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Orale Kontrazeptiva

TK: Pillen-Verordnungen nehmen weiter ab

Berlin - Die immer wieder aufkommenden Debatten um Nebenwirkungen und mutmaßliche Gefahren hormoneller Kontrazeptiva wirken sich anscheinend auf die Zahl der Anwenderinnen aus. Zu diesem Schluss kommt die Techniker Krankenkasse (TK) in einer Auswertung anlässlich des Tages der Antibabypille. Für die Kasse ist das ein gutes Zeichen für die gesellschaftliche Diskussion.

Immer weniger junge Frauen verhüten mit de Antibabypille, zumindest bei der TK: Mit 48 Prozent bekam vergangenes Jahr nicht einmal jede zweite TK-Versicherte zwischen 16 und 19 Jahren die Pille verordnet. In den Jahren 2013 und 2014 waren es noch 60 Prozent gewesen. Das habe die Auswertung von Routinedaten ergeben. Besonders stark zurückgegangen sei dabei der Anteil der 19-Jährigen mit mindestens einer Pillenverordnung: Um 15 Prozentpunkte ist die Zahl in den fünf Jahren zwischen 2013 und 2018 zurückgegangen. 2018 nahmen demnach 59,5 Prozent von ihnen die Pille, 2013 waren es noch 74 Prozent gewesen. Insgesamt hat die TK nach eigenen Angaben 191.100 Versicherte zwischen 16 und 19 Jahren.

Darüber hinaus zeige die Auswertung, dass mittlerweile etwas mehr junge Frauen Pillen der dritten und vierten Generation nehmen, 48 Prozent sind es. Demgegenüber nehmen 46 Prozent Pillen der ersten und zweiten Generation. Während dort das synthetische Gestagen Levonorgestrel zum Einsatz kommt, enthalten Pillen der dritten und vierten Generation Chlormadinon, Dienogest Drospirenon oder Nomegestrolacetat.

Rund jede dritte Anwenderin leidet an Nebenwirkungen, zahlreichen Studien zufolge sind die Pillen der neuen Generationen mit höheren Nebenwirkungsrisiken verbunden, insbesondere einem anderthalb bis zweifach erhöhten Risiko für Thrombosen oder Lungenembolien. So erkranken bei ihnen statistisch gesehen 12 von 10.000 Frauen an Embolien, bei Anwenderinnen von Pillen der ersten beiden Generationen sind es 5 bis 7. Zum Vergleich: Von den Frauen, die keine oralen Kontrazeptiva anwenden, erkranken im Schnitt 2 von 10.000 an einer venösen Thromboembolie. Zwischen sechs und sieben Millionen Frauen in Deutschland verhüten mit der Antibabypille.

Als besonders hoch gilt das Risiko bei dem Gestagen Drospirenon. So schlägt sich Bayer seit Jahren mit Rechtsstreitigkeiten wegen der erhöhten Thrombosegefahr durch seine Pille Yasminelle herum. Die schlechte PR spiegelt sich auch in den Verordnungszahlen, hier ist der Rückgang besonders stark: Über alle Altersgruppen bis 19 Jahre hinweg werde Drospirenon nur noch bei 2 Prozent der Frauen verordnet. 2010 – als die öffentliche Kontroverse begann – waren es noch 18 Prozent. „Das ist aus unserer Sicht eine positive Entwicklung“, sagt Tim Steimle, Apotheker und Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK.

Die TK erneuert ihren Vorwurf an die Hersteller, die risikoreicheren Pillen der dritten und vierten Generation durch aggressives Marketing in den Markt gedrückt zu haben. Bereits 2015 habe der „Pillenreport“ der Kasse darauf aufmerksam gemacht, dass einige Pharmakonzerne mit geschickten Marketingsbotschaften das Werbeverbot für Rx-Arzneimittel umgangen haben, um junge Frauen für ihre Präparate zu gewinnen. So seien die Pillen der neueren Generation mit einem gewissen Lifestyle in Verbindung gebracht und vermeintliche Effekte für Haut und Haare in der den Vordergrund gerückt worden.

„Auch wenn die Kampagnen mittlerweile angepasst sind, zeigen die neuen Zahlen, dass das Thema noch lange nicht vom Tisch ist. Weil neu nicht immer auch besser heißt, sollte die gesellschaftliche Diskussion weitergehen“, so TK-Chef Dr. Jens Baas. Uns Steimle ergänzt: „Die Pille verhütet sicher vor einer ungewollten Schwangerschaft, ist aber auch ein Medikament mit Nebenwirkungen und kein Lifestyle-Präparat.“

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