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Interview Dr. Michael P. Kuck

Noweda-Chef erklärt den Zukunftspakt

Berlin - Fit für Amazon: Die Noweda ruft einen „Zukunftspakt Apotheke“ aus. Zur Erstausstattung gehören ein Apothekenportal und eine Kundenzeitschrift. Mit im Boot ist der Medienkonzern Burda. Im Interview erklärt Noweda-Vorstandschef Dr. Michael Kuck, wie es zu dem Projekt kam und wie es im Detail ausgestaltet ist.

ADHOC: Warum hat sich die Noweda entschieden, eine Gesundheitszeitschrift und eine Plattform ins Leben zu rufen?
KUCK: Noweda und Burda rufen nicht eine Gesundheitszeitschrift und eine Plattform ins Leben, sondern den „Zukunftspakt Apotheke“. Kernbestandteile sind die neuartige Apothekenkundenzeitschrift „My Life“, das bereits bestehende gleichnamige Gesundheitsportal „mylife.de“, die Bestellplattform „IhreApotheken.de“ sowie eine neuartige App für die Apothekenteams, mit der ein Informationskanal zwischen Herstellern und Apotheken geschaffen wird, zum Beispiel für Schulungsmaßnahmen und Produktinformationen.

ADHOC: Warum diese drei Bausteine?
KUCK: Kundenzeitschrift, Gesundheitsportal und die Online-Bestellplattform sind miteinander vernetzt, ergänzen damit einander, bewerben einander und ermöglichen damit eine hohe Reichweite in der Bevölkerung. Der „Zukunftspakt Apotheke“ ist damit ein Omnichannel-Konzept, welches stationär und online miteinander verbindet, um die Stärken der Vor-Ort-Apotheke gegenüber reinen Online-Anbietern bestmöglich zu nutzen. Es geht darum, Kunden über alle Kanäle in die Apotheken zu führen und sie langfristig zu binden. Mit dem „Zukunftspakt Apotheke“ können Vor-Ort-Apotheken ihre Vorteile, wie die sofortige beziehungsweise sehr kurzfristige Warenverfügbarkeit, ihre hohe fachliche Kompetenz und ihre Nähe zu Kunden und Patienten gegenüber dem wachsenden Arzneimittelversandhandel ab dem Frühjahr 2019 bestmöglich nutzen.

ADHOC: Wie kam es zu der Idee?
KUCK: Die Entscheidung zur Gründung des „Zukunftspakts Apotheke“ entstand vor dem Hintergrund der wachsenden Bedrohung durch Arzneimittelversender und potenzielle neue Marktteilnehmer wie Amazon. Es sind viele Mitglieder auf uns zugekommen und haben Interesse an einer gemeinsamen Lösung gezeigt. Mit dem Zukunftspakt Apotheke haben wir auf diesen Wunsch unserer Mitglieder reagiert. Wir wollen jetzt handeln, denn der Online-Wettbewerb wartet nicht. Der Zukunftspakt Apotheke ermöglicht es den Vor-Ort-Apotheken, dieser Bedrohung auf Augenhöhe zu begegnen.

ADHOC: Während in der Branche eine gemeinsame Antwort gefordert wird, proben Sie den Alleingang.
KUCK: Der „Zukunftspakt Apotheke“ steht allen Vor-Ort-Apotheken offen, das heißt auch Nicht-Noweda-Kunden. Zudem laden wir alle Akteure im Apothekenmarkt ein, die für den Erhalt des heutigen Systems der flächendeckenden Arzneimittelversorgung durch inhabergeführte Vor-Ort-Apotheken stehen – keine Finanzinvestoren – sich ebenfalls als strategische Partner am Zukunftspakt zu beteiligen. Der „Zukunftspakt Apotheke“ ist eine Branchenlösung im Sinne eines offenen Systems zur Stärkung aller Vor-Ort-Apotheken. Der Vorwurf einer „Insel-Lösung“ ist somit sachlich falsch.

ADHOC: Aber Sie verschaffen dem Medienkonzern Burda einen direkten Zugang zum Apothekenmarkt.
KUCK: Die Bestell-Plattform „IhreApotheken.de“ sowie die App für Apothekenteams sind Entwicklungen der Noweda und werden allein von Noweda betrieben. Eine wirtschaftliche beziehungsweise gesellschaftsrechtliche Verknüpfung zwischen Noweda und Burda besteht insoweit nicht. Noweda allein stellt die Plattform interessierten Apotheken als Infrastruktur zur Verfügung. Die Plattform steht somit im Eigentum der Apothekerinnen und Apotheker, die Mitglieder und Kapitalgeber der Genossenschaft Noweda sind. Der im Kommentar von Herrn Hollstein geäußerte Vorwurf, Burda wolle „Kapital absaugen – bei jeder Transaktion und jeder Auslieferung, für die die Apotheke ihren Fahrer losschickt“, ist somit sachlich falsch.

ADHOC: Welche Rolle spielt Burda dann im „Zukunftspakt“?
KUCK: Burda bringt sich in den gemeinsamen „Zukunftspakt Apotheke“ mit dem neu entwickelten, modernen Apotheken-Kundenmagazin „My Life“ ein sowie mit seinem bereits seit 2016 bestehenden gleichnamigen journalistischen Gesundheitsportal „mylife.de“. Redaktion, Produktion, Vermarktung und Vertrieb des Kundenmagazins erfolgen im Rahmen eines gemeinsamen Joint Ventures. Die Kernkompetenzen von Burda und Noweda ergänzen sich optimal, um dem „Zukunftspakt Apotheke“ mit seinen innovativen Medienangeboten und Dienstleistungen zur Stärkung der Apotheken vor Ort zum Erfolg zu verhelfen.

ADHOC: Gab es Gespräche mit der Umschau, der ABDA oder anderen Interessenten? Woran sind diese gegebenenfalls gescheitert?
KUCK: Derartige Gespräche gab es nicht. Der Zukunftspakt steht jedoch allen Interessenten offen, die sich an der Stärkung der inhabergeführten Vor-Ort-Apotheken beteiligen möchten.

ADHOC: Wie kam der Kontakt zustande? Ist die Noweda auf Burda zugegangen oder umgekehrt? Seit wann laufen die Planungen?
KUCK: Burda und Noweda stehen im Zusammenhang mit den Noweda-Eigenmarken seit Längerem in loser Geschäftsbeziehung. In gemeinsamen Gesprächen ist die Idee eines Zukunftspakts zur Stärkung der Apotheken vor Ort entstanden. Diese Idee ist in rund zwei Jahren Vorbereitungszeit zur Umsetzung gereift. Der Hinweis im Kommentar von Herrn Hollstein, Noweda sei in „auffälliger Eile vorgeprescht“, ist somit sachlich falsch. Im Gegenteil geht dem Zukunftspakt eine längere Vorbereitungsphase voraus. So wurde die Online-Plattform bereits auf der Generalversammlung der Noweda im November 2017 angekündigt und es wurden seitdem in den vergangenen Monaten in mehreren Pilotprojekten planmäßig wichtige Aspekte für eine erfolgreiche Konzeption und Umsetzung getestet.

ADHOC: Wie sieht das Joint Venture aus? Wie sind die Anteile verteilt? Welche Bereiche werden jeweils eingebracht?
KUCK: Das Joint Venture wird ausschließlich zur Markteinführung des neuen Apothekenmagazins „My Life“ gegründet. Die Anteile sind 50:50. Burda ist mit seiner journalistischen und publizistischen Expertise für die Produktion des Magazins zuständig. Noweda ist die wichtige Schnittstelle zu den Apotheken in Beratung und Vertrieb.

ADHOC: Wie sichert sich die Noweda Einfluss? Welche Mitbestimmung gibt es? Inwiefern ist eine Fortführung ohne Noweda ausgeschlossen?
KUCK: Noweda und Burda entscheiden im Rahmen des Joint Ventures gemeinsam in allen Fragen, die das Kundenmagazin „My Life“ betreffen. Sollte das Joint Venture aufgelöst werden, endet auch die Herstellung und Vermarktung des Kundenmagazins. Die Plattform „IhreApotheken.de“ ist zu 100 Prozent in der Hand von Noweda. Es gibt insoweit keine Beteiligung und keine wirtschaftlichen Einfluss von Burda und auch keine Mitbestimmungsrechte.

ADHOC: Was sind Ihre Erwartungen hinsichtlich Erstauflage, Nutzerzahlen und Vertriebsstellen?
KUCK: Die erste Druckauflage der Kundenzeitschrift „My Life“ wird in einem sechs- bis siebenstelligen Bereich liegen, also bei rund einer Millionen Exemplaren. Weitere Prognosen können derzeit nicht abgegeben werden.

ADHOC: Wird das Magazin kostenlos abgegeben?
KUCK: Apotheken können das Magazin kostenlos an ihre Kunden abgeben. Das Angebot aus dem „Zukunftspakt Apotheke“ wird ökonomisch sehr interessant für die Apotheken sein, da die Stärkung der Vor-Ort-Apotheken im Vordergrund steht.

ADHOC: Welche Beschlüsse seitens Aufsichtsrat und Generalversammlung gab es zu dem Projekt?
KUCK: Der Aufsichtsrat der Noweda trägt das Projekt zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken in vollem Umfang mit. Im Übrigen wurden erste Ansätze zu dem Projekt bereits auf der Generalversammlung der Noweda im November 2017 mitgeteilt und von der Generalversammlung begrüßt.

ADHOC: Wie groß ist das Projekt finanziell insgesamt?
KUCK: Beide Partner bringen betreffend die Kundenzeitschrift ihre jeweiligen Fähigkeiten ein und tragen ihre Kosten selbst. Die Plattform „IhreApotheken.de“ wird allein von Noweda erstellt und finanziert.

ADHOC: Wann kommt die Plattform und was wird sie können?
KUCK: Der Zukunftspakt Apotheke startet mit allen seinen Kernbestandteilen im April 2019. Die Plattform ermöglicht jeder Vor-Ort-Apotheke einen individuellen Auftritt mit ihrem eigenem Sortiment und Dienstleistungsangebot, sie ist die Bestellplattform der Vor-Ort-Apotheken. Gleichzeitig werden gemeinsame bundesweite Aktionen möglich sein, von denen alle teilnehmenden Vor-Ort-Apotheken partizipieren können.

Patienten und Kunden können die Ware in einer Apotheke ihrer Wahl bestellen, ohne sich eine App herunterladen oder sich registrieren zu müssen – jederzeit unterwegs vom Handy –ihreapotheken.de wird mobil optimiert – oder vom PC aus einfach und bequem vorbestellen und in der Apotheke abholen. In wenigen Schritten können Kunden auch Rezepte an die Apotheke versenden – so einfach und bequem wie bei jedem Messenger-Dienst – und das konform mit deutschen Datenschutzrichtlinien. Kunden erhalten Produkte aus ihrer Apotheke innerhalb kürzester Zeit – nicht in Tagen, sondern Stunden. Gleichzeitig sparen sie sich einen Weg zur Apotheke. Sie können sicher sein, dass das gewünschte Produkt da ist, wenn sie es abholen.

Vorgaben hinsichtlich der Auswahl der jeweiligen Apotheke erfolgen durch Noweda nicht. Apotheken können – sofern sie dies wollen – den eigenen Botendienst auf der Plattform im Rahmen der rechtlich zulässigen Möglichkeiten anbieten. Über das jeweilige eigene Sortiment der Vor-Ort-Apotheke hinaus wird das gesamte Sortiment des pharmazeutischen Großhandels zur Abholung in der jeweiligen Apotheke vorbestellbar sein. Das zur Verfügung stehende Sortiment ist damit dem Sortiment von Versandapotheken deutlich überlegen.

Ergänzt wird das Angebot der Plattform durch eine attraktive Aufmachung, durch Aktionen, Themen- und Herstellershops.

ADHOC: Wie sollen Kunden die Website im Internet finden?
KUCK: Die zentrale Domain „ihreapotheken.de“ und damit einhergehende Marketinginstrumente, sei es beispielsweise die Einbindung in ein Gesundheitsportal wie MyLife oder auch auf Herstellerseiten, ermöglichen eine deutlich höhere Sichtbarkeit im Internet. Damit können alle Vor-Ort-Apotheken auch von den Vorteilen profitieren, die ansonsten Versandapotheken vorbehalten sind, aber Kunden und Umsätze bleiben aufgrund des Marktplatzmodells bei den entsprechenden Vor-Ort-Apotheken.

ADHOC: Wie stellen eine Flächendeckung sicher?
KUCK: Der Zukunftspakt wird als Branchenlösung flächendeckend sein.

ADHOC: Inwiefern ist Noweda jetzt eine „Apothekenkooperation“?
KUCK: Seit jeher ist die eingetragene Genossenschaft die Rechtsform für Kooperationen. Wenn sich über 9000 Apotheker und Apothekerinnen in einer Genossenschaft zusammenschließen, ist dies logischerweise eine Kooperation.

ADHOC: Inwiefern kann eine Plattform Apotheken vor Ort helfen?
KUCK: Große Versender, vor allem mit Sitz im Ausland, wachsen im OTC-Bereich mit zwei und dreistelligen Prozentzahlen. Prognosen besagen, dass der Marktanteil der Versender im OTC-Bereich bereits 2023 auf circa 30 Prozent ansteigen wird. Mit Einführung des elektronischen Rezepts ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln einen weiteren Aufschwung erfährt. Zudem stehen neue Marktteilnehmer wie insbesondere Amazon bereit, Marktanteile zu erobern.

Vor-Ort-Apotheken punkten durch fachlich hochqualifizierte, persönliche Beratung von Mensch zu Mensch und durch eine sehr hohe, schnelle Warenverfügbarkeit. Es liegt nahe, diese stationären Vorteile über eine Online-Bestell-Plattform in das Internet zu verlängern.

Bisherige Lösungen kranken durchweg daran, dass sie lediglich über mangelhafte Reichweiten in der Bevölkerung verfügen. Durch die Vernetzung der Kernbestandteile des Zukunftspaktes und die mediale Stärke von Burda wird dieser Nachteil im Konzept des Zukunftspaktes vermieden.

Die Online-Plattform macht darüber hinaus Vor-Ort-Apotheken als Institution im Internet sichtbar und sorgt damit dafür, dass Apotheken als moderne Anlaufstellen für Gesundheit auch von jüngeren Menschen (wieder-)entdeckt werden können.

Apotheken können ihren bestehenden Kunden ohne viel eigenen Aufwand einen attraktiven Online-Service anbieten und binden sie dadurch an ihre Apotheke. Im unübersichtlichen Digitalbereich bekommen sie ein Angebot aus einer Hand von einem vertrauenswürdigen Partner, der als Genossenschaft im ausschließlichen Eigentum von Apothekerinnen und Apothekern ist und bleibt.

Gleichzeitig fehlt in Deutschland bisher eine Online-Bestellplattform von Vor-Ort-Apotheken mit bundesweit flächendeckender Abdeckung, um diese Kunden und Patienten in ganz Deutschland anbieten zu können. Daher bieten wir mit ihreapotheken.de die Etablierung einer Branchenlösung, offen für alle Vor-Ort-Apotheken in Deutschland an.

ADHOC: Logik des Plattformkapitalismus ist das Ausschalten einer Handelsstufe. Was bedeutet das für Ihr Konzept?
KUCK: Diese Frage ist nicht ganz nachvollziehbar. Im Kern geht es darum, den aggressiv wachsenden Versendern und dem Umsatzentzug, den Vor-Ort-Apotheken durch das Internet erleiden, etwas entgegenzusetzen. Die Plattform stellt insoweit nichts anderes als eine Infrastruktur für den Einkauf in Vor-Ort-Apotheken dar. Weder Vor-Ort-Apotheken noch der pharmazeutische Großhandel werden durch das Konzept ausgeschaltet.

ADHOC: Wieso der Bruch mit der Umschau? Glauben Sie nicht an eine gemeinsame Lösung?
KUCK: Es gibt keinen Bruch mit der Umschau. Soweit die Umschau – wie von ihr öffentlich seit einiger Zeit propagiert – ein eigenes Konzept verfolgt, ist sie zu keinem Zeitpunkt auf Burda oder Noweda zwecks einer Partnerschaft zugekommen.

Der Zukunftspakt richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Umschau oder sonstige Marktteilnehmer, sondern dient allein der Stärkung der Vor-Ort-Apotheken.

ADHOC: Wer profitiert von der Spaltung des Marktes?
KUCK: Diese Frage müsste zum besseren Verständnis näher ausgeführt werden. Auf dem Markt der Apothekenzeitschriften wird durch das neue Magazin „My Life“ eine zusätzliche Konkurrenzsituation entstehen. Inwieweit jedoch dadurch ein „vorher einiger“ Markt gespalten wird, ist nicht erkennbar.

ADHOC: Es geht um die Noweda-Plattform.
KUCK: Wir laden nicht nur alle Apotheken in Deutschland (ob Noweda-Kunde oder nicht) zur Teilnahme am Zukunftspakt ein, sondern zudem alle Akteure im Apothekenmarkt, die für die inhabergeführte Vor-Ort-Apotheke stehen. Gerade letztere können sich als strategische Partner daran beteiligen, die Branchenlösung „Zukunftspakt“ gemeinsam weiterzuentwickeln. Das Motto des Zukunftspakt Apotheke lautet: Gemeinsam.Stärker. Nur gemeinsam werden wir jede einzelne Apotheke im sich verändernden Wettbewerb mit Online-Anbietern, wie Amazon oder Versandapotheken und unter sich weiter verändernden Rahmenbedingungen im Zuge der Digitalisierung des Gesundheitswesens stärker machen können.

ADHOC: Wie waren die ersten Reaktionen?
KUCK: Erste Ansätze zu dem Projekt wurden bereits auf der Generalversammlung der Noweda im November 2017 mitgeteilt. Die Reaktion war durchweg positiv. Viele Mitglieder und Kunden der Noweda haben sich seitdem nach dem Start einer umfassenden Lösung erkundigt. Die ersten Reaktionen auf das Konzept des Zukunftspaktes waren dementsprechend ebenfalls durchweg positiv.

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