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Shop-Apotheke: Zurück zu Rx

Berlin - Die Shop-Apotheke und die Europa Apotheek Venlo (EAV) werden wieder vereint. Die Aktionäre des OTC-Versenders stimmten bei der außerordentlichen Hauptversammlung für die Übernahme des Rx-Spezialisten. Bis 2015 gehörten beide Unternehmen zusammen, die wesentlichen Anteilseigner sind dieselben.

Die außerordentliche Hauptversammlung unterstütze den Wachstumskurs des Unternehmens mit der Zustimmung zur Übernahme der EAV durch den vollständigen Erwerb aller Anteile der Muttergesellschaft EHS Europe Health Services, hieß es im Nachgang zum Aktionärstreffen in Venlo.

Mit einer Zustimmung von 100 Prozent nahm die Hauptversammlung sämtliche von Vorstand und Aufsichtsrat eingebrachten Beschlüsse an. Insgesamt waren 57,83 Prozent des Grundkapitals vertreten. Dies entspricht 5,2 von 9,1 Millionen Aktien. Es dürfte sich im Wesentlichen um die Stimmen der Altgesellschafter handeln, deren Anteil beim Börsengang der Shop-Apotheke verwässert worden war und die nach wie vor die Anteile an der EAV halten.

Die Gesellschafter der EAV sollen etwa 2,724 neue Aktien der Shop-Apotheke für jeden Anteil erhalten, der Kaufpreis beträgt damit rund 126 Millionen Euro. Alle neu emittierten Aktien werden innerhalb von zwölf Monaten zum Handel zugelassen und sind für einen Zeitraum von 180 Tagen gesperrt. Aufsichtsrat und der Vorstand hatten Stellungnahmen von den Investmentbanken Citi und Lazard erhalten, die bestätigen, dass das Umtauschverhältnis aus finanzieller Sicht angemessen ist.

Wichtigste Anteilseigner der EAV sind CEO Michael Köhler mit knapp 29 Prozent, der ehemalige Industrieapotheker Dr. Robert Hess mit 15,5 Prozent, Christoph Laubmann mit knapp 10 und Jan Pyttel mit 6 Prozent. Nach dem Rückkauf der Versandapotheke von Medco waren 2013 bei einer Finanzierungsrunde Investoren an Bord geholt worden, darunter neben einigen vermögenden Kapitalgebern eine ganze Reihe von Privatanlegern aus der Wirtschaft wie Topmanager von Ratiopharm, Budenheim (Chemikalien), SES (Satelliten) und Steelcase (Büromöbel). Auch ein ehemaliger Vorstand des mittlerweile zerschlagenen Druckmaschinenherstellers Manroland war dabei, genauso wie der als Investor aktive Apotheker Dr. Frank Steinhoff und die Familie Kuhn-Temmler.

Die erforderliche Kapitalerhöhung soll kurzfristig nach der Billigung des entsprechenden Wertpapierprospekts durch niederländische Finanzmarktaufsichtsbehörde AFM und der Notifizierung an die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) durchgeführt werden. Die Übernahme der Europa Apotheek Venlo könne somit voraussichtlich noch im laufenden Monat vollzogen werden.

Die EAV beschäftigt rund 130 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz in Höhe von 144 Millionen Euro und einen kleinen Gewinn von 200.000 Euro. Im ersten Halbjahr betrug der Umsatz 81 Millionen Euro. 80 Prozent der Erlöse stammen aus dem Verkauf von Rx-Produkten, hier hat Europa Apotheek laut eigenen Angaben einen Marktanteil von 25 Prozent und ist damit die Nummer 2 nach DocMorris. Der durchschnittliche Warenkorb liegt bei 300 Euro für Rx- und 60 Euro für OTC-Bestellungen. Der Fokus liegt auf Chronikern, 90 Prozent der Käufer sind Stammkunden, die Retourenquote bei 0,7 Prozent. Eine Million Päckchen werden pro Jahr verschickt. Mehr als 50 Prozent der Kunden sind älter als 65 Jahre, bei der Shop-Apotheke sind es weniger als 30 Prozent.

Im Vorfeld des EuGH-Urteils gab es für einen Börsengang der Europa Apotheek noch zu viele Risiken. Aus diesem Grund wurde das OTC-Geschäft ausgegründet und im September 2016 an die Börse gebracht. Seit die Richter aus Luxemburg ausländische Versandapotheken von der Preisbindung freisprachen und ein Rx-Versandverbot ausblieb, sieht man sich in Venlo offenbar auf der sicheren Seite. Noch im März hatte man ein 30-prozentiges Risiko gesehen, dass der Rx-Versand verboten würde. Der Ausgang der Bundestagswahl dürfte die Entscheidung befeuert haben: Denn damit, so das Management, sei der Entwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wegen der Diskoninuität vom Tisch. Allerdings wird eingeräumt, dass das Thema oder ein alternativer Vorschlag wieder neu auf die Tagesordnung kommen könnten, was massive Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben könnte.

Die EAV hat ein Bonusprogramm aufgelegt, bei dem Kunden bis zu 30 Euro pro Rezept einsammeln können. Bei Medikamenten unter 70 Euro gibt es 2,50 Euro pro Packung, bis 300 Euro werden 5 Euro ausgeschüttet. Bei einem Preis von mehr als 300 Euro gibt es 10 Euro pro Packung. Außerdem gibt es unter der Marke „Smart“ Therapiebegleitungsprogramme für Patienten mit Asthma, COPD, HIV, Hepatitis C, Multiple Sklerose und solche, die auf Wachstumshormone angewiesen sind. Außerdem winken Aufwandsentschädigungen für Teilnahmen an Umfragen und 50 Prozent Ersparnis im OTC-Bereich.

Laut Management wächst das Marktpotenzial in ganz Europa durch das Rx-Segment von 35 auf 165 Milliarden Euro. Derzeit gebe es praktisch keinen Rx-Versand, der Marktanteil liege in Deutschland bei 1,5 Prozent. Dabei sei der Bereich prädestiniert für den Versandhandel. Kleine Pakete, geringe Retourenquoten, regelmßig wiederkehrende Kunden, teure Warenkörbe – laut Management sind die Kennzahlen der Europa Apotheek branchenfremden Versendern wie Zalando, Asos und Boohoo überlegen.

Shop-Apotheke sei bestens vorbereitet, um die Wachstumschancen im Rx-Bereich zu kapitalisieren, schreibt das Management. Man schaffe ein Angebot für die gesamte Familie; erste Ansprechpartnerin sei die Mutter als Gesundheitsmanagerin. Ziel ist es, größere Warenkörbe zu generieren, häufigere Bestellungen zu induzieren und Cross-Selling zu stimulieren.

Die gemeinsame Historie, teilweise Übereinstimmungen in der Eigentümerstruktur und die bereits bestehende enge Zusammenarbeit am Standort Venlo bieten laut Management gute Voraussetzungen für eine zügige und reibungsglose Integration. „Durch die Transaktion möchte Shop Apotheke vor allem ihre europäische Marktführerschaft stärken und noch stärker am Rx-Online Handel partizipieren. Darüber hinaus erwartet Shop Apotheke auch nennenswerte Kostensynergien.“

Shop-Apotheke erwartet, dass die Kombination der beiden Geschäftsmodelle die größte und am schnellsten wachsende, integrierte Online-Apotheke mit einem umfassendem Portfolio von OTC-, Rx- und BPC-Produkten schafft. Der Umsatz beider Unternehmen für das Jahr 2016 entspräche rund 318 Millionen Euro.

Beide Versender haben bei der Abspaltung eine ganze Reihe von Vereinbarungen geschlossen, die die Zusammenarbeit regeln und ein Konkurrenzverhältnis ausschließen. So fungiert die Shop-Apotheke als Großhändler für das bisherige Mutterhaus – Lieferanten sind nach Firmenangaben alle führenden deutschen Großhändler sowie 280 Hersteller. Auch bei IT und Marketing arbeiten die Schwesterfirmen zusammen. Umgekehrt stellt die EAV das Lagerhaus mit 18.000 Quadratmetern Fläche und Büroräume in Köln.

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