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Rx-Versandverbot

Noweda: Mail-Lawine für Spahn

Berlin - Sein Konzept für die Gestaltung des Apothekenmarktes will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Apothekern in der kommenden Woche vorstellen. Doch aus Sicht der Noweda muss es bei diesem Austausch zwischen dem Minister und Standesvertretern nicht bleiben. Der Großhändler verbreitet in einem Schreiben an die Mitglieder die E-Mail-Adresse des Ministers, damit sich die Apotheker direkt an ihn wenden können.

Die Idee kam von einem Mitglied während der diesjährigen Generalversammlung Ende November: Der Apotheker aus Montabaur regte an, dass sich möglichst viele Kollegen an Spahn wenden sollten, um ihre Vorstellungen zur Zukunft der Apotheken deutlich zu machen – „insbesondere vor dem Hintergrund des fortschreitenden Versandhandelswachstums und der im Koalitionsvertrag enthaltenen Einigung der Regierungsparteien, das Rx-Versandhandelsverbot ernsthaft anzugehen“, heißt es im Noweda-Schreiben.

Spahn habe schließlich selbst dazu eingeladen. Bei seinem Auftritt beim Deutschen Apothekertag (DAT) in München habe er das Angebot geäußert, mit der Apothekerschaft über Maßnahmen zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung zu diskutieren. Dazu lädt die Noweda nun auf Anregung des Apothekers aus Montabaur nun alle Mitglieder ein.

Im selben Mitgliederrundschreiben zitiert der Großhändler zudem eine Bewertung des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Dessen Chef Dr. Martin Zentgraf hatte zum Thema Impfstoffversorgung gesagt: „Statt nun mit einem Notstandsgesetz auf hausgemachte Versorgungsprobleme zu reagieren, müssen die Marktbedingungen endlich so gestaltet werden, dass es zu diesen Problemen gar nicht kommt.“ Er kritisierte die vermeintlich cleveren Vertragskonstruktionen, um das Verbot von Rabattausschreibungen zu umgehen. Die Begründung für den Ausruf des Versorgungsmangels sei daher „paradox“.

Die Noweda hat sich bis zum heutigen Tag selbst sehr für ein Rx-Versandverbot eingesetzt und sogar ein rechtliches Gutachten in Auftrag gegeben. Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Kuck hatte den Gesetzgeber bei der Generalversammlung für sein Zögern kritisiert: „Das ist schon bemerkenswert. Da sorgt die Politik durch ihre Entscheidung, den Versandhandel zuzulassen, für eine überaus unsichere Zukunft der flächendeckenden Versorgung. Und wenn es dann wirklich gefährlich wird, weil neue Marktakteure ihre Chancen wahrnehmen und vom Europäischen Gerichtshof dabei noch tatkräftig unterstützt werden, verweigert eben diese Politik schnell und nachhaltige Maßnahmen.“

Ob die eigene E-Mail-Maßnahme erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Der Aufruf des Niedersächsischen Apothekerverbands, dem damaligen Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) aus Protest den eigenen Kittel zu schicken, war 2012 kein durchschlagender Erfolg. Dass sich Spahn aktuell noch von seinem Weg abbringen lässt, nur weil er Mails bekommt, dürfte ebenso unwahrscheinlich sein.

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