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Interview Dr. Peter Schreiner und Antonios Vonofakos

Pro AvO: Eine Plattform kann doch jeder

Berlin - Bei der Initiative Pro Apotheke vor Ort (Pro AvO) haben sich bislang fünf Unternehmen zusammengeschlossen, die den Apotheken ein gemeinsames Angebot für den digitalen Wandel und den Onlinehandel mit Arzneimitteln machen wollen. Bis Ende Juni läuft die Konzeptionsphase. Stellvertretend erklären Antonios Vonofakos, Geschäftsführer bei BD Rowa, und Gehe-Geschäftsführer Dr. Peter Schreiner gegenüber APOTHEKE ADHOC, warum eine Bestellplattform nicht alles ist, was der Kunde sich wünscht.

ADHOC: Mit Gehe, Rowa, Sanacorp, Noventi und dem Wort & Bild Verlag haben sich fünf Unternehmen mit teilweise unterschiedlichen Interessen zusammengeschlossen. Dafür haben Sie eine breite Basis. Wie viele Apotheken haben Sie schon eingesammelt?
SCHREINER: Wir haben noch gar nicht mit der Teilnehmerakquise gestartet. Derzeit befinden wir uns in der Konzeptionsphase, die soll Ende Juni abgeschlossen sein. Das Ziel ist ganz klar als die Schaffung einer Branchenlösung, das kriegt man als Einzelunternehmen nicht hin. Wir brauchen auf der B2B-Ebene genügend Apotheken, die an diesem Service teilnehmen und wir brauchen auf der B2C-Ebene genügend Endverbraucher, die das Angebot kennen und annehmen. Sanacorp und Gehe haben flächendeckend Zugang zu den Apotheken, BD Rowa und Noventi das technische Knowhow und der Wort & Bild Verlag den Zugang zum Endverbraucher, wie es vielleicht kein anderer hat.

VONOFAKOS: Man kann schon annehmen, dass jede Apotheke mit mindestens einer der teilnehmenden Firmen eine Geschäftsbeziehung hat. Das ist aber übrigens keine Voraussetzung. Die Abdeckung war auch nicht ausschlaggebend für die Auswahl der Partner, sondern die harmonische Sichtweise auf den deutschen Apothekenmarkt: Die Apotheke vor Ort in Deutschland zu unterstützen.

ADHOC: Das würde wahrscheinlich jeder im Markt unterschreiben.
SCHREINER: Es ist aber ein Unterschied, ob jemand das innerhalb des eigenen Unternehmens tut oder in Form eines institutionellen Zusammenschlusses ein Joint Venture gründet, in dem die Stärken der einzelnen Akteure gebündelt werden. Der Onlinekanal wird weiter wachsen, das erwarten wir nicht nur, da sind wir uns sicher. Wir möchten dem Apotheker vor Ort die Möglichkeit geben, an diesem Wachstum zu partizipieren. Es geht um die Chancen, die die Digitalisierung den Apothekern bietet, ihre Kunden zu erreichen.

ADHOC: Und wie genau wollen Sie das machen?
VONOFAKOS: Das Besondere an unserer Partnerschaft ist, dass wir kein festgefahrenes Ziel verfolgen, sondern aus Endkundensicht denken und handeln. Die Lösung, die sich noch in der Konzeptionsphase befindet, wird sich über den Sommer hinaus weiter entwickeln – wie man das von anderen Onlinekanälen und Plattformen auch kennt.

ADHOC: Was ist mit den bestehenden Lösungen, die die einzelnen Partner der Gruppe schon auf dem Markt haben?
SCHREINER: Produkte und Knowhow werden eingebracht und können als konkrete Lösung genutzt werden. Das kann am Ende eine dieser Lösungen sein, oder Teile daraus. Wir gehen in der jetzigen Phase konsequent dem nach, was der Verbraucher wirklich will und was die Apotheke braucht. Und daran werden wir unsere Lösung ausrichten.

ADHOC: Ist die Antwort nicht einfach: Der Endverbraucher möchte seine Medikamente online bestellen und am liebsten nach Hause gebracht bekommen.
VONOFAKOS: Aber ist das wirklich alles? Vielleicht möchte er ja noch viel mehr oder etwas anderes. Es ist sehr leicht, dem Trugschluss zu verfallen, wir würden den Endverbraucher wirklich kennen. Deswegen befragen wir jetzt neutral und konsequent Verbraucher und Apotheker. Wir versuchen nicht, eigene Lösungen aus den Häusern mit aller Macht zu platzieren.

ADHOC: Wer hat dann am Ende die Hoheit über die Lösung?
VONOFAKOS: Wenn bestehende Lösungen in die Pro AvO eingebracht werden, dann werden die Dinge auch hier gesteuert. Am Ende wird der Konsument entscheiden, welche Lösung er will. Stand heute gibt es eine Vielzahl von Individual- und Insellösungen, die aber alle nicht die notwendige Durchdringung im Markt haben.

SCHREINER: Heute gibt es eine Vielzahl von Apps zur Auswahl und keine setzte sich letztlich durch. Nehmen Sie Click & Collect: Es ist ja nicht die Lebensrealität der Menschen, an acht Apotheken vorbeizufahren und in die neunte zu gehen, weil die einen Aufkleber im Fenster hat und zu irgendeiner Kooperation gehört. Deswegen müssen wir ein starkes Versorgungsnetzwerk aus möglichst vielen, möglichst allen Apotheken bauen und das ist unser Anspruch.

ADHOC: Diesen Anspruch haben andere auch. Noweda/Burda starten im April. Verspüren Sie einen gewissen Zeitdruck?
SCHREINER: Natürlich wissen wir, dass wir den Apothekern zeitnah ein Angebot machen müssen, der Onlinekanal wächst jedes Jahr. Aber uns geht es um die richtige Konzeption vor der schnellen Lösung.

VONOFAKOS: Was ich von Noweda mitbekommen habe ist die Bestellfunktion. Das ist erstmal nett, kann aber vieles bedeuten. Wir sind der festen Überzeugung, dass das nicht alles ist, was der Verbraucher sich wünscht. Auch wir werden im ersten Schritt nicht eine umfassende Lösung für alle Kundenwünsche vorlegen können. So eine Plattform wächst mit der Zeit – an den Bedürfnissen der Apotheken und Endverbraucher gleichermaßen. Denken Sie mal daran, was Google vor 15 Jahren war und was sie heute alles machen. Wir werden mit einem Angebot starten, das sinnvoll ist und die dringendsten Kundenwünsche befriedigt, aber das wird sicher über den Juni hinaus wachsen und dynamisch bleiben.

ADHOC: Es ist also sehr fantasielos zu sagen, dass Sie vermutlich dann auch mit einer Plattform mit Vorbestellfunktion und Lieferdienst starten werden?
VONOFAKOS: Kann sein, dass eine Vorbestellfunktion ein Grundbedürfnis ist, aber es gibt sicher etwas darüber hinaus. Wir haben eine lange Liste an Ideen in unseren Köpfen, aber jetzt wollen wir erstmal den Kunden sprechen lassen.

ADHOC: Sie gehen davon aus, dass sich am Ende eine Plattform durchsetzen wird?
VONOFAKOS: Das ist das typische Verhalten von digitalen Plattformen, dass sich in der Regel eine Plattform herauskristallisiert. Die Konzeptionsphase ist aber nicht auf das Produkt alleine limitiert. Wir machen uns auch Gedanken: Was könnte ein sinnvolles Konstrukt sein, um weitere Partner einzubinden in diese Initiative. Andere können einsteigen.

ADHOC: Aber aktuell sind es noch die „Big Five“?
SCHREINER: Das ist richtig, wir stehen aber im Austausch mit einer Vielzahl von Organisationen und Unternehmen, die sich bereit erklärt haben, sie einzubringen und die Initiative begrüßen. Wir sind noch nicht in der Situation, dass wir die Namen öffentlich machen können, aber wir freuen uns über den großen Zuspruch.

ADHOC: Gehe stand historisch nicht immer im Verdacht, sich für den einzelne kleinen Apotheker vor Ort einzusetzen und die Konzernmutter McKesson betreibt in anderen Ländern der Welt Apothekenketten, auch BD Rowa ist ein internationaler Großkonzern. Begegnen Ihnen diese Vorurteile.
SCHREINER: Ich glaube, klarer als wir den Auftrag formuliert haben, kann man es nicht mehr formulieren. Es geht darum, mit Pro AvO eine digitale Branchenlösung für die Apotheke vor Ort in Deutschland zu finden und ihr Zugang zum wachsenden Onlinekanal zu geben.

VONOFAKOS: Das mit dem internationalen Konzern höre ich auch ab und zu. Das eine schließt ja das andere nicht aus. Wir als BD Rowa verdienen unser Geld mit der Apotheke vor Ort, wir sind seit mehr als 20 Jahren ihr Partner. Das ist unser täglich Brot. Deshalb stört mich der Kommentar, wir würden uns nicht für die Apotheke vor Ort interessieren, weil wir ein internationaler Konzern sind.

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