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Rx-Versandverbot

Oberhänsli: Finanzgemeinde nicht in Panik

München - Kein guter Tag für Zur Rose: Das Rx-Versandverbot könnte den Mutterkonzern von DocMorris massiv treffen. Ein dreistelliger Millionenumsatz ist in Gefahr. Noch hält der Aktienkurs halbwegs. „Die Finanzgemeinde ist nicht in Panik“, sagte CEO Walter Oberhänsli beim Kooperationsgipfel des BVDAK. 

Oberhänsli räumte ein, dass er nicht mit dem Rx-Versandverbot gerechnet habe. Allerdings war er bemüht, die Sache sportlich zu nehmen: Immerhin sei eine solche Entscheidung im Rahmen des Möglichen gewesen. Nun müsse man sehen, wie man damit umgehe.

Es sei bedauerlich, dass die Apotheker versuchten, die Entwicklung zu negieren statt sich in Richtung neuer Geschäftsfelder zu entwickeln, so Oberhänsli. In der Beziehung zu den Kunden vor Ort und bei bestimmten Leistungen müssten Apotheken keine Angst vor Versendern oder Amazon haben. Den US-Internetkonzern sieht Oberhänsli allerdings ohnehin nicht „ante portas“.

Aus seiner Sicht müsste „der Fortschritt endlich im Gesundheitswesen ankommen“. Es könne doch nicht sein, dass nach wie vor 700 Millionen Rezepte hin und her transportiert würden.

Ein Lichtstreif am Horizont war für ihn das Honorargutachten des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Hier sei klar herausgearbeitet worden, dass der Versandhandel die flächendeckende Versorgung nicht gefährde. „Insofern ist das Gutachten von Relevanz.“

Von Sanacorp-Vorstand Frank Hennings wurde Oberhänsli befragt, wie DocMorris zu den GDP-Vorgaben stehe. „Das ist für uns sehr relevant. Qualität genießt bei uns ein sehr hohes Augenmaß.“ Nachholbedarf sehe er nicht: „GDP ist Recht und Punkt. Das wird bei uns eingehalten, ganz klar.“

Zu weiteren Zukäufen wollte Oberhänsli sich nicht äußern. Er sehe aber nicht die Tendenz, dass am Ende nur ein Player übrig bleibe. Zum Abschluss wurde die Debatte dann doch noch einmal schärfer: Der ehemalige Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, Karl-Rudolf Mattenklotz, wollte wissen, welchen Mehrwertsteuersatz DocMorris bei OTC-Produkten zahle. Als Oberhänsli die Antwort nicht parat hatte, warf Mattenklotz ihm vor, gar keine oder jedenfalls nur die günstigere niederländische Mehrwertsteuer zu zahlen. „Das ist falsch. Wir zahlen die reguläre Mehrwertsteuer“, so Oberhänsli.

Dem Konzernchef war die Anspannung wegen des Koalitionsvertrags anzumerken. Bevor er ins Auto stieg, um in die Schweiz zurückzufahren, warf er noch schnell einen Blick aufs Handy – Börsenkurs prüfen.

Zur Rose gab am Abend um 15 Prozent nach, die Aktien von Shop-Apotheke verloren sogar 25 Prozent. Der DocMorris-Konkurrent ist stärker betroffen, da er eine reine Versandapotheke ist und einen Großteil seines Umsatzes in Deutschland erwirtschaftet. Shop-Apotheke selbst ist zwar auf nicht verschreibungspflichtige Produkte spezialisiert; im Herbst wurde aber mit der Europa Apotheek der ehemalige Mutterkonzern übernommen, der wiederum vom Rx-Geschäft abhängig ist. Mit rund 150 Millionen Euro ist die selbst ernannte „Rezept-Apotheke“ etwas kleiner als DocMorris im Rx-Bereich (240 Millionen Euro).

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