ging das Portal 1998 online. Zunächst in Dänemark, ein Jahr später in Deutschland. Selbsterklärte Ziel ist es, allen Menschen Zugang zu medizinischer Information zu ermöglichen. 2007 wurde NetDoktor von der Holtzbrinck-Gruppe übernommen.

Das Redaktionsteam besteht aus vier Medizinredakteuren unter der Leitung von Chefredakteur Jens Richter sowie mehr als 30 Autoren. Die Plattform weist darauf hin, dass telefonisch keine Fragen zu medizinischen Themen beantwortet werden. Der Standort München wird erhalten bleiben und das komplette Team von BurdaLife übernommen. Allerdings wird Dr. Florian Geuppert die Geschäftsführung abgeben und bei Holtzbrinck als CEO der Digital Content Group bleiben. Seine Nachfolge bei NetDoktor soll in Kürze geregelt werden.

Burda ist heute viel mehr als ein Zeitschriftenverlag. Der Medienkonzern investiert seit Jahren in digitale Angebote, auch im Gesundheitsbereich. Ende 2015 übernahm er über die Tochterfirma Burda Digital das 2007 gegründete Arzt-Patienten-Portal Jameda für knapp 47 Millionen Euro. Das Such- und Terminbuchungsportal wird laut Firmenangaben von rund 6 Millionen Menschen genutzt.

2017 wurde das Portal mit der Übernahme des 2013 gegründeten Telemedizin-Anbieters Patientus gestärkt. Jameda integrierte darüber die Videosprechstunde in die bereits bestehende Online-Arztterminvergabe. Patienten sollen die Termine künftig direkt auf Jameda buchen und Ärzte online konsultieren.

Die insgesamt rund 600 Medienprodukte des Konzerns behandeln Themen wie Mode, Schönheit, Urlaub, Gesundheit, Technik oder Genießen. Den Münchenern gehört beispielsweise mehrheitlich das Karrierenetzwerk Xing. Die Online-Elektronikhändler Cyberport und Computeruniverse sind komplett in den Händen des Konzerns. Auch der Online-Marktplatz für Finanz- und Versicherungsprodukte Ino24, der Online-Händler für Premium-Weine Silkes Weinkeller sowie der Online-Händler für Blumen und Geschenke Valentins gehören zur Sparte BurdaTech. Weitere Digital-Marken sind Cliqz, ein Browser mit integrierter Suchmaschine, das Urlaubsportal Holidaycheck sowie das Frauen- und Elternportal Netmoms.

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