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VISION.A 2018

Ziel ist die Fleurop-Apotheke

Berlin - Christoph Keese, geschäftsführender Gesellschafter von Axel Springer hy, eröffnete mit seiner Keynote den zweiten Tag von VISION.A – und zeigte auf, wie die Apotheken Gewinner der digitalen Disruption sein können. Schnell wurde klar: „Nicht den Kopf in den Sand stecken, einfach machen.“

Das Zauberwort lautete „Plattform“: Diese beherrschten heute die Welt und müssten verstanden werden, erklärte Keese, der viel Zeit im Silicon Valley verbracht hat. Facebook, Uber, Amazon oder Airbnb verkauften Waren, die sie selbst nicht produzierten – Uber besitze kein Auto und Airbnb kein einziges Hotel. Plattformen würden derzeit durch fallende Infrastrukturkosten beflügelt und hätten Rückenwind. Also wann, wenn nicht jetzt, müssen Apotheker aktiv werden?

„Es gibt eine Menge Menschen mit viel Geld, die die Apotheken abschaffen wollen“, so Keese. Die Disintermediation – der Wegfall einzelner Stufen der Wertschöpfungskette – ist nur eine der drei Mächte des Wandels. Ein weiteres Übel sei Disaggregation – die Ablösung des Kunden vom stationären Handel: Die Apotheke an der Hauptstraße sei eine knappe Resource, im Internet gebe es dies nicht, hier sei der Weg für den Kunden kürzer und schneller. Die dritte Macht sei die Dematerialisation. Eine Plattform ist jedoch nur erfolgreich, wenn alle Teilnehmer einen finanziellen Nutzen haben. Die modernen Plattformdesigner von heute und die Apotheker sind also gefragt.

Ein Blick in andere Branchen zeigt laut Keese, wie es gehen könnte. So haben es beispielsweise die deutschen Buchhändler geschafft, mit dem E-Book Tolino in Deutschland 45 Marktanteil zu erreichen, während in allen anderen Ländern Kindle den Markt beherrscht. Dabei gehe es nicht darum, Robin Hood-mäßig eine Plattform zusammenzuschrauben, sondern sich in den Nutzer zu versetzen. Der möchte so schnell wie möglich versorgt werden. Werden die Kunden in einer Notsituation abgeholt, fühlen sie sich dem Retter emotional verbunden.

Angst vor Amazon müssten die Apotheken nicht haben, denn sie sind der Plattform in einem Punkt überlegen: Amazon besitze neun Lager in Deutschland, Apotheken sind an etwa 20.000 Standorten vertreten. Die künftige Herausforderung sei es, jeden Tag und rund um die Uhr Arzneimittel liefern zu können. Dazu gehöre auch das Zäpfchen um drei Uhr morgens, das innerhalb von 15 Minuten an die Haustür gebracht werde. Laut Keese führt daran kein Weg vorbei, da mit Drohnen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch der Preis drastisch reduziert werde.

Dabei müssten die Apotheken lernen, auf Partner etwa bei der Logistik zurückzugreifen. Keese brachte die Floristen ins Spiel: Per Fleurop können Blumensträuße binnen kurzer Zeit verschickt werden. „Wenn es bei Fleurop funktioniert, funktioniert es auch in der Apotheke.“ Man müsse nur den Schalter umlegen. Das Zusammenführen von Fahrer und Kunde sei im Arzneimittelvertrieb freilich etwas komplexer.

„Wir sind stark in vielen Dingen, aber nicht in der Digitalisierung“, mahnt Keese, der seinen größten Fehler verrät. In seiner Zeit bei Gruner & Jahr hatte sein Team Google nicht als Wettbewerber gesehen: „Das sah für uns am Anfang aus wie die gelben Seiten.“ Heute muss er das als große Fehleinschätzung eingestehen. Apotheker sollten die Disruption in ihrem Bereich nicht unterschätzen. „Jeder will eine Lebensaufgabe haben und natürlich tut es weh, wenn diese hinweg gefegt wird“, sagte er mit Blick auf Branchen, die sich dem Wandel versperrten. Bei Springer habe man reagiert und etwa mit Stepstone eine jener Plattformen gekauft, die das eigene Geschäftsmodell angegriffen hätten. Heute erwirtschafte man 80 Prozent der Gewinne aus disruptiven Bereichen. „Wenn wir uns nicht umgestellt hätten, gäbe es Springer heute nicht mehr.“

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