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Verwechslungsgefahr

„Sonnenmilch“: LSF zum Trinken

Sorgt die Sonnenmilch zum Trinken für Verwechslungsgefahr?

Berlin - Der Platz im Supermarktregal ist hart umkämpft. Hersteller müssen Kreativität beweisen, damit die Produkte vom Verbraucher gesehen werden. Der Smoothie-Anbieter „True Fruits“ spielt bei einem neuen Produkt bewusst mit der Verwechslungsgefahr: Das Bonner Unternehmen bietet „Sonnenmilch“ zum Trinken an.

Der „Sun Creamie“ kommt in der klassischen Glasflasche von True Fruits daher. Mit gelbem Deckel und gelb-weißer Schrift auf blauem Hintergrund erinnert bereits die Aufmachung an eine Flasche Sonnencreme. Der Effekt wird noch dadurch betont, dass mit der Abkürzung „LSF“ gespielt wird – statt Lichtschutzfaktor ist hier „leicht sommerlich fruchtig“ gemeint. Auch die Zahl „100“ neben LSF steht nicht für die Höhe der Schutzwirkung, sondern „100 Prozent natürliche Zutaten“.

Die Firma sorgt zudem mit der Aufschrift „Vegane Sonnenmilch“ und „Langanhaltende Feuchtigkeit“ für Verwirrung, wobei „Milch“ leicht durchgstrichen aussieht. Der Wettbewerbszentrale zufolge handelt es sich um eine Irreführung. „Irgendwo müsste explizit die Verkehrsbezeichnung wie beispielsweise Fruchtsaftgetränk auf der Verpackung stehen“, sagt Rechtsanwältin Christiane Köber.

Auf der Vorderseite der Flasche steht lediglich „ausschließlich zum Verzehr geeignet“. Auf der Flasche befänden sich alle Infos, sagt Marketingleiterin Fee Surges. Wie das Unternehmen eine mögliche Irreführung der Verbraucher bewertet, wurde nicht beantwortet. Laut Lebensmittelverband muss die Verkehrsbezeichnung klar, sachlich und allgemein verständlich beschreiben, um welches Lebensmittel es sich handelt. Mitunter ist die Bezeichnung rechtlich vorgeschrieben etwa bei „Milchschokolade“. Bestehe keine rechtliche Vorgabe, werde eine allgemein übliche Bezeichnung verwendet.

Eine Irreführung oder Täuschung ist laut Lebensmittelverband durch die geltenden rechtlichen Vorschriften genau definiert: Sie liegt nur dann vor, wenn die gültigen Kennzeichnungsvorschriften verletzt wurden oder die Voraussetzungen eines Täuschungstatbestandes erfüllt sind.

Auch über eine von der „Sonnenmilch“ ausgehende Gesundheitsgefahr kann diskutiert werden. Denn Verbraucher könnten den Marketing-Gag missverstehen und davon ausgehen, dass das Trinken vor Sonnenbrand schützt. Der Hersteller wirbt etwa mit „Hoher Schutz gegen Sommerblues“.

Das Produkt mit Pfirsich-Maracuja-Geschmack ist limitiert. Es soll laut Firmenangaben für Sommerstimmung sorgen. „Creamie“ sei neudeutsch und stehe für einen laktose-freien und veganen Milch-Drink mit Fruchtanteil. True Fruits wurde 2006 gegründet und gehört laut eigenen Angaben zu den Top-Smoothie Anbietern in Deutschland. Im vergangenen Jahr wurden mit rund 30 Mitarbeitern knapp 40 Millionen Euro umgesetzt.

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