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OTC-Hersteller

Wegen Voltaren: Pfizer muss Thermacare verkaufen

Berlin - Die EU-Kommission hat den Zusammenschluss der OTC-Sparten von GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer unter Auflagen erlaubt: Der US-Konzern muss dafür seine Marke Thermacare veräußern.

Laut Untersuchung der EU-Kommission sind die Produkte auf dem Markt für Schmerzmittel zur äußerlichen Anwendung unabhängig von der Darreichungsform – Pflaster oder Gel, medikamentenhaltig oder nicht – und der Packungsgröße weitestgehend substituierbar. Die EU-Aufsicht hat daher Bedenken, dass die Übernahme den Wettbewerb in diesem Bereich verringern würde‚ was in einer Reihe von EWR-Ländern, darunter Österreich, Deutschland‚ Irland, Italien, und die Niederlande, zu Preiserhöhungen führen könnte.

Bei Schmerzmitteln zur äußerlichen Anwendung zählt GSK mit seinen Produkten der „Volta“-Reihe (Voltaren, Voltadol und Voltarol) laut Kommission zu den führenden Anbietern rezeptfreier Gesundheitsprodukte im EWR. Diese Produkte werden hauptsächlich in Form von medizinischen Gelen, Cremes oder Sprays oder aber als medikamentenhaltige oder nichtmedikamentenhaltige Pflaster verkauft.

Um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission auszuräumen, haben die beiden Konzerne angeboten, die Marke Thermacare zu veräußern. Die Veräußerung umfasst „alle einschlägigen Vermögenswerte, die zum gegenwärtigen Betrieb der Sparte beitragen oder aber erforderlich sind, um deren Trag- und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten“.

Diese müssen nun als Paket an einen einzigen geeigneten Käufer veräußert werden, wobei wiederum die EU-Kommission zustimmen muss. Laut den Verpflichtungszusagen umfasst die Veräußerung insbesondere einen US-Produktionsstandort von Pfizer, der ausschließlich für die Herstellung von Thermacare-Produkten genutzt wird‚ alle Rechte des geistigen Eigentums im Zusammenhang mit Thermacare-Produkten und der Marke sowie sämtliche in der Entwicklung befindlichen Produkte.

Mit diesen Verpflichtungszusagen werden die Überschneidungen zwischen den Geschäftstätigkeiten von GSK und der Pfizer-Sparte für rezeptfreie Gesundheitsprodukte der Kategorie „Schmerzmittel zur äußerlichen Anwendung“ laut EU-Kommission im EWR fast vollständig beseitigt. Daher werfe der geplante Zusammenschluss keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken mehr auf. Die Genehmigung ist an die Auflage geknüpft, dass die Zusagen vollständig erfüllt werden.

Die beiden Konzerne hatten kurz vor Weihnachten vereinbart, ihre jeweiligen OTC-Sparten in ein Gemeinschaftsunternehmen einzubringen. Unter dem Dach der neuen Firma finden sich Medikamente wie das Schmerzgel Voltaren und das Schmerzmittel Spalt. GSK soll an dem neuen Unternehmen 68 Prozent der Anteile halten. Ein Börsengang innerhalb von drei Jahren ist geplant.

GSK bringt Erlöse von 7,1 Milliarden Pfund und einen Ertrag von 900 Millionen Pfund in die Ehe mit, Pfizer steuert 2,7 Milliarden Pfund Umsatz und 400 Millionen Pfund Gewinn bei. Ein Drittel des Umsatzes kommt künftig aus den USA, 28 Prozent aus Europa und 39 Prozent aus anderen Ländern. Pfizer hat einen Schwerpunkt in den USA (53 Prozent), während es bei GSK nur 26 Prozent sind. Europa spielt für Pfizer mit 14 Prozent eine kleinere Rolle als für GSK (33 Prozent), genauso wie der Rest der Welt (33 vs. 41 Prozent). In den USA soll das neue Unternehmen die Nummer 1 sein, in China die Nummer 2. Auch in Europa, Indien und Australien belegt der Gemeinschaftskonzern einen der vorderen Plätze.

Nummer 1 ist das Gemeinschaftsunternehmen weltweit in den Kategorien Schmerz, Mundhygiene, Atemwegserkrankungen und Vitamine. Mit Verdauungsprodukten ist GSK/Pfizer nach eigenen Angaben die Nummer 2, mit dermatologischen Produkten die Nummer 3. Die zehn größten Marken machen 80 Prozent des Umsatzes aus, darunter Advil, Thermacare, Centrum und Nexium.

Mit dem Deal lösen GSK und Pfizer den Mitbewerber Bayer an der Spitze des deutschen OTC-Marktes ab. Nach Zahlen von Insight Health war der Konzern aus Leverkusen mit Umsätzen von rund 535 Millionen Euro (Apothekenverkaufspreise, AVP) zuletzt die Nummer 1 unter den OTC-Herstellern in der Apotheke. Dahinter folgte GSK; der britische Konzern kam nach der – zunächst als Fusion eingefädelten – Übernahme der OTC-Sparte von Novartis zuletzt auf 505 Millionen Euro.

Mit dem OTC-Geschäft von Pfizer kommen nun noch einmal Umsätze in Höhe von knapp 170 Millionen Euro hinzu, sodass das Joint Venture, an dem GSK entsprechend des globalen Umsatz- und Gewinnanteils rund zwei Drittel hält, Erlöse von rund 675 Millionen Euro vorweisen kann. Auf vier Marken entfallen 60 Prozent der Umsätze: Voltaren (250 Millionen Euro), Thermacare und Vitasprint (je rund 60 Millionen Euro) sowie Chlorhexamed (47 Millionen Euro). Dazu kommen Erlöse aus dem Mass Market.

Chef für das globale OTC-Geschäft bei GSK ist Brian McNamara, Chris Slager leitet den Geschäftsbereich bei Pfizer. Hierzulande hat bei GSK in München Victor Geus die Verantwortung. Bei Pfizer wird die Sparte von Philipp Freisfeld geführt.

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